Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
Hinter den Kulissen ruft’s «Ruhe» und «Scheisse»
  • Gesellschaft
  • Gesellschaft
  • Medien
Einen Überblick über die Darsteller braucht auch die Produktionsleitung im improvisierten Büro im Emmer Viscosi-Areal. (Bild: jav)

Tatort Luzern Hinter den Kulissen ruft’s «Ruhe» und «Scheisse»

4 min Lesezeit 10.12.2014, 12:02 Uhr

Derzeit wird der neunte Schweizer Tatort auf den Luzerner Strassen gedreht. Doch nicht nur dort. zentral+ durfte im Studio auf Spurensuche gehen und einen Blick auf Büros, Garderoben und Kulissen werfen. Zwischen Essen und Nickerchen erwischten wir auch die Hauptdarsteller auf ein Wort oder zwei.

Polizei-Aufgebote, Scheinwerfer, Stunts und weisse Leichenzelte – in den letzten Tagen werden immer wieder Tatort-Dreharbeiten in der Stadt Luzern gesichtet. Auch in der Viscosi-Stadt in Emmenbrücke wird gedreht. Hier finden die Studio-Aufnahmen Platz. zentral+ hat sich hinter diese Kulissen gewagt.

Die Schweizer im Kreuzfeuer

Der erste Luzerner Tatort ist schon fast verdrängt. Musste sich die Schweizer Produktion doch brutale Kritiken anhören. Mit der gesichtsgebügelten Hollywood-Ermittlerin und der stark kritisierten Synchronisation kam der erste Tatort mit Kommissar Flückiger schlecht weg.

Unterstütze Zentralplus

«Jeder Tatort wird kontrovers diskutiert.»
Stefan Gubser, Kommissar Flückiger im Luzerner Tatort

«Bislang war der Luzern-Tatort eher unterirdisch, doch beim neuen Fall ‹Sniper› klingt die Story sehr spannend», schreibt Blogger Tobias Weidekemper im Tatort Blog. Und damit nicht genug: «Wenn die Schweizer die miese Synchronisation in den Griff bekommen und endlich mal schwungvoll inszenieren, könnte dieser Flückiger-Fall mal gut werden. Die richtigen Namen sind jedenfalls dabei, wir sind also sehr gespannt!», legt er nach.

«Das ist Daily Business», wiegelt Hauptdarsteller Stefan Gubser ab. «Jeder Tatort wird kontrovers diskutiert und erhält unterschiedlichste Kritiken», das sei ganz normal für ein solch bekanntes und vielbeachtetes Format.

Zürcher improvisieren in Emmen

Die neuste Folge «Sniper»

Zu Beginn des neuen Falles werden Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) zu einem Mord an zwei Albanern gerufen, die auf offener Strasse erschossen wurden. Die Kommissare vermuten zunächst einen Streit im Drogenmilieu. Es handelt sich jedoch um einen Sniper, der gezielt Menschen umbringt, welche anderen geschadet haben. Bei diesem Fall erhalten Flückiger und Ritschard erstmals Hilfe von einem Profiler und einer neuen Kriminaltechnikerin.

Erstmals bei einem Schweizer Tatort führt Florian Froschmayer Regie. Der Zürcher hat in den letzten Jahren in Deutschland gearbeitet und dort auch einige Tatorte inszeniert.

Die Dreharbeiten für die übernächste Produktion aus Luzern laufen auf Hochtouren. Es ist kurz vor 20 Uhr, als wir im improvisierten Produktionsbüro der Zodiac Pictures im Viscosi-Areal eintreffen. Aufnahmeleiter Florian Widmeier und zweiter Regieassistent Samuel Perriard bieten einen Stuhl an, aber keinen Kaffee: «Der ist nicht zu empfehlen», sagen die beiden lachend. Rund fünf Wochen muss das Team mit dieser Brühe auskommen. So lange wird am Tatort in Emmen und Luzern gearbeitet. Und das zweimal jährlich.

Denn zwei Folgen werden pro Jahr gedreht. Das bedeutet, dass die beiden Luzerner Tatorte für 2015, «Schutzlos» und «Sniper» diese Weihnachten bereits abgedreht sind. Doch die Planung ist selbstverständlich viel weiter fortgeschritten. «Wir haben Zweijahres-Verträge», verrät die Tatortdarstellerin Delia Mayer. Das heisst, die Kommissare werden jeweils für weitere vier Folgen verpflichtet. Die Story der nächsten Folge kenne sie bereits. «Auch für die übernächste Folge, aber die habe ich bereits wieder vergessen», lacht Mayer. Während der Dreharbeiten seien alle Beteiligten sehr absorbiert und in Gedanken komplett in der gegenwärtigen Produktion.

Schnapsklappe

An den Wänden des Produktionsbüros hängen zahlreiche Pläne: Zeitraster, Einsatzpläne, Strom- und Toilettenorganisation. Auf dem Boden steht eine Kiste mit Kerzen. Keine Requisiten, erklärt der zweite Regieassistent Samuel Perriard. Denn das ist die Geschichte der «Schnapsklappe»: Es handelt sich um eine Luzerner Tatort-Tradition. Jedesmal, wenn die Filmklappe eine Schnapszahl zeigt, muss ein Teil des Produktionsteams für den Rest eine Erfrischung organisieren. Diesmal seien die Schauspieler an der Reihe gewesen. Es gab einen Apéro mit Sushi und Kerzen. Deshalb die Kerzen.

Ruhe jetzt!

Nun holt uns Produktionsleiterin Sarah Bossard ab und führt uns durch ein Labyrinth von Gängen und Hallen, vorbei an Statisten-Garderoben ins Studio. Hier herrscht Stille. Vier Personen sitzen vor einem kleinen Bildschirm.

Gerade wird die nächste Szene besprochen. 20 bis 30 Personen schwirren umher, fast lautlos. Es wird nur geflüstert und gestikuliert. Umso lauter geht es im Besprechungszimmer der Luzerner Polizei vor sich – oder zumindest der Kulisse. Das Studio wurde auch deshalb eingerichtet, um nicht während der Dreharbeiten den Betrieb der echten Luzerner Kripo lahmzulegen.

Die Darsteller lachen und scherzen. Dann hört man ein lautes «Ruhe bitte» und auf dem kleinen Bildschirm erscheint die Tatort-Filmklappe. «Sniper, 63, 1, 1» steht darauf. In der folgenden Szene erklärt Stefan Gubser alias Kommissar Flückiger seinen Kollegen das Vorgehen. Man will die Presse durch eine kleine Medienmitteilung manipulieren. Die Einstellung wird mehrmals wiederholt: «Sniper, 63, 1, 2», «Sniper, 63, 1, 3», wechseln die Zahlen auf der Klappe. Dann das ersehnte: «Danke aus».

Lätzchen für die Grossen

«Mittagspause» ruft bereits zum dritten Mal jemand durch die Studioräume. Es ist nun kurz vor 21 Uhr. Das Zeitgefühl scheint bei Dreharbeiten etwas verloren zu gehen.

Doch bevor gegessen wird, muss das ganze Team antraben. Ein Crew-Foto wird geschossen. «Scheisseeeee» statt «Cheese» rufen alle gemeinsