Hochwasser in Luzern: So ist die Stimmung der Beizer am  Rathausquai
  • Regionales Leben
Hier ist nichts mehr mit Kaffee trinken: Der Rathausquai ist derzeit gesperrt. (Bild: jru)

Pumpen statt Gäste bedienen Hochwasser in Luzern: So ist die Stimmung der Beizer am Rathausquai

4 min Lesezeit 17.07.2021, 05:00 Uhr

Die Pegel des Vierwaldstättersees und der Reuss sind auf Hochwasserkurs – zu Ungunsten der Beizenbetreiber an ihren Ufern. Am Rathausquai ist die Situation mit dem Wasser kritisch. Die Feuerwehr ist vor Ort mit Pumpen im Einsatz und die Lokalbetreiberinnen zählen auf ihre Kompetenzen. Ein Stimmungscheck.

Anstelle von Gästen finden sich auf dem Luzerner Rathausquai derzeit Hochwassersperren, Pumpen und Mitarbeiter der Feuerwehr der Stadt Luzern und der Zivilschutzorganisationen. Die Schirme sind zugeklappt, die Brücken, die die flanierenden Gäste ans Altstadtufer der Reuss bringen sollen, sind gesperrt.

«Es fühlt sich schon sehr speziell an, mal wieder Hochwasser in Luzern zu haben», meint ein Zivilschutzmitarbeiter, der gerade daran ist, Sandsäcke vor eines der direkt an der Reuss liegenden Lokale zu beigen. Zwei Türen weiter bei «Bierliebe & Friends», einer der beliebtesten Bierbars in Luzern, zeigt man sich ebenfalls erstaunt, aber gelassen. Alexandra Barreña, Co-Betreiberin des Lokals, erklärt gegenüber zentralplus: «Noch ist alles gut bei uns, wir blieben bisher im Lokal vom Wasser verschont. Dennoch haben wir bereits das Wichtigste vom unteren in den oberen Stock unseres Lokals getragen. Das machen wir lieber zu früh als zu spät.»

Von Stelzen und Pumpen

Ähnlich sieht es ein paar Türen weiter flussabwärts aus: Beim Coiffeur Team Graf setzt man, wie die meisten Laden- und Beizenbetreiberinnen an der Reuss, seit mehr als zwei Jahrzehnten auf verbaute Wasserpumpen, sollte das Lokal geschwemmt werden. Nicht nur die unter Umständen bald komplett überschwappende Reuss stelle dabei ein Problem dar. Der Grundwasserpegel sei derzeit so hoch, dass die Kanalisation nicht mehr richtig funktioniere. Und sollten die Pumpen der Feuerwehr nicht genügend schnell das Wasser aus den Rohren pumpen können, drückt das Wasser von unten in die Häuser. Zur Sicherheit haben die Betreiber des Salons einige wertvolle Möbel auf Holzstelzen gestellt.

«Das Ganze reisst uns ein grosses Loch in die Kasse.»

Monique Jansen, Co-Chefin Rathaus Brauerei

Dennoch gibt man sich gelassen, denn unter den Lokalbetreiberinnen ist man auf viele Situationen vorbereitet (zentralplus berichtete). Und man ist froh um die grosszügige Hilfe: «Was die Feuerwehr und der Zivilschutz in den letzten Tagen hier geleistet hat, ist erstklassig! Dank ihnen sind wir hier sicher und können Schlimmeres vermeiden. Wir sind ihnen unglaublich dankbar», meint Franziska Graf, Teil des Betreiberpaars. Eine ältere Kundin mit frischem Schnitt spaziert in diesem Moment aus dem Salon. Graf hilft ihr dabei, einen trockenen Weg zwischen den grossen Pfützen zu finden.

Nochmals ein paar Häuser weiter reussabwärts landen wir bei der Rathaus Brauerei. Co-Chefin Monique Jansen hat trotz allem ein unter der Maske erkennbares Lächeln auf dem Gesicht. «Wir haben so lange offen, wie es geht. Stehen wir bei uns auf dem Vorplatz im Wasser, machen wir zu», so Jansen. «Ich denke und hoffe aber nicht, dass dies passieren wird. Und wenn doch, dann ist es eben so.»

Finanzielle Einbussen geben Rathaus Brauerei zu denken

Weniger zu schmunzeln geben der Braui-Chefin die finanziellen Einbussen, die dieser Tage entstehen. «Abgesehen von den Reservationen kommen derzeit kaum Gäste bei uns vorbei. Dies hängt auch damit zusammen, dass die Brücken, die die Leute zum Flanieren einladen, momentan aus Sicherheitsgründen geschlossen sind. Das Ganze reisst uns ein grosses Loch in die Kasse», führt Jansen aus. «Nach den Corona-Schliessungen hätte das jetzt nicht auch noch sein müssen. Wir bleiben aber optimistisch und sind dankbar für das, was wir haben, wenn wir schauen, wie es in unseren Nachbarländern gerade zu und her geht.»

Die Stimmung am Rathausquai ist zwar aussergewöhnlich und etwas beunruhigend, aber dennoch gelassen. Man nimmt, was kommt. Und man zählt auf die Kompetenzen der Feuerwehrleute und der Zivilschützer. Wie es scheint, dürfte dies derzeit auch ein gangbarer, sinnvoller Weg aus dieser aussergewöhnlichen Lage sein.

Beobachterin des Sees

Beim Rückweg über den Schwanenplatz kommen wir an einem Eisstand vorbei. Rund vier Meter vom temporären vom See selbsternannten Ufer steht die Box, in dem der Eisstand sich befindet. «Das Wasser ist in den letzten Stunden etwas näher gekommen. Ich beobachte es ganz genau», beschreibt die Mitarbeiterin ihre Situation mit Humor. «Schlimm finde ich das nicht. Es ist fast schon etwas unterhaltsam. Und wenn das Wasser zu nahe kommt, mache ich dicht und begebe mich ins Trockene!», schliesst sie ab und bedient ihre nächsten vom Hochwasser beeindruckten Kunden.

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