Holzmarkt macht Faxen: Was das für Luzern bedeutet
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Der Holzpreis steigt derzeit zünftig an. Für Schweizer Förster ist das ein gute Sache. (Bild: Emanuel Ammon/ Aura)

Mehr Arbeit für Förster Holzmarkt macht Faxen: Was das für Luzern bedeutet

6 min Lesezeit 08.09.2021, 04:59 Uhr

Holz ist derzeit weltweit ein begehrtes Gut. Seit dem Frühling 2020 stiegen die Preise für Bauholz international zünftig an, bis sie im Frühling dieses Jahres wieder zu sinken begannen. Die Auswirkungen bekommen Luzerner Betriebe bis ins hinterste Tal zu spüren.

Die Entwicklung, die der Holzpreis im letzten Jahr gemacht hat, ist beeindruckend. Nachdem er jahrelang auf einem Niveau von 540 Dollar herumgedümpelt war, schoss er im April 2020 in die Höhe und erreichte im Frühling 2021 1’640 Dollar, bis er danach gemäss «finanzen.ch» wieder auf 440 Dollar abrutschte.

Holz ist nicht der einzige Rohstoff, der sich mitten auf einer Achterbahnfahrt befindet, erklärt Kurt A. Zurfluh: «Beim Stahl verzeichnen wir aktuell ein Plus von 48 Prozent im Vergleich mit der Zeit vor Corona; auch Kanalrohre aus Kunststoff sind 40 Prozent teurer. Der Preis von Schalungstafeln ist derweil um 25 Prozent gestiegen», sagt der Geschäftsführer der Zentralschweizerischen Baumeisterverbände gegenüber zentralplus. Ausserdem sei es schwierig geworden, genügend Schalungstafeln zu beziehen.

Als Gründe für die weltweite Verteuerung von Baustoffen nennt Zurfluh folgende: «Der Preis stieg während der Pandemie wohl dadurch, dass in dieser Zeit eine hohe Bautätigkeit geherrscht hat. Man hat gemerkt, dass die Menschen sich über ihr Wohnverhalten nicht nur Gedanken gemacht haben, sondern hier auch Taten haben folgen lassen. In dieser Zeit haben aufgrund der Pandemie viele Firmen ihre Produktion gedrosselt, was zu einer Verknappung der Angebote geführt hat.»

Für Bauunternehmen sind die hohen Preise einschneidend

Bei Bauprojekten, bei welchen auf beiden Seiten «sportlich» kalkuliert worden sei, könne dies zur Herausforderung werden. Zurfluh erklärt: «Wenn der Unternehmer dem Bauherrn einen Preis von 150’000 Franken für seine Dienstleistung offeriert und dann aufgrund der Preissteigerungen beim Material plötzlich zusätzliche Aufwendungen von 60’000 Franken in Rechnung stellen muss, wird dies unweigerlich und verständlicherweise zu Diskussionen führen.»

Dass die Teuerung zwar aufgrund von «ausserordentlichen Umständen» weitergegeben werden darf, ist zwar gesetzlich geregelt. Aber, so Zurfluh, «was ein ausserordentlicher Umstand ist, wird nicht klarer definiert».

«Es wird allgemein gehofft, dass bald wieder etwas mehr Ruhe in der Beschaffung der Materialien einkehren wird.»

Kurt A. Zurfluh, Geschäftsführer Zentralschweizerische Baumeisterverbände

Und wenn die Auftraggeber nicht einsehen, dass sie nun mehr zu zahlen haben? «Dann hat der Unternehmer keinen oder nur wenig Gewinn.» Die Gewinnmarge sei bereits heute im Bauhauptgewerbe stark angespannt. Arbeitsabläufe seien ausgereizt und der Personaleinsatz so optimiert, dass hier kein weiterer Spielraum bestehe. «Um wirklich rentabel zu sein», so Zurfluh, «braucht es mehr als nur ein bis zwei Prozent Marge, wenn man auch in Zukunft auf dem Markt mit entsprechendem Inventar präsent sein will.»

Umso wichtiger sei es, dass zwischen Auftraggeber und -nehmer ein fairer Umgang herrsche. «Sonst wird die Zusammenarbeit für beide Seiten schwierig.» Nicht alle Preissteigerungen erfolgen aufgrund der Angebotsverknappung. Einige Firmen hätten diesen Umstand zum Anlass genommen, ihre Produkte ebenfalls zu verteuern, da dies in diesem «Fahrwasser» unproblematisch habe stattfinden können. «Die Branchen haben hier einige Herausforderungen zu bewältigen und es wird allgemein gehofft, dass bald wieder etwas mehr Ruhe in der Beschaffung der Materialien einkehren wird.»

Der Bau mit Schweizer Holz lohnt sich für Unternehmen aktuell finanziell mehr als noch vor zwei Jahren.

