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Holz statt Heizöl – Stadt setzt auf Öko-Power
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Luzern von oben: Künftig sollen deutlich weniger Schadstoffe aus den Kaminen in die Luft gelangen. (Bild: air-view.ch)

Luzern forciert Umschwung Holz statt Heizöl – Stadt setzt auf Öko-Power

5 min Lesezeit 17.08.2015, 18:30 Uhr

Holz, Seewasser oder Abwärme: Mit diesen drei erneuerbaren Energiequellen sollen in der Stadt Luzern künftig 50 Prozent des Wärme- und Kältebedarfs abgedeckt werden. Wie das konkret funktionieren soll, zeigt ein spannendes Projekt aus Littau. An dieses sollen neu gleich fünf Schulanlagen angeschlossen werden – jedoch nur, wenn das Stadtparlament ein paar Millionen locker macht.

Die städtische Wärme- und Kälteversorgung wird neu stramm in Richtung Ökologie ausgerichtet. Im Richtplan Energie, über den die Stadt diesen Montag informiert hat, wird aufgezeigt, wie bis 2035 lokale, erneuerbare Energiequellen, etwa für Gebäudeheizungen, künftig stärker genutzt werden sollen. «Der Richtplan schafft Planungssicherheit für Investoren, unterstützt die städtische Energie- und Klimastrategie und leistet einen Beitrag an die regionale Wertschöpfung», betont Adrian Borgula, Direktor Umwelt, Verkehr und Sicherheit. Und er fügt an: «Der Richtplan Energie hat einen hohen Stellenwert auf dem beschlossenen Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft.»

Die öffentliche Auflage läuft bis am 15. September. Voraussichtlich Ende 2015 wird der Stadtrat dem Stadtparlament den Richtplan zur Genehmigung unterbreiten. Anschliessend muss der Plan vom Regierungsrat abgesegnet werden.

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Nur noch 50 statt 85 Prozent Anteil von Öl und Gas

Herzstück des Richtplans ist die Richtplankarte, welche für das gesamte Siedlungsgebiet der Stadt aufzeigt, wo welche erneuerbaren Energieträger prioritär für die Wärmeversorgung genutzt werden sollen. Hauptziel des Richtplans Energie ist es, Wärmeangebote und Wärmenachfragen räumlich zu koordinieren. Damit soll erreicht werden, dass Bauherren oder Grundstückbesitzer stets darüber im Bild sind, wo es in ihrer Gegend ein Angebot an Öko-Wärme gibt – und das Angebot bei Um- und Neubauten, etwa von Gebäudeheizungen, entsprechend häufiger nutzen.

«Heute basiert die Wärmeversorgung der Stadt Luzern noch zu über 85 Prozent auf fossilen Energieträgern, welche vom Ausland importiert werden müssen», sagt Stadtrat Borgula. «Über 100 Millionen Franken fliessen so jährlich ins Ausland.» Dank der Nutzung lokaler nachhaltiger Energiequellen wie Seewasser, Abwärme und Holz werde die regionale Wirtschaft gestärkt und der Abfluss finanzieller Mittel reduziert.

«Ab 2035 sollen 50 Prozent der erforderlichen Wärme aus lokalen, erneuerbaren Energiequellen und aus Abwärme bereitgestellt werden.»

Adrian Borgula, Stadtrat Luzern

Zu den genauen Zielen sagt Borgula: «Mit dem im Richtplan Energie ausgewiesenen Potential an lokalen, erneuerbaren Energien und an Abwärme könnte theoretisch der gesamte Wärme- und Kältebedarf der Stadt Luzern gedeckt werden. Gemäss Zielsetzungen des Richtplans soll 2035 die dannzumal erforderliche Wärme zu 50 Prozent aus lokalen erneuerbaren Energiequellen und aus Abwärme bereitgestellt werden.»

Eine Million Liter Heizöl sparen

Holz statt Heizöl – das ist nicht einfach Wunschdenken, wie ein Grossprojekt in Littau zeigt. Dort arbeitet die Wärmeverbund Littau AG an einem beachtlichen Holzwärmeverbund. Über ein Leitungsnetz von 3,5 Kilometern Länge sollen bestehende Liegenschaften, die noch mit Gas oder Öl heizen sowie Neubauten mit Öko-Power versorgt werden (zentral+ berichtete). Getragen vom Vorstand der Baugenossenschaft Matt, welche in Littau 560 Wohnungen besitzt, soll in der Grossmatte eine moderne Holzschnitzel-Heizzentrale entstehen. Start: ab Juli 2017.

