Historische Trinkhalle auf dem Zugerberg wird saniert und neu belebt
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Eher unscheinbar präsentierte sich bis vor Kurzem die ehemalige Trinkhalle oberhalb der Bergstation der Zugerbergbahn. (Bild Denkmalpflege des Kantons Zug)

Umnutzung zu Empfangszentrum Historische Trinkhalle auf dem Zugerberg wird saniert und neu belebt

3 min Lesezeit 12.06.2021, 20:25 Uhr

Die Trinkhalle Zugerberg beim ehemaligen Hotel Schönfels ist ein wichtiges architekturhistorisches Zeitzeugnis. Derzeit wird sie renoviert, um künftig dem Institut Montana als repräsentative Empfangsräumlichkeit zu dienen.

Bei der Ankunft auf dem Zugerberg war das etwas heruntergekommene Holzgebäude vor dem Institut Montana unübersehbar. Als dort plötzlich nur noch eine Bodenplatte zu sehen war, befürchteten viele, das historische Gebäude sei definitiv abgerissen worden. Doch die Bedenken erwiesen sich als unbegründet. Die ehemalige Trinkhalle soll vielmehr als architekturgeschichtliches Bijou wieder auferstehen.

Der Holzbau wurde sorgfältig in seine Einzelteile zerlegt und abtransportiert. In der Zimmerei Xaver Keiser in Zug werden diese restauriert und bis im Herbst 2022 am ursprünglichen Ort wieder zusammengesetzt. Ziel ist es, möglichst viel Originalsubstanz zu erhalten. Allerdings wird das Gebäude unterkellert. Weil die Nutzung dieses neuen Untergeschosses nicht abschliessend bestimmt wurde, liegt die definitive Baubewilligung noch nicht vor, wie das Institut Montana auf Anfrage ausführte.

Aus der Blütezeit des Belle-Epoque-Tourismus

Die Trink- und Wandelhalle gehörte zum früheren Kur- und Grandhotel Schönfels, das heute dem Montana-Schulbetrieb dient. Gemäss Beschrieb der kantonalen Denkmalpflege zählt die ehemalige Hotelanlage «zu den imposanten Zeugen aus der Zeit des florierenden Fremdenverkehrs der Belle Époque der Jahrhundertwende mit internationalen Gästen, auch gekrönten Häuptern». Im dritten Viertel des 19. Jahrhunderts wurde der Trinkhallenbau von Hotelier Adolf Kummer errichtet, etwa 40 Meter lang, eingeschossig, mit Mittel- und Eckrisaliten gegliedert und einem Satteldach gedeckt. Der Stil wird als ländlich-spätklassizistisch bezeichnet.

«Wahrscheinlich tranken die Gäste beim gemächlichen Hin- und Herwandeln Molke, aber möglicherweise auch Geissenmilch oder ganz einfach Zugerbergwasser.»

Michael van Orsouw, Zuger Historiker

Im Gegensatz zum damaligen Hotel ist beim Holzpavillon die Originalsubstanz noch weitgehend erhalten. «Sie ist als seltener Zeuge touristischer Kleinarchitekturen, die die Hotelpärke zur Zerstreuung der Gäste geschmückt hatten, von grösster typologischer, historischer, architektur-, garten- und tourismusgeschichtlicher Bedeutung», heisst es im Inventar der Denkmalpflege. Deshalb steht das Gebäude heute unter Schutz.

Die Trinkhalle (vorne in der Mitte im Ensemble des Grandhotels Schönfels) in einer Abbildung aus dem Jahre 1910. (Bild aus dem Zuger Neujahrsblatt 1970)

Molke, Geissenmilch oder einfach Zugerbergwasser?

Die «Trink- und Wandelhalle im Chalet-Styl» diente den Gästen für einen wettergeschützten Aufenthalt. «Auf dem Zugerberg waren es so ziemlich alle damals modischen Kuren. Also Diätkuren, Heilgymnastik, Moorbäder, Massagen, Wasserheilverfahren und so weiter», weiss der Zuger Historiker und Schriftsteller Michael van Orsouw.

Was genau getrunken wurde, dazu gebe es allerdings keine verlässlichen Quellen, sondern nur Absichtserklärungen in vollmundig formulierten Werbeschriften. «Wahrscheinlich tranken die Gäste beim gemächlichen Hin- und Herwandeln Molke, aber möglicherweise auch Geissenmilch oder ganz einfach Zugerbergwasser», vermutet van Orsouw.

Neue Nutzung für die ehemalige Werkstatt

Nach der Wirtschaftskrise wurde das Grandhotel 1925 von Max Husmann übernommen und in ein Knabeninstitut umgewandelt. Die Halle diente dann eine Zeitlang als Kegelbahn, ab den 1950er-Jahren bis zuletzt als Werkstatt und Schreinerei.

Die Stiftung Max Husmann Montana Zugerberg hat für die grundlegende Sanierung in den vergangenen Jahren nach möglichen Lösungen gesucht. In enger Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege, dem Baudepartement des Kantons Zug und Sachverständigen, wie auf der Stiftungswebseite nachzulesen ist. Die Trinkhalle soll «als imposante Zeitzeugin touristischer Kleinarchitektur im Kanton Zug erhalten bleiben.

Ehrung für ehemaligen Direktor

Künftig wird der Pavillon aber für den Schulbetrieb als Empfangshalle genutzt und die Direktionsräumlichkeiten beherbergen. «Ostermayer Welcome Center» wird sie heissen, wie Ines Schmit, Head of Executive Office im Montana, verrät.

Damit wird der ehemalige Direktor geehrt, der von 1946 bis 1980 das Institut entscheidend mitprägte. «Wir freuen uns sehr, das historische Gebäude als künftigen Empfangsbereich nutzen zu können», sagt Ines Schmidt «die Trinkhalle wird somit weiterhin einen zentralen Stellenwert auf dem Campus einnehmen.» Zumindest an den Tagen der offenen Tür wird sich auch die Öffentlichkeit ein Bild davon machen können.

Am Standort der ehemaligen Trinkhalle beim Institut Montana klafft momentan eine Lücke.


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