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Hinterbänklerin? Andrea Gmür unter den Flop 10
  • Politik
CVP-Nationalrätin Andrea Gmür präsidiert den Verein, der hinter der neuen 1.-August-Feier steht. (Bild: jal)

Luzerner Nationalrätin ist frustriert über Rating Hinterbänklerin? Andrea Gmür unter den Flop 10

3 min Lesezeit 2 Kommentare 18.07.2017, 05:15 Uhr

Wer ist der einflussreichste Politiker in Bern? Diese Frage stellte sich die «Sonntagszeitung» in einer umfassenden Auswertung. Doch auch die hintersten Ränge sind bemerkenswert: Die Luzerner Nationalrätin Andrea Gmür liegt abgeschlagen unter den letzten 10. Sie fühlt sich unter ihrem Wert beurteilt.

Kaum jemand hat in Bundesbern so wenig Einfluss wie die Luzerner CVP-Nationalrätin Andrea Gmür. Zumindest besagt dies das grosse Parlamentarier-Rating der «Sonntagszeitung». Sie landete auf Rang 231 von 240. «Ich wage zu behaupten, dass ich unter meinen Wert beurteilt wurde», kommentiert Gmür ihr Abschneiden aus den Sommerferien. Besser weg kommen andere Luzerner Politiker, etwa CVP-Ständerat Konrad Graber (Rang 15), SVP-Nationalrat Felix Müri (60) und SP-Nationalrätin Prisca Birrer Heimo (88).

Einfluss in der Fraktion

Das Rating misst die Kommissionssitze, Voten, erfolgreiche politische Vorstösse, Ämter in Rat und Partei sowie Medienpräsenz und das ausserparlamentarische Beziehungsnetz – also die Lobbys, die hinter den Parlamentariern stehen.

Die 53-Jährige Gmür sitzt seit bald zwei Jahren im Rat. Macht Sie ihren Job nicht? «Doch. Sicher, mache ich meinen Job.» Die Kriterien und deren Wertung würden aber viele Aspekte der politischen Arbeit nicht widerspiegeln. Etwa den Einfluss innerhalb der Fraktion, meint die engagierte Sozialpolitikerin (zentralplus berichtete): «Innerhalb der CVP habe ich mir bisher gut Gehör verschaffen können.»

Verzicht auf zweiten Kommissionssitz

Ein Grund für die tiefe Rangierung sei auch, dass sie nur in der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) Einsitz nehme: «Mir wurden – obwohl Neumitglieder in der CVP-Fraktion normalerweise nur einen Kommissionssitz erhalten – zu Beginn zwei Kommissionssitze angeboten.» Auf einen habe sie aus familiären Gründen verzichtet.

Inzwischen lässt es die familiäre Situation zu und die vierfache Mutter hat entschieden, ein Mandat in der Rechtskommission anzunehmen, das ihr von der Fraktionsleitung angeboten wurde. «Wäre ich von Beginn weg in zwei Kommissionen vertreten gewesen, würde ich sicher nicht so weit hinten liegen.»

«Nicht immer die Lautesten sind die Einflussreichsten.»

Andrea Gmür, CVP-Nationalrätin

Ausserdem ist die städtische CVP-Präsidentin nicht in der nationalen Parteispitze vertreten, hat weder einen Vorstandsposten in der Fraktion noch ein Vize-Präsidium inne. Auch das gibt Abzugspunkte. «Ich möchte niemandem zu nahe treten, aber wenn ich sehe, wer alles vor mir aufgelistet ist, zweifle ich doch etwas an der Aussagekraft des Rankings.»

Das Ranking der «Sonntagszeitung» und die Luzerner Vertreter:

Sind die Jungen besser?

Doch längst nicht alle frischen Parlamentarier schneiden schlecht ab. Zu den erfolgreichsten Newcomern zählen in Bern etwa die Grünen Nationalrätinnen Lisa Mazzone (29 Jahre, GE) und Sibel Arslan (37 Jahre, BS) oder der FDP-Parlamentarier Philippe Nantermod (33 Jahre, VS).

Eine neue, sehr engagierte Politgeneration wächst heran. Gmür beurteilt dies positiv und freut sich für sie. Ausschlaggebend für die Durchschlagskraft im Parlament seien aber nicht nur die Anzahl Auftritte im Rat; es brauche in erster Linie auch eine gute Vernetzung. Vieles laufe fernab der Medien: «Nicht immer die Lautesten sind die Einflussreichsten», so Gmür.

Die Wahl im Herbst 2015 markierte für Gmür den Übergang vom Kantonsrat auf die nationale Bühne. Die Ratskultur in Bern sei rauer: «Niemand wartet auf einen in Bern. Es sind sehr viele Einzelkämpfer unterwegs.» Als Mitglied der WBK komme man weniger oft zu Voten. Davon sei nicht nur sie betroffen, im Schnitt hätten die Mitglieder der Kommission tiefe Rangierungen erzielt, etwa Min Li Marti (Platz 229), die in Zürich als SP-Präsidentin gehandelt wurde. Oder auch der ehemalige Präsident der EDK, Alt-Regierungsrat und Nationalrat Christoph Eymann, der – ob mit oder ohne Ranking – ein einflussreicher Politiker sei.

Parlament folgt Gmürs Antrag

Den grossen Erfolg im Rat habe sie noch nicht gelandet, erklärt sie unumwunden. Politik sei harte Knochenarbeit. Verbiegen will sie sich nicht für eine bessere Rangierung: «Ich werde weiterhin meine Arbeit machen.»

Das durchzogene Abschneiden der Luzerner Parlamentsdelegation kann Gmür nicht nachvollziehen: «Gerade beim Thema Durchgangsbahnhof, der für die ganze Zentralschweiz wichtig ist, arbeiten wir sehr gut über die Parteigrenzen hinweg zusammen.»  Bei diesen Rankings spiele auch der Zufall eine Rolle.

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2 Kommentare
  1. Heinrich Vogelsang, 20.07.2017, 15:12 Uhr

    Ehrlich gesagt hab ich mich vor dem Lesen des Artikels gefragt, wer Andrea Gmür ist …

  2. Komm Entar, 18.07.2017, 11:05 Uhr

    Naja, die Rechtfertigung von Frau Gmür vermag nicht zu überzeugen…

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