Höher als erlaubt: Theater hat Hochhausdimension
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Skizze des Theaterneubaus: Der höchste Gebäudeteil soll 32 Meter betragen.

Neues Luzerner Theater braucht viel Platz Höher als erlaubt: Theater hat Hochhausdimension

5 min Lesezeit 1 Kommentar 11.04.2016, 03:00 Uhr

Ein Gebäudeteil der Salle Modulable auf dem Inseli würde als Hochhaus gelten. Denn alles, was über 25 Meter hoch ist, fällt unter diese Kategorie – und der Gebäudeteil am Seeufer würde beachtliche 32 Meter in den Himmel ragen. Hochhäuser sind in der Stadt jedoch sehr umstritten. Ein solcher Neubau wirft zudem Schatten auf den Park. Was sagt die Stadt dazu?

Stadt und Kanton Luzern möchten die Salle Modulable auf dem Inseli hinter dem Bahnhof platzieren. Das ambitionierte 160-Millionen-Franken-Theater soll dort im hinteren Teil Richtung Werft/Alpenquai realisiert werden. Im Gegenzug wird der dortige, grösste Parkplatz für Reise- und Touristencars in der Stadt aufgehoben und begrünt. 26 gebührenpflichtige Parkplätze und 6 Halteplätze zum Ein- und Ausladen von Fahrgästen wären betroffen. Doch ein Teil der Bevölkerung fürchtet um die lieb gewonnene grüne Oase mit Seeanstoss. Obwohl sich die Parkfläche des Inseli durch den Bau der Salle Modulable nur um 6 Prozent verringern würde, mahnen Kritiker vor einer Kommerzialisierung des heute mit zwei Sommerbars bestückten Platzes.

Höher als das Nachbargebäude

Die bislang öffentlich nicht thematisierten Dimensionen des multifunktionalen Theaters dürften nicht dazu beitragen, dass die Skeptiker verstummen. Denn aus den Detailplänen der Machbarkeitsstudie ist zu entnehmen, dass der höchste Gebäudeteil des Theaters rund 32 Meter hoch würde. Das ist erstens noch höher als das langgezogene Gebäude vis-à-vis am Inseliquai. Und zweitens würde die Salle Modulable damit als Hochhaus gelten. Denn in der Stadt Luzern gilt bereits alles als Hochhaus, was höher ist als 25 Meter.

Auf dieser Volumenstudie ist der höchste Gebäudeteil gut zu erkennen:

Volk hat Ja gesagt zu drei Hochhausstandorten

In den vergangenen Jahren haben Bevölkerung und Politik engagiert und kontrovers über das Thema Hochhäuser diskutiert. Während sich der Stadtrat und eine Mehrheit der Politiker mehr solche Bauten gut vorstellen kann, fürchtet ein Teil der Bewohner um eine Verschandelung des historisch gewachsenen Luzerner Stadtbildes. 2013 entschied das Volk im Rahmen der revidierten Bau- und Zonenordnung (BZO), dass nur am Bundesplatz, Pilatusplatz und im Steghof Hochhäuser erlaubt sein dürfen. Sonst nirgends. Den von der Stadt zusätzlich gewünschten Standort Seeburg wurde an der Urne abgelehnt.

Dass ein Teil des Neubaus rund 32 Meter hoch werden soll, wird auf diesem Querschnitt aus der arup-Machbarkeitsstudie ersichtlich:

So könnte die Salle Modulable im Querschnitt aussehen (Quelle: arup-Studie).

So könnte die Salle Modulable im Querschnitt aussehen (Quelle: arup-Studie).

Will die Stadt nun durch die Hintertür einen vierten Hochhausstandort realisieren? Ruedi Frischknecht, «Vater» der BZO-Revision und Leiter Stadtentwicklung, dementiert: «Um die Salle Modulable realisieren zu können, braucht es eine Anpassung der BZO. Denn die heutigen Zonenvorschriften lassen auf dem Inseli kein derartiges Bauvolumen zu. Und diese Anpassung würde dem fakultativen Referendum unterliegen.» Damit sei es schlussendlich wieder das Volk, welches das letzte Wort habe. Dieses wird sich am 27. November ein erstes Mal an der Urne äussern können.

Aus betrieblichen Gründen nötig

Laut Frischknecht ist ein rund 32 Meter hoher Gebäudeteil absolut nötig. «Die Höhe ergibt sich durch das Bühnenhaus, welches für den Kulissenaufzug erforderlich ist.» Die definitive Gebäudehöhe könne allerdings erst nach dem Architekturwettbewerb bestimmt werden.

Auf dieser Volumenstudie wird ersichtlich, wie dominierend das geplante (Musik-)Theater auf dem Inseli wäre:

Auf die Frage, warum ein derart hohes Gebäudeteil an diesem exponierten Standort vertretbar ist, ergänzt Stadtarchitekt Jürg Rehsteiner: «Die Frage der Gebäudehöhe stellt sich hier grundsätzlich anders als bei einem ‹normalen› Büro- oder Wohnhaus. Die Höhe des Baus ergibt sich durch die interne Nutzung. Sie zieht sich zudem nicht über die gesamte Gebäudelänge.» Dies entspreche auch der Situation wie sie an ganz vielen Orten in der Stadt Luzern vorkommen würde – nämlich dass ein Gebäude  mit normaler Fassadenhöhe punktuell höher sei. «So zum Beispiel auch die Kuppel oder der Aufbau des Hotels Monopol zum Hauptbahnhof hin.» Rehsteiner kündigt an: «In naher Zukunft sollen die Bauvorschriften für Hochhäuser im Planungs- und Baugesetz geändert werden. Und zwar so, dass ein Gebäude erst über 30 Meter Gesamthöhe als Hochhaus gilt.»

Schattenwurf brachte schon ZHB zu Fall

Ein weiterer Aspekt des multifunktionalen Theaterbaus betrifft den Schattenwurf. Ein Gebäude mit diesem Volumen würde zu bestimmten Tageszeiten logischerweise einen Schatten auf den restlichen Inselipark werfen. Drohender «Mehrschatten» hat jedoch schon beim geplanten, vom Volk schlussendlich versenkten Neubau der Zentral- und Hochschulbibliothek die Wogen hoch gehen lassen. Die Angst, dass das beliebte Vögeligärtli durch eine Aufstockung der benachbarten ZHB sprichwörtlich in den Schatten gestellt wird, war ein gewichtiges Argument der Gegner.

Auf dieser Visualisierung wird klar, dass wegen der beachtlichen Dimensionen des Neubaus das Thema Schattenwurf noch zu reden geben wird:

Stadtarchitekt Rehsteiner sagt dazu: «Bei der ZHB war das zwar tatsächlich ein ‹emotionales Thema›. Baurechtlich gesehen war das aber nicht relevant, da es im Fall der ZHB nie um ein Hochhaus ging.» Bezüglich Beschattung ist laut Rehsteiner zu unterscheiden zwischen dem Schatten, den ein normales Gebäude wirft, und im Vergleich dazu die Mehrbeschattung, welche ein Hochhaus verursachen kann. Im Fall des geplanten Theaterneubaus würde zu einem späteren Zeitpunkt untersucht, wie sich der Schattenwurf genau auswirken würde. Deshalb könne man zu diesem Zeitpunkt noch nichts konkreteres dazu sagen.

Sieben Meter tief im Boden

Problemlos sei hingegen, dass für den Neubau rund sieben Meter in die Tiefe gegraben werden muss – trotz der unmittelbaren Nähe zum See und des zweifellos schlammigen Untergrundes. Ruedi Frischknecht erklärt: «Das ist technisch möglich und ist in den standortbedingten Kosten eingerechnet worden.»

Die abtretende SP-Stadträtin Ursula Stämmer richtet sich derweil mit folgenden Worten an die Skeptiker des visionären Projekts: «Das Inseli wird eine Veränderung erleben. Daher kann ich die skeptischen Stimmen gut verstehen, denn das Inseli ist zu einem lieb gewonnenen Treffpunkt geworden.» Mit dem Wegfall der Carparkplätze könne jedoch insgesamt eine fast gleich grosse Grünfläche wie bis jetzt geschaffen werden, die als Treffpunkt der ganzen Bevölkerung zur Verfügung stehen werde. «Der Zugang zum See bleibt gewährleistet. Das Gesamtprojekt schafft zudem einen Kulturtreffpunkt für die gesamte Bevölkerung.»

Auf dieser Karte ist ersichtlich, wie sich unter anderem die Grünfläche verändern würde. Die grau eingefärbte Fläche auf dem linken Bild steht für den heutigen Carparkplatz. Dieser würde zusammen mit dem Theaterneubau (orange Fläche) verschwinden und begrünt.

Sie interessieren sich für die Salle Modulable? zentralplus hat dazu ein eigenes Dossier erstellt. Dieses finden Sie hier. Unter anderem haben wir das neue Projekt am Dienstag detailliert vorgestellt und kommentiert.

Alle vorhandenen Visualisierungen und Skizzen der Salle Modulable auf dem Inseli finden Sie hier in unserer Slideshow:

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1 Kommentare
  1. Toni Betschart, 18.04.2016, 21:07 Uhr

    Ich kann mir gut vorstellen, dass die 32m rein provokativ ausgewiesen sind.
    Dann zu günstiger Zeit, so ein paar Wochen vor einer der Abstimmungen eine niedrigere Version aus dem Hut zaubern. So geht das. Wetten ?

2021-01-28 11:20:55.017786