Hitze in BLS-Zügen nach Willisau: Jetzt fordert Pro Bahn Gegenmassnahmen
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Erst vor zwei Jahren haben alle 36 NIna-Züge den «grossen Service» durchlaufen und wurden modernisiert – jetzt stehen bei 27 davon Nachbesserungen an. (Bild: BLS)

Klimaanlagen fallen monatelang aus Hitze in BLS-Zügen nach Willisau: Jetzt fordert Pro Bahn Gegenmassnahmen

4 min Lesezeit 2 Kommentare 11.06.2021, 11:58 Uhr

Im Zug von Luzern nach Willisau wird es in den nächsten Wochen richtig heiss werden. Grund: Wegen Problemen bei der Stromzufuhr wird bei den BLS-Zügen des Typs Nina die Mehrheit der Klimaanlagen noch monatelang ausfallen. Der Verein Pro Bahn ist alles andere als erfreut.

Auf Kühlung hoffen Passagiere auf den Luzerner S-Bahn-Linien S6, S7, S77 in den nächsten Wochen und Monaten grösstenteils vergebens. In den meisten Nina-Zügen funktionieren die Klimaanlagen nicht mehr (zentralplus berichtete).

Einzelne Wagen werden bis Juli repariert, vollständig in Betrieb werden die Klimaanlagen in den Zügen aber erst im Oktober wieder sein. «Das sind unschöne Aussichten», sagt Karin Blättler, Präsidentin von Pro Bahn Schweiz. «In der Vergangenheit wurden einzelne Ausfälle von Klimaanlagen in den Zügen von den Kunden nicht goutiert. Und nun das!»

Dass auf der besagten Strecke schon in der Vergangenheit immer mal wieder die Klimaanlagen ausgefallen sind, bestätigen zentralplus-Leser, welche die Ankündigung der Reparaturarbeiten kommentierten. «Das Problem mit den nicht funktionierenden Klimaanlagen ist etwa so alt wie die Nina selber, die funktionierten auf der erwähnten Linie noch nie richtig», ärgert sich etwa Ludwig Peyer, seines Zeichens CVP-Kantonsrat.

Wichtig: Viel trinken

«Klimatisierung ist state of the art», sagt auch Karin Blättler. «Wir sind über diesen Vorfall erstaunt. Dies kommt umso überraschender, da die Ninas einem Refit unterzogen wurden. So etwas dürfte nicht passieren.» Sie fordert, dass die Reparaturzeit «mit allen Mitteln so kurz wie möglich gehalten wird».

Zudem müsse alles unternommen werden, damit das Reisen erträglich ist. Das ist nicht ganz einfach: Die Temperaturen erreichen in nicht klimatisierten Zügen schnell über 30 Grad. «Mediziner empfehlen, beim Ausfall der Klimaanlage viel zu trinken», so Blättler. Gerade bei Temperaturen von über 30 Grad sei Flüssigkeit besonders wichtig.

Die Pro-Bahn-Präsidentin sieht deshalb die BLS in der Verantwortung. «Es ist in der Tat zu überlegen, die Situation zum Beispiel mit Abgabe von Gratiswasser abzufedern», sagt sie.

BLS verteilt Wasser

zentralplus hat die BLS mit diesen Forderungen konfrontiert – und ist auf offene Ohren gestossen. «Wir werden bereits am kommenden Wochenende Wasser in den Zügen verteilen», sagt Sprecherin Tamara Traxler auf Anfrage. Diese Massnahme werde weitergeführt, je nachdem, wie sich die Temperaturen entwickeln.

«Ziel ist, dass es ab Mitte August in jedem Nina-Zug zumindest wieder ein bis zwei klimatisierte Wagen hat.»