(Bild: Quelle: Stadt Luzern)

Die als Brennstoff eingesetzten Holzschnitzel werden aus den Wäldern der Agglomeration Luzern und aus holzverarbeitenden Betrieben im Stadtteil Littau stammen. Im Vollausbau könnte dadurch etwa auf eine Million Liter Heizöl verzichtet werden. Das entspricht dem Wärmeverbrauch von rund 1’500 Haushaltungen. Der CO²-Ausstoss soll sich dadurch um jährlich 3’000 Tonnen reduzieren. Zur Erinnerung betreffend Holzfeuerung: Holz ist CO²-neutral. Ob es im Wald verrottet oder verbrannt wird, spielt keine Rolle. Beide Male wird gleich viel CO² freigesetzt.

«Aus Sicht des Stadtrates sprechen sowohl ökonomische als auch ökologische Gründe für den Anschluss der Schulanlagen an den Wärmeverbund.»

Manuela Jost, Baudirektorin Stadt Luzern

Stadt soll 3,2 Millionen Franken beisteuern

Wie die Stadt Luzern ebenfalls diesen Montag mitgeteilt hat, erfährt das Projekt nun einen gewaltigen Schub. Denn die Stadt will die fünf Littauer Schulhäuser Dorf, Matt, Grenzhof, Rönnimoos und Fluhmühle an den Wärmeverbund Littau anschliessen. «Aus Sicht des Stadtrates sprechen sowohl ökonomische als auch ökologische Gründe für den Anschluss der Schulanlagen an den Wärmeverbund», sagt Stadträtin und Baudirektorin Manuela Jost.

Der Stadtrat setzt für diese Zusammenarbeit auf das Modell des Contracting. Partner ist die Wärmeverbund Littau AG. Finanziell hätte das folgende Auswirkungen: Der Stadtrat beantragt dem Stadtparlament voraussichtlich am 24. September einen Kredit über 3,2 Millionen Franken. Dieser Kredit umfasst den städtischen Investitionsbeitrag in der Höhe von gut einer Million Franken, die Vorinvestitionen durch die Stadt sowie die Betriebskosten für die Jahre 2017 bis 2037 über jährlich knapp 108’000 Franken. Der Wärmeverbund ist in diesem Modell zuständig für Planung, Betrieb und Unterhalt der Wärmeversorung.

Die Wärmeverbund Littau AG rechnet mit Gesamtkosten von 15 Millionen Franken, 4 Millionen davon werden aus den Anschlussgebühren finanziert, der Rest soll von Banken und Investoren bezahlt werden.

Überlebenswichtig

Was vor allem interessieren wird ist die Frage, ob der Littauer Wärmeverbund teurer oder billiger als andere Heizmethoden ist. «Eine Wärmepumpe ist eher teurer, gegenüber einer Öl- oder Gasheizung sind die Kosten in etwa gleich hoch», sagt Roger Sonderegger, Präsident des Wärmeverbundes Littau AG und CVP-Grossstadtrat.

«Solche Schlüsselkunden sind für das Projekt überlebenswichtig.»

Roger Sonderegger, Präsident des Wärmeverbundes, über die Beteiligung der Stadt Luzern

Dass die Stadt nun fünf Littauer Schulanlagen ans Projekt anschliessen soll, freut Sonderegger ausgesprochen. «Nach der Wohnbaugenossenschaft Matt wäre die Stadt dadurch mit rund 15 Prozent Energieabnahme der zweitgrösste Kunde unseres Wärmeverbundes. Solche Schlüsselkunden sind für das Projekt überlebenswichtig.» So überlebenswichtig, dass die Initianten laut Sonderegger bei einem Nein des Stadtparlaments zum Kredit nochmals über die Bücher gehen müssten. Doch ob das Stadtparlament am 24. September dem Millionenkredit seinen Segen erteilt, ist aufgrund der sehr angespannten Finanzlage der Stadt noch unklar.

(Bild: Quelle: Stadt Luzern)

Knacknuss: Der Bau neuer Leitungen

Die grossen Herausforderungen bei der Umsetzung des Richtplans Energie umschreibt Adrian Borgula wie folgt: «Um die grossen lokal zur Verfügung stehenden Potentiale an Abwärme und erneuerbarer Energie zu nutzen, sind Wärmenetze erforderlich. Es sind zum Teil neu auszubauende Infrastrukturen gefragt.» Deren Aufbau im bereits bebauten Stadtraum sei anspruchsvoll. Zudem brauche es eine Koordination und Abstimmung mit der bestehenden Infrastruktur wie dem Erdgasnetz.

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