Hochschule wird Hauptmieterin beim Rösslimatt-Areal
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Im Erdgeschoss soll das Quartier belebt werden, unter anderem dank der Mensa und eines Cafés. (Visualisierung: Architron/SBB)

SBB-Pläne hinter dem Luzerner Bahnhof Hochschule wird Hauptmieterin beim Rösslimatt-Areal

4 min Lesezeit 06.01.2020, 09:05 Uhr

Nach jahrelanger Suche ist die SBB fündig geworden: Die Hochschule Luzern übernimmt einen grossen Teil der Fläche im neuen Bürogebäude hinter dem Bahnhof. Der Neubau, der den Auftakt für eine neue Siedlung darstellt, soll in fünf Jahren bezugsbereit sein.

Die Hochschule Luzern bezieht 2025 hinter dem Luzerner Bahnhof einen neuen Standort. Die SBB als Eigentümerin informierte am Montagmorgen gemeinsam mit der Stadt Luzern über die neue Ankermieterin im geplanten Bürogebäude.

In fünf Jahren wird die Hochschule als Hauptmieterin rund 16’000 Quadratmeter des Neubaus belegen. Im neuen Gebäude werden laut Mitteilung rund 3000 Studierende und 400 Mitarbeitende der Departemente Wirtschaft und Soziale Arbeit lehren, forschen und lernen. Dazu kommen rund 6500 Teilnehmer von Weiterbildungen.

Aus fünf Standorten werden zwei

Aus den momentan fünf Standorten der beiden Departemente werden in Luzern noch zwei – einer an der Zentralstrasse und einer eben auf dem Rösslimatt-Areal. Markus Hodel, Rektor der Hochschule Luzern, sieht im Umzug viele Vorteile. «Das neue Gebäude direkt am Bahnhof bietet der Hochschule Luzern eine hervorragende Sichtbarkeit.»

Zudem würden sich betriebliche Synergien ergeben – etwa indem nur noch eine Mensa oder eine Bibliothek existieren. Dies ermöglicht es, den neuen Standort ohne finanzielle Beteiligung der Trägerkantone zu realisieren. Sprich: Die Kantone werden nicht mehr an die Miete zahlen, die auf dem Rösslimatt-Areal höher sein wird als an den bisherigen Standorten.

«Zudem profitiert auch das Quartier Rösslimatt», so Hodel. «Die Hochschule zieht Unternehmen, Start-Ups und Gewerbebetriebe an.» Das liegt insbesondere auch im Interesse der Stadt Luzern. «Die Hochschule Luzern mit ihren Studierenden, Dozierenden und Gästen wird einen aktiven Beitrag zur Belebung des Quartiers leisten», sagt Stadträtin Manuela Jost (GLP). Auf der Fläche der heutigen Abstellgleise an der Güterstrasse ist ein Begegnungsraum vorgesehen. Geplant ist zudem eine Aufwertung des Frohburgstegs. Weite Teile des Areals sollen autofrei werden, wie am Montag weiter bekannt wurde.

Jahrelange Suche findet ein Ende

Damit endet die jahrelange Suche nach einem Hauptmieter – und das Projekt scheint endlich Fahrt aufzunehmen. Denn ursprünglich war von einem Bezug im Jahr 2018 die Rede, doch der Baustart verzögerte sich immer wieder, weil die SBB keinen Hauptmieter fand (zentralplus berichtete).

Die geplanten Neubauten auf dem Rösslimatt-Areal hinter dem Luzerner Bahnhof. (Visualisierung: Architron/SBB)

Die Hochschule soll ab 2025 in den Neubau einziehen können. Das geplante Bürogebäude ist der erste Teil des neuen Quartiers, das bis 2040 auf rund 42’000 Quadratmetern zwischen dem Hotel Radisson und dem Konzerthaus Schüür entstehen soll. In einer zweiten Etappe sind weitere Neubauten geplant, in denen vor allem Wohnungen vorgesehen sind.

Die Bauarbeiten sollen bald starten. Dieses Jahr erfolgt der Abriss des Güterschuppens. Ende 2021 ist Baubeginn für das Bürogebäude, in das die Hochschule ziehen wird. Das Investitionsvolumen dafür beträgt laut SBB 99 Millionen Franken.

Daneben werden entlang der Bürgenstrasse zwei weitere Neubauten für Firmen gebaut. Für dieses zweite Baufeld ist ein Architekturwettbewerb lanciert worden. Die Arbeiten sollen frühestens 2021 starten. Mit einer Inbetriebnahme ist laut SBB 2024 zu rechnen.

Kritik am geplanten Büro-«Riegel»

Das Areal wird in den nächsten Jahren also ein gänzlich neues Gesicht erhalten. Denn in der Zwischenzeit haben sich auch die Pläne für den Durchgangsbahnhof konkretisiert, weshalb die Stadt nun die Weichen für das gesamte Quartier stellt (zentralplus berichtete). Das geplante SBB-Bürogebäude sorgt deshalb aus städteplanerischer Sicht für Kritik. SP/Juso und die Grünen befürchten ein totes «Business District» und fordern in einem Postulat Anpassungen am Projekt. Denn ansonsten werde es «ein Bürokomplex quer in der Landschaft werden».

Konkret kritisieren SP und Grüne, dass der geltende Gestaltungsplan aus einer Zeit stammt, in welcher dem Durchgangsbahnhof noch geringe Chancen eingeräumt wurden. Inzwischen ist klar, dass auf dem Areal der heutigen Gleise eine Fläche in der Grösse der Luzerner Altstadt der Stadtentwicklung ganz neue Chancen eröffnet (zentralplus berichtete).

So soll der neue Bau der Hochschule Luzern aussehen. (Visualisierung: Architron/SBB)

Das 200 Meter lange Bürogebäude «Perron» werde jedoch die gesamte Fläche von Güterbahnhof und Rösslimatt diagonal zerschneiden, kritisieren die beiden Fraktionen. Ursprünglich als Schallschutz vor dem Lärm des Bahnbetriebs gedacht, scheine dieses Ansinnen aus jetziger Sicht «völlig aus der Zeit gefallen». Neuen Ideen werde damit «im wörtlichen Sinne ein Riegel geschoben».

Der Stadtrat soll deshalb mit den SBB nachverhandeln und dafür sorgen, dass das Bürogebäude mehrere öffentliche Durchgänge erhält, im Erdgeschoss auch am Abend und am Wochenende belebt ist und das Dachgeschoss grösstenteils öffentlich zugänglich gemacht wird.

Die SBB stellte am Montag allerdings klar, dass man nicht wesentlich von den Plänen abrücken will. «Das Projekt wird so gebaut wie vorgesehen», sagte Susanne Zenker, Leiterin Development. Der Durchgangsbahnhof werde frühestens 2040 neue Flächen freispielen. Darauf könne man nicht warten. «Wir müssen jetzt vorwärtsmachen, für die heutige Generation.» Zenker betonte zudem, dass im Erdgeschoss zum Beispiel die Mensa der Hochschule, ein Café oder womöglich auch Ateliers für eine Belebung sorgen werden. Zudem besteht die Option, das lange Gebäude mittels eines Durchgangs zu öffnen.

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