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Hobbyfotografen im Rampenlicht
  • Kultur
  • Rezension
Kurator Markus Schürpf macht noch nie gezeigte Bilder in der Ausstellung sichtbar. (Bild: zvg)

Sonderausstellung zur Fotografie im Historischen Museum Luzern Hobbyfotografen im Rampenlicht

3 min Lesezeit 13.05.2020, 13:01 Uhr

Der Fotografiehistoriker und Kurator Markus Schürpf macht in der Sonderausstellung des Historischen Museums Luzern «Luzern. Fotografiert: 1840 bis 1975» noch nie gesehene Schwarz-weiss-Bilder sichtbar. Zum ersten Mal können die Luzerner und Luzernerinnen eine Gesamtschau ihrer lokalen Fotografiegeschichte besuchen.

In den 1840er Jahren eroberte das neue Medium der Fotografie Luzern und stiess bei der breiten Bevölkerung auf grosses Interesse. Die Faszination des neuen Mediums reichte in alle Bereiche der Gesellschaft. Im Gegensatz zu den Werken von professionellen Fotografen gerieten die Ablichtungen der Hobbyfotografen bis lange in Vergessenheit. Diese Bilder erhalten in der Ausstellung einen gebührenden Platz.

Sichtbare Veränderungen

Die ausgestellten Fotografien geben Einblick in ein längst vergangenes Luzern und verweisen auf Veränderungen in Gesellschaft, Kultur, Alltagsgeschehen und Städtebau. Bildgegenüberstellungen zeigen, wie sich die Aussicht vom Gütsch auf die Stadt veränderte oder sich Vorlieben der Selbstinszenierung auf Porträts wandelten.

Der Wandel der Darstellungsart lässt sich auch auf die technische Entwicklung der Fotografie zurückführen, die dem Besuchenden neben den ausgelegten Fotos beschrieben wird und für einen Neuling in der Fotografiebranche nicht so leicht verständlich ist. «Gerne hätten wir auch Kameras oder Objekte gezeigt, doch dies hätte den Rahmen der Ausstellung gesprengt», so Marisa Sigrist, Projektkoordinatorin der Ausstellung. So bewegt sich der Besuchende frei von Auslagetisch zu Auslagetisch und lernt die längst verstorbenen Fotografen wie ihre Werke kennen. Schnell wird klar, dass die damaligen Möglichkeiten viel Spielraum zur Kreativität boten. Dies zeigt die Fotocollage eines Kapuzinermönchs aus dem 19. Jahrhundert, der alle Klosterbewohner porträtierte und zu einer Miniatur-Gesichtscollage zusammenstellte.

Durch die Linse betrachtet

Eine anziehende Wirkung haben die beiden Dunkelkammern im Ausstellungsraum. In der einen befindet sich eine Camera obscura, die auf einfache Art die Funktionsweise der Optik und Fotografie sichtbar macht, indem sie einfallendes Licht als gedrehtes Bild an die Wand projiziert. So erscheint die Szenerie ausserhalb des Historischen Museums in der dunklen Kammer wieder. In der anderen Kammer lassen sich die Anfänge des 3-D-Effekts mit aufgesetzter Brille begutachten. Ganz schwindelfrei ist das dreidimensionale Seh-Erlebnis jedoch nicht.

Für einmal nur schwarz-weiss

Die Sonderausstellung nimmt bewusst Fotos von 1840 bis 1975 in den Blick und macht den Sprung in das digitale Zeitalter der Fotografie nicht mit. Dies erklärt, weshalb es sich bei den Ablichtungen grösstenteils um farblose Motive handelt. Das Farbschema zieht sich durch die Ausstellung, was die Inszenierung zu einem klassischen, schlichten und überschaubaren Erlebnis macht. Die Brücke ins Hier und Jetzt muss der Besuchende jedoch selbst schaffen, indem er abgelichtete Orte wiedererkennt und Unterschiede zur eigenen Selbstinszenierung auf Porträts festmacht.

#luzernfotografiert

Leben und Farbe bringen die Besuchenden in die Ausstellung. Im Foyer des Museums haben sie die Möglichkeit, sich selbst in einem historischen Setting in Szene zu setzen oder an einem historischen Fotoshooting teilzunehmen und das Bild auf Social Media mit dem Hashtag #luzernfotografiert zu posten. So entsteht eine virtuelle Ausstellung von und über Luzern und ihre Fotografen. Die moderne Technologie ermöglicht heutigen Hobbyfotografen, ihre Bilder zu Lebzeiten mit anderen zu teilen und auszustellen.

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