BLS-Sprecherin Tamara Traxler

Dass die Klimaanlagen auf den besagten Strecken schon früher ausgefallen sind, bestätigt Traxler. «Es ist so, dass die Klimaanlagen mit Strom aus der Fahrleitung betrieben werden. Auf dieser kommt es regelmässig zu Spannungsveränderungen beispielsweise durch das Anfahren oder Bremsen des Zuges. Auf vielbefahrenen Strecken werden diese Schwankungen der elektrischen Spannung jeweils durch die Züge ausgeglichen», erklärt sie. Nur: In der Region Luzern West sind gar nicht so viele Züge unterwegs.

Das ist der Grund, weshalb 2018 die Klimaanlagen teilweise überhitzten und ausfielen. «Die Klimaanlagen wurden daraufhin mit einer Schutzabschaltung ausgerüstet. Seit da kam es nur noch vereinzelt zu Ausfällen der Klimaanlagen», so Traxler.

Das Problem: Lange Lieferfristen

Das aktuelle Problem entstand wegen Bauarbeiten. Durch die Bauarbeiten änderte sich die elektrische Spannung auf dem Streckennetz vorübergehend. Die Züge sollen nun mit Teilen nachgerüstet werden, die noch stärkere Spannungsschwankungen aushalten. Das Problem: weder die BLS noch der Hersteller haben solche an Lager. Normalerweise werden zehn Teile übers ganze Jahr verteilt gebraucht. Jetzt sind es über 50 Stück auf einmal. Die Ersatzteile inklusive der Verstärkung müssen erst produziert werden.

«Die Ersatzteile bauen wir fortlaufend ein. So kommen ab jetzt immer weitere klimatisierte Wagen hinzu.»

BLS-Sprecherin Tamara Traxler

Die langen Lieferfristen sind der Grund, weshalb sich die Reparatur der Züge bis Oktober hinziehen wird. «So bald wir Teile bekommen, bauen wir diese laufend ein», verspricht Traxler. «Ziel ist, dass es bis Mitte August in jedem Zug zumindest ein bis zwei klimatisierte Wagen hat. Welche das sind, werden wir jeweils an den Türen und in den Wagen anschreiben.» «Die Ersatzteile bauen wir fortlaufend ein. So kommen ab jetzt immer weitere klimatisierte Wagen hinzu.»

In den nicht klimatisierten Abteilen läuft die Lüftung auf Hochtouren, so dass die Passagiere zumindest mit genügend frischer Luft versorgt sind. Aufgrund des grossen Ausmasses des Ausfalls – betroffen sind 27 Züge – kann die BLS gemäss Traxler nicht auf Ersatzzüge setzen. «Wir bedauern diese Unannehmlichkeiten und entschuldigen uns dafür.»

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2 Kommentare
  1. John, 15.06.2021, 09:09 Uhr

    Ein weiteres Glanzstück des BLS-Managements. Als regelmässiger Benutzer bekommt man alle paar Tage zu spüren, dass das Wohl der Passagiere beim Management ziemlich weit hinten kommt (man hat den deutlichen Eindruck, dass die Leute da eher selten in den eigenen Zügen fahren). Wichtiger sind zum Beispiel BLS-grüne Knipser, an denen man jahrelang herumdoktert, bis sie einigermassen funktionieren, obwohl es die alten orangen seit Jahrzehnten einwandfrei tun und wohl auch weiterhin getan hätten. Nicht zu reden von den fast täglichen Kupplungsproblemen beim An- und Abhängen in Wolhusen… Funktionierendes Zeug einzukaufen, ob Knipser oder Züge, ist definitiv keine Stärke des BLS-Managements… Die schwachsinnige Maskenpflicht hat das Fass jetzt zum Überlaufen gebracht: Ich habe mir einen Töff gekauft.

  2. Hans Peter Weber, 11.06.2021, 12:58 Uhr

    Das ist seit Jahren so, die Züge stehen Tag ung Nacht und laufen im Quartier (Gleis 35 / Brücke Bleicherstrasse ) . Ihr hab schon einem mal darüber berichtet.
    Die SBB verspricht uns seit Jahre das die da weg kommen, nichts passiert!
    Auch die BLS verspricht seit Jahren das sie die mängle beheben will!

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