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«Höher, schneller, weiter – das olympische Ideal war einmal»
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«Daughters of Time» in Sursee: Chantal (links) und Fabienne Muri. (Bild: hae)

Muri-Schwestern aus Sursee sind «Töchter der Zeit» «Höher, schneller, weiter – das olympische Ideal war einmal»

4 min Lesezeit 06.03.2020, 11:48 Uhr

Die Schwestern Fabienne und Chantal Muri aus Sursee sind moderne Coaches, die nicht nur Erwachsene fördern. Sie treten in die Fussstapfen ihres Vaters, der seine «Zeit AG» vor zwei Jahren verkauft hat. Ihr Ziel ist ein gesellschaftlicher Wandel, der individuelle Talente fördert.

«Töchter der Zeit», so nennen sich die beiden Schwestern Fabienne und Chantal Muri, deren Website unter dem Titel «Daughters of Time» läuft. Sie sind Töchter der Zeit von Greta und der Umwertung der Dinge: «Wir glauben, dass ein Wandel nötig ist», sagen sie. Beide sind Coaches.

Chantal Muri (29) ist Betriebsökonomin in den Bereichen Personalentwicklung, Unternehmensentwicklung und Marketing; Fabienne Muri (31) ist Personalfachfrau in den Bereichen Führung und Verkauf.

Die Schwestern finden, dass vor allem ein Wandel in der Wirtschaft dringend nötig ist: «Höher, schneller, weiter – das olympische Ideal war einmal; genauso wie das ewige Mehr im Umsatz. Dieses konstante Vorwärtspreschen, ohne den Sinn zu kennen und den Hintergrund zu verstehen, das hat unserer Meinung nach ausgedient.»

Menschen sind nicht nur Ressourcen 

Fabienne und Chantal Muri geben ihr Know-how weiter, dafür eröffneten sie unlängst ihr eigenes Büro. Die Muri-Schwestern glauben, dass neue Formen der Zusammenarbeit kommen werden und müssen. Sie sagen: «In einer neuen Arbeitswelt braucht es die Menschen nicht mehr nur als anonyme Ressourcen – sondern als individuelle Talente.»

Doch wer Innovation und Kreativität einbringen wolle, der müsse zuerst seine eigene Persönlichkeit und sein Talent kennen: «Sich selber verstehen, seine Fähigkeiten gezielt entwickeln und sein Verhalten reflektieren», das sei Voraussetzung für Karriere von morgen. Die Muri-Schwestern bieten dafür Coaching, Seminare und Vorträge an. Die Themenfelder «Persönlichkeitsentwicklung», «Achtsamkeit» und «Empowerment» stehen bei ihnen im Zentrum. 

Fabienne und Chantal Muri stehen ein für mehr Respekt, Vertrauen, Wohlwollen und Wahrhaftigkeit. Das klingt nach Miteinander und Nachhaltigkeit und das haben sie nicht zuletzt bei ihrem Vater Ivo Muri (60) gelernt. Der Surseer hatte 1994 ein IT-Unternehmen im Bereich Zeitwirtschaft gegründet. Er verkaufte diese «Zeit AG» 2018, weil er sich vermehrt der Zeitforschung und der Zeitphilosophie widmen wollte anstatt für Firmen Zeiterfassungsprogramme auszutüfteln. Das tut er bis heute: Ivo Muri befasst sich mit Themen einer nachhaltigen gesellschaftlichen Entwicklung. Seine Erkenntnisse vermittelt er in Seminaren. 

Kinder und Jugendliche coachen

Vater Muri wendet sich an Erwachsene, wie dies auch seine beiden Töchter tun. Zudem an Kinder und Jugendliche. Doch was gibt es bei Heranwachsenden schon ausserhalb des Unterrichts zu schulen? Chantal Muri, die dieses Segment betreut, erklärt: «Coaching kann gerade auch bei Kindern und Jugendlichen viel bewirken: Verantwortung zu übernehmen und selbstreflektiert zu handeln.» Das seien Fähigkeiten, welche die beiden für eine gesunde Entwicklung unserer Gesellschaft als wichtig erachten. «Je früher dies jemand lernt, desto besser gelingt das entsprechende Handeln auch im Erwachsenenalter.»

Zeitphilosoph: Ivo Muri aus Sursee befasst sich mit Stress und Glück. (Bild: hae)

Was macht denn die Schule ihres Erachtens falsch, was fehlt in der Ausbildung? «Unser Schulsystem ist nicht per se schlecht. Wir haben gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer, der Lernstoff wird an heutige gesellschaftliche Entwicklungen angepasst, so gut es eben in den heutigen Strukturen geht.» Es sei aber auch immer eine Frage der Umsetzung. «Bei den gängigen Klassengrössen und dem Umfang des Lernstoffs ist es kaum möglich, auf die individuellen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler einzugehen», erklären sie.

«Worin bin ich wirklich stark?»

Die entscheidende Frage laut den Muri-Schwestern

Und sie trauen den Kindern und Jugendlichen Selbstwirksamkeit zu. Selbstwirksamkeit? Ein neudeutscher Begriff, den sie so erklären: «Wir unterstützen sie dabei, ihre eigenen Lösungen und Strategien zu finden, um den individuellen Herausforderungen der Zukunft zu begegnen.»

Viele Kinder erhalten gute Ausbildungen, aber es geht darum, dass sie ihre persönlichen Fähigkeiten kennen, um ihr wahres Potenzial ausschöpfen zu können. Es ist also ein Coaching der Zukunft, das weit über kurzfristige Trends wie das Influencertum hinausgeht. «Worin bin ich wirklich stark?» – das sei die entscheidende Frage.

Chef von 5’500 Lehrerinnen und Lehrern im Kanton Luzern: Charles Vincent . (Bild: hae)

Diesen Coaching-Ansatz der Muri-Schwestern findet auch Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung des Kantons Luzern, grundsätzlich interessant und zukunftsorientiert. Der Chef von rund 5’500 Lehrerinnen und Lehrern sagt: «Mit der Förderung des selbstgesteuerten Lernens erhält dieser Aspekt der Lehrpersonenrolle zunehmend Bedeutung.» Ob in der öffentlichen Schule oder im privaten Coaching.

Die Schülerinnen und Schüler sollen ihre Selbstwirksamkeit erfahren und stärken können. Die Lehrpersonen hätten die Aufgabe, diese Kompetenzen bei den Schülerinnen und Schülern zu stärken. Charles Vincent: «Natürlich ist dies im Einzelcoaching einfacher als in einer Klasse mit durchschnittlich 18 Schülerinnen und Schülern. Aber ansatzweise sollte dies auch in einer Klasse möglich sein, zum Beispiel mit der integrativen Förderung oder mit Teamteachings.»

Die Muri-Schwestern sehen ihr Angebot denn auch als Ergänzung zur öffentlichen Schule: «Unser Coaching eignet sich beispielsweise gut bei Themen wie Selbstvertrauen aufbauen, Prüfungsangst bewältigen oder auch für eine Begleitung im Berufswahlprozess.»

Mehr Infos: https://www.daughters-of-time.ch 

Wollen die moderne Gesellschaft mitgestalten: Fabienne (links) und Chantal Muri. (Bild: zvg)

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