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Hollywood-Feeling für Luzerner Politiker – gegen ihren Willen
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Reto Wyss schreitet am Montag über den roten Teppich. (Bild: zvg)

Roter Teppich und Champagner gegen Steuerstrategie Hollywood-Feeling für Luzerner Politiker – gegen ihren Willen

3 min Lesezeit 3 Kommentare 04.12.2017, 11:05 Uhr

Die Luzerner Kantonsräte wurden heute vor der Session ganz unverhofft mit rotem Teppich und Champagner begrüsst. Doch den Jubel-Empfang dürften nur die wenigsten genossen haben. Die Aktion richtet sich gegen die Steuerstrategie – die nun ein Film kritisch unter die Lupe nehmen soll.

Ein roter Teppich, Blitzgewitter, Champagner und überschwänglicher Applaus begleiteten die Luzerner Regierungs- und Kantonsräte bei ihrem Gang ins Parlament. «Darf ich Ihnen nur eine Fragen stellen?», schallte es den Politikern entgegen. «So toll, davon werde ich meinen Kindern erzählen», wurde der Aufritt von Regierungsrat Reto Wyss kommentiert.

Hollywood-Feeling in der Leuchtenstadt – doch die verdutzten und zuweilen belustigten Politiker wurden für einmal unfreiwillig in den Mittelpunkt gestellt. Bis auf einige Grüne und Sozialdemokraten huschten die meisten mit hastigem Tempo in die Wärme, wo heute vor allem das Budget im Zentrum steht (zentralplus berichtet live). Doch was ist der Grund für die bitterböse Begrüssung?

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Dokumentarfilm im Frühling 2019

Tatsächlich planen die Kulturaktivisten rund um die IG Kultur einen Film über die politische Entwicklung in der Kantonspolitik und die Auswirkungen der Steuerpolitik in den vergangenen Jahren. In 60 Tagen will man per Crowdfunding auf Funders.ch 150’000 Franken sammeln für das Projekt. Die Kultur hat es in der letzten Sparrunde besonders empfindlich getroffen (zentralplus berichtete).

Gelingt es, das Geld zu sammeln, wird dieses laut den Projektverantwortlichen auf das Konto der IG Kultur Luzern überwiesen. Mit dem Geld werden professionelle Filmschaffende beauftragt: Zunächst eine Produktionsleitung, die den Auftrag hat, den Betrag über die Kanäle der Film- und Kulturförderung zu verdoppeln; sodann eine unabhängige Regie, die nicht im Kanton Luzern lebt und arbeitet und damit von dessen Finanzpolitik nicht betroffen ist. Das erweiterte künstlerische Team soll den Dokumentarfilm rechtzeitig bis zu den Wahlen im Jahr 2019 realisieren.

«Wir müssen dran bleiben»

Die Initianten sind wohlbekannt: Sie orchestrierten bereits die Proteste unter dem Namen «#Sichtbarmachung» vor dem Luzerner Theater im vergangenen August (zentralplus berichtete). Auch der Protest, der aus dem Wasser kam, ist das Werk dieser Gruppe (zentralplus berichtete). An vorderster Front beteiligt sind etwa Schüür-Chef Marco Liembd, Schauspieler wie Patric Gehrig, Birgit Gantenberg oder Johannes Otto, aber auch SP-Grossstadtrat und Gewerkschafter Martin Wyss.

Mit der Dokumentation wollen die Beteiligten für eine Sensibilisierung in der Bevölkerung sorgen und die Gründe für die Sparpolitik aufzeigen. Und die Hauptdarsteller des Projekts sind natürlich die Regierungs- und Kantonsräte – deshalb der glamouröse Empfang.

Der Trailer zum geplanten Film:

Rund 50 Kulturschaffende und Sympathisanten harrten in der Kälte dieses noch jungen Dezembertages. «Es kann einfach nicht sein, dass bei der Kultur und in der Bildung gespart wird. Diese Bereiche beleben die Gesellschaft», sagt der Fotograf Severin Ettlin. Ob die Aktion vor dem Regierungsgebäude etwas bewirkt, ist sich Ettlin nicht sicher: «Es ist auf jeden Fall wichtig, hier zu sein. Wir müssen dran bleiben.»