Fast 80 Prozent des Holzes werden importiert

Lukas Schär, Kommunikationsverantwortlicher der Luzerner Schärholzbau AG, sagt auf Anfrage von zentralplus: «Solche Preisaufschläge wie im letzten Jahr hat es im Holzmarkt in den letzten dreissig Jahren nicht gegeben. Im Gegenteil, der Preis ist tendenziell gesunken.» Entsprechend sei die gesamte Holzbau-Branche überrascht von dieser schnellen Entwicklung.

Für viele Zimmereien in der Schweiz sei die Lage insofern einschneidend, als durchschnittlich 70 bis 80 Prozent des Konstruktionsholzes aus dem Ausland importiert würden, erklärt Schär. «Da der Preis dort etwa um Faktor Zwei angestiegen ist, wollen die Unternehmen vermehrt Holz aus der Schweiz kaufen.»

«Die meisten EU-Werke sind in der Logistik sehr unflexibel. Bestellen wir hiesiges Holz, ist dieses zur richtigen Zeit am richtigen Ort.»

Lukas Schär, Kommunikationsverantwortlicher Schärholzbau AG, Altbüron

Zwar ist dieses grundsätzlich deutlich teurer als jenes aus dem EU-Raum, doch war der Preisanstieg in der Schweiz mit ungefähr 30 Prozent merklich tiefer als im Ausland.

Das Problem mit der grösseren Nachfrage: «In der Schweiz gibt es zu wenig leistungsfähige Sägewerke. Wenn ich jetzt Holz bestelle, habe ich es erst im Januar. Früher dauerte das zwei bis drei Wochen.»

Die hohen Preise haben auch positive Aspekte

Die hohen Preise für Holz aus dem Ausland betreffen Schärholzbau nur am Rande: «Einerseits decken wir mit der Produktion im eigenen Sägewerk einen Drittel unseres Eigenbedarfs ab, andererseits haben wir schon immer den grössten Teil unseres Bedarfs mit lokalem Holz abgedeckt. Das heisst, wir haben immer schon mehr bezahlt, als ob wir unser Holz in der EU bestellen würden.» Eine Frage der Ideologie? «Sicher auch. Dazu kommt, dass es logistisch einfacher ist für uns, Holz aus der Schweiz zu beziehen. Die meisten EU-Werke sind in der Logistik sehr unflexibel. Bestellen wir hiesiges Holz, ist dieses zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Wir können also präziser planen und verschwenden weniger Zeit und Geld für die Lagerbewirtschaftung.»

Die internationale Lage habe durchaus auch ihre positiven Seiten, findet Schär: «Viele Unternehmen überlegen sich nun, woher sie den Rohstoff beziehen, oder haben sogar begonnen, vermehrt mit regionalen Rohstoffen zu arbeiten.» Sie hätten gemerkt, dass es sich lohnen könne, wenn man keine grossen Wege machen müsse. «Ausserdem konnten Schweizer Sägereien, die in den letzten Jahren zu kämpfen hatten, durch eine ausserordentlich hohe Auslastung wieder etwas Ertrag machen.» Er gibt zu bedenken: «Ich hoffe, dass das Geld, das nun vermehrt ins Schweizer Holz fliesst, auch bis in den Wald selber kommt.» Sprich: Dass das Geld nicht nur in der Industrie, sondern etwa auch bei den Waldeigentümern landet.

Lerne: Rundholz ist nicht Schnittholz

Martin Hafner ist Förster bei der Napfholz GmbH und steht somit am Anfang der Produktionskette: «Man muss zwischen Rund- und Schnittholz einen Unterschied machen. Das Phänomen der Preiserhöhungen macht sich besonders beim Schnittholz bemerkbar. Im Wald tritt diese Entwicklung mit Verspätung und ausserdem weniger stark ein. Trotzdem will ich nicht klagen.» Viel eher hofft der Förster, dass die positive Preisentwicklung weiter anhält. Im April dieses Jahres habe der Preis für Rundholz zu steigen begonnen. Dieser liege nun 20 bis 30 Prozent höher als vorher. Ausserdem lasse sich das Holz gut verkaufen.

«Die Forstunternehmen sind ausgelastet, so stark, dass wir fast schon zu wenig Personal haben.»

Martin Hafner, Förster bei der Napfholz GmbH, Gettnau

«Die Forstunternehmen sind ausgelastet. So stark, dass wir fast schon zu wenig Personal haben», sagt Hafner, und klingt dabei nicht sonderlich alarmiert. «Das ist normal in den Phasen, in denen sich die Konjunktur erholt. Das Personal muss nun aktiviert werden. Weil das Forstpersonal eine entsprechende Ausbildung hat und nicht auf dem Temporärmarkt zu holen ist, dauert das halt ein wenig.»

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