Die Tangente wird nun endlich gebaut, aber... Höchste Eisenbahn für neue Verkehrskonzepte in Zug

2 min Lesezeit 19.06.2017, 17:01 Uhr

Zug ist wie ein Magnet, der Verkehr anzieht. Kein Wunder, denn der Ort wächst und wächst und wächst. Doch für dieses Wachstum fehlen längst die Strassen. Der Baustart der Tangente ist deshalb zu begrüssen. Die künftige Umfahrung löst die Zuger Verkehrsprobleme aber nur bedingt.

Wer morgens auf der Autobahn Richtung Luzern unterwegs ist, reibt sich die Augen. Nicht weil er selber im Stau steht. Sondern, weil er verblüfft zur Kenntnis nimmt, wie viel Verkehr sich gerade in der entgegengesetzten Richtung nach Zug bewegt – und sich dann vor Zug staut.

Keine Frage. Der Boomkanton Zug zieht täglich immer mehr Autopendler aus Zürich, Aargau und Luzern an. In der Stadt Zug sieht es auch nicht viel besser aus. Aufgrund des Binnenverkehrs stauen sich zu Berufsverkehrszeiten an allen Ecken und Enden die Autos im kleinen Kanton.

Angesichts dieses Staugeschwürs ist es sehr zu begrüssen, dass endlich, zwölf Jahre nach dem Ja des Souveräns, mit dem Bau der Tangente Zug/Baar begonnen wird. Zwar wird diese erst in vier Jahren fertiggestellt sein – doch zumindest wird dann ein Teil des Verkehrsmolochs, der sich täglich durch Baar und Zug wälzt, verschwinden.

In vier Jahren wieder einige Tausend Autos mehr

Nicht zuletzt können sich die Berggemeinden endlich freuen, wenn sich die Fahrt vom und ins Ägerital nicht mehr so langwierig und nervenaufreibend gestaltet. Auch ist nicht zu verhehlen, dass die Tangente im Vergleich zum abgeschmetterten, milliardenteuren Zuger Stadttunnel fast schon als Schnäppchen zu bezeichnen ist.

Indes – die Tangente kann und wird nur eine Teillösung des Zuger Verkehrsproblems sein. Und das nicht nur, weil der Individualverkehr in Zug binnen vier Jahren schon wieder um einige tausend Autos zugenommen haben wird.

Verkehrskonzept bleibt ein Torso

Denn zum einen ist das Gesamtverkehrskonzept des Kantons auch mit dem Bau der Tangente nach wie vor ein Stückwerk. Schliesslich wird es wohl noch weitere zehn Jahre dauern, bis die Umfahrung Cham-Hünenberg realsiert sein wird. Wenn überhaupt. Zum anderen gibt es dann keinen Platz mehr für weitere Strassen mit Bypass-Potenzial im kleinen Kanton – will man nicht weitere kostbare Naturräume dem Auto opfern.

Deshalb tut der Kanton gut daran, längerfristig noch stärker als bisher auf andere Verkehrsstrategien zu setzen.

Mehr Velos, mehr Park+Ride, mehr ÖV

Aufs Velo mit schnellen Velobahnen, beispielsweise. Damit sich wenigstens Zuger Binnenpendler nicht jeden Tag ins Auto setzen. Auf mehr Park+Ride-Plätze für Pendler von ausserhalb. Damit diese schon frühzeitig vor Zug abgefangen werden. Auf noch günstigere und feinmaschigere ÖV-Verbindungen. Damit noch mehr auf Bus und Bahn umsteigen.

Vielleicht muss auch endlich die Ideologie des permanenten Wachstums in Zug hinterfragt werden. Damit dieses Zug nicht irgendwann selbst über den Kopf wächst.

 

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