Protestierende sind für höhere Steuern

«Es ist schlimm, was im Kanton Luzern passiert», sagt eine Studentin der Hochschule Luzern. «Man sollte besser die Steuern bei den Firmen erhöhen, statt bei der Kunst und Kultur zu sparen.» Sie ist überzeugt, dass das Image des Kantons darunter leidet: «Über die Situation in Luzern kann man ja inzwischen überall in den Schweizer Zeitungen lesen», sagt die junge Frau.

«Es ist unschön, dass uns die Politik per Check-Buch abschreibt», sagt Künstler Christoph Stehlin. Wie die meisten hier würde er eher eine Steuererhöhung bevorzugen, statt öffentliche Leistungen einzusparen.

Weitere Eindrücke von der Aktion:

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3 Kommentare
  1. Ruedy Bieri, 05.12.2017, 10:49 Uhr

    Lieber Casiboy
    Meinen Sie das tatsächlich ernsthaft?
    Das Arbeitseinkommen nimmt im Verhältnis zum Kapitaleinkommen in den letzten Jahren stark ab.
    https://www.nzz.ch/wirtschaft/technologischer-fortschritt-und-globalisierung-das-arbeitseinkommen-verliert-an-gewicht-ld.1085550
    Ist es bei dieser Entwicklung wirklich sinnvoll, dass das Kapitaleinkommen viel weniger stark besteuert wird als das Arbeitseinkommen? Ist es sinnvoll, dass die Dividenden von Frau Martullo-Blocher von jährlich rund 90 Mio. massiv weniger stark besteuert wird, als das im Verhältnis sehr geringe Einkommen eines Lohnbezügers?
    Es ist ganz einfach: Die Reichen verdoppeln im Schnitt alle 6 Jahre ihr Vermögen – und jammern, dass die Steuern zu hoch sind. …. und das Volch und Casiboy glauben, dass Steuern etwas Böses sind und helfen den Reichen, die Steuern zu senken. So spart der durchschnittliche Lohnbezüger 3000 Franken, der Reiche aber spart Millionen. Und die fehlenden Millionen? Die bezahlt der Lohnbezüger mit steigenden Gebühren, höheren Krankenkassengebühren und höheren Studienbeiträgen. Blocher & Co. lachen sich kaputt und der Lohnbezüger staunt, dass das Skilager gestrichen wird, dass er die Prämienverbilligung der Krankenkasse zurückzahlen muss und das er für die Uni der Tochter neu 5’000 mehr zahlen muss. Der Lohnbezüger flucht ….und wählt noch mehr rechts…… Darum: Bitte mal nachdenken Casiboy.

  2. Robert Casagrande, 04.12.2017, 14:09 Uhr

    Ich habe durchaus Sympathie für diese Aktion. Ich hoffe die Kunstschaffenden werden dann auch kritisch über sich selber sein. Sie studieren(ten) ja vielfach Dank dem Geld Ihrer Eltern. Sie haben ihre Kunst wohl an Leute verkauft welche Wohlhabender sind. Ein Stadttheater, KKL etc. wäre ohne grosse Donationen von Industriellen und Vermögenden gar nicht möglich. Für mich beweist alleine dieser Umstand, dass viele Leute der Kultur bereits versteuertes Geld zur Verfügung stellen, dass das Geld diesen Leuten nicht auf Teufel komm raus genommen werden muss. Klar ist es, dass der Staat bei der Gesundheit, Bauen, Bildung und Kultur die Leitlinien setzt. Die Steuerzahlenden fühlen sich aber überregiert und wollen deshalb einen schlankeren Apparat. Steuern sind zum Steuern da. Die Steuerstrategie in Luzern beflügelt Investitionen durch Unternehmer. Somit schliesst sich der Kreis. Wenn es dem Unternehmer gut geht, wird er auch freiwillig unterstützen und dann geht es den Kulturschaffenden auch gut.

    1. Remo Genzoli, 05.12.2017, 12:51 Uhr

      Lieber Casiboy
      Bei so viel Naivität und Ignoranz verschlägt es mir einfach die Sprache…..glauben Sie das wirklich? Wenn das des Volkes Meinung ist, dann wundert es mich nicht, dass Parlament und Regierung immer mehr nach rechts rutschen.