Gesellschaft

Viel zu protzig, finden Naturschutzorganisationen
Holzsteg im Wald von Baar: Die Sache harzt

  • Lesezeit: 3 min
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Der Treppenturm Buebegunte ist den Projekt-Gegnern ein Dorn im Auge.
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Der Treppenturm Buebegunte ist den Projekt-Gegnern ein Dorn im Auge. (Bild: (Visualisierung: zvg))

Die Korporation Baar plant seit zwei Jahren im Wald oberhalb des Lorzendamms einen Holzsteg für Fussgänger. Das Projekt sorgt für grossen Widerstand. Einer der Knackpunkte: Der geplante Treppenturm, der prominent dastehen würde.

Die Pläne, welche die Korporation Baar im Februar 2020 veröffentlichte, sind durchaus verwegen. Zwischen Buebegunte und Vogelwinkel, also im Wald zwischen Burgmatt und Lorzendamm, soll ein hölzerner Verbindungssteg mit einer Treppenanlage und Aussichtsplattformen entstehen (zentralplus berichtete).

Das Besondere: Die Spaziergängerinnen bewegen sich zwischen 3 und 22 Metern oberhalb des Waldbodens. Mehrere Treppen überbrücken die Höhenmeter zwischen Ein- und Ausstieg. Gemäss anfänglicher Planung sollte der Holzsteg in Baar im Winter 2020 gebaut werden.

Spaziert man jedoch heute durch besagten Wald, ist nichts zu sehen von einem Holzsteg. Einzig dort, wo die beiden Türme dereinst zu stehen kommen sollten, sind Bauprofile sichtbar.

Denn obwohl das Projekt gänzlich aus lokalem Holz entstehen und möglichst wenig in die Natur eingreifen sollte, regte sich im Frühjahr 2020 subito Widerstand dagegen. Dies insbesondere durch Naturschutzorganisationen, welche sich über den 28 Meter hohen Holzturm enervierten, der beim Buebegunte gebaut werden sollte. Dieser sei völlig überdimensioniert und passe nicht in die Landschaft, so die Kritik.

Unauffällig zwischen verschneiten Bäumen stehen Bauprofile am Waldrand.

Zwei Jahre ists her, wenig ist passiert

Nun sind bereits fast zwei Jahre vergangen. Es wurde still ums Projekt Holzsteg in Baar. Korporationsschreiberin Corinna Müller äussert sich auf Anfrage wie folgt: «Wir sind mit der Umsetzung tatsächlich gleich weit wie bereits vor rund zwei Jahren.»

Etwas Bewegung sei dennoch in die Sache hineingekommen: «Mitte November lud die Gemeinde Baar die unterschiedlichen Interessensvertreter zu einer Einigungsverhandlung ein.» Dort hätten sich alle Beteiligten äussern können.

«Wie der Zeitplan aussieht, ist aktuell schwierig zu sagen.»

Corinna Müller, Korporationsschreiberin

Müller sagt: «Grundsätzlich scheint niemand das Projekt völlig daneben zu finden. Über die Details jedoch streiten sich die Geister noch.» Es werde allenfalls nicht die letzte Gelegenheit bleiben, bei der sich die Anspruchsgruppen äussern können.

«Doch wie der Zeitplan aussieht und wie viele Runden es noch geben wird, ist aktuell schwierig zu sagen. Wir bleiben optimistisch, dass das Projekt in absehbarer Zeit realisiert werden kann», sagt Corinna Müller.

Waldweg und Holzsteg sollen sich nicht in die Quere kommen, sondern vielmehr ergänzen, so die Bauherrenschaft.

Projekt Holzsteg verschiebt sich wohl um ein weiteres Jahr

Wie schätzen die Kontrahenten des Projekts die Situation ein? Raimund Rodewald, der Geschäftsleiter der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, hatte sich 2020 dezidiert gegen das Projekt geäussert (zentralplus berichtete). Wurde der Widerstand mittlerweile schwächer?

«Der Bau hat beinahe Kühlturmcharakter und ist weit mehr als ein Treppenstieg.»

Raimund Rodewald, Geschäftsführer Stiftung Landschaftsschutz

Er sagt auf Anfrage: «Für uns ist der geplante Turm nach wie vor architektonisch fragwürdig. Wir möchten nicht bestreiten, dass ein Zugang vom Hangfuss aus technisch machbar ist, doch passt dieser klobige Turm nicht in die Landschaft.» Rodewald weiter: «Der Bau hat beinahe Kühlturmcharakter und ist weit mehr als ein Treppenstieg.»

Hoffnung auf Neuplanung

Rodewald hat grundsätzlich Verständnis für das Projekt. «Wir wollen der Bauherrschaft Hand bieten für eine konstruktive Lösung im wahrsten Sinn.» Ob die Architekten bereit seien, das Projekt zu redimensionieren, sei jedoch fraglich. «Der aktuelle Entwurf wirkt auf uns jedenfalls selbstverliebt und deutlich zu protzig. Das hat mit Erholung im Wald nichts mehr zu tun, sondern ist klar ein touristisches Projekt.» Rodewald hofft, dass die Bauherrschaft, namentlich die Korporation, den Mut aufbringt, gegebenenfalls die Architekten zu wechseln.

Er sagt weiter: «Beim Gespräch im November wurde ersichtlich, dass sich mehrere Seiten, darunter auch offizielle, wünschen, dass das Projekt noch einmal überarbeitet wird.»

Die Gemeinde Baar, welche nicht zuletzt aufgrund der Einsprachen beim Projekt involviert ist, hält sich bedeckt. «Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, gibt die Gemeinde keine weitere Auskunft», heisst es seitens des Gemeinderats.

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4 Kommentare
  1. Kontra, 13.01.2022, 09:31 Uhr

    Ihr seid echt der Hammer Holz ist schon Mangelwahre und richtig teier und ihr setzt das für einen einmaligen Aufstieg ein??? Mit diesem Geld könnte man einen Spielplatz für Kinder im Wald aufbauen

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  2. Potz Blitz!, 12.01.2022, 11:38 Uhr

    «Kühlturmcharakter» für einen Holzturm – da packt einer die ganz grosse Keule aus. Diagnose: akuter Argumentationsnotstand.

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  3. staphylosaurus, 12.01.2022, 10:01 Uhr

    Wieso denken die Initianten, dass sie für sowas eine Rodungsbewilligung erhalten könnten?

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  4. JR, 12.01.2022, 08:39 Uhr

    Schade, wenn solche tollen Projekte nicht realisiert werden können. «Touristisch» wäre ganz schlimm für Baar. Die können sich ja heute kaum vor Touristen retten…
    Wir haben einfach zu viele Verbände, die Innovationen aufhalten. Da will ein Freund von mir sein Dach mit Solarpanels bestücken, darf er aber nicht, weil der Denkmalschutz sein Veto eingereicht hat. Da will man Stauseen bauen, um wenigstens ein wenig Energiesicherheit für dieses Land zu schaffen, und da kommen die Naturschutzverbände (ausgerechnet jene, die am meisten CO2-Panik haben), und erheben Einspruch…
    Treten auf der Stelle und kein Fortschritt – bei viel zu vielen Herausforderungen.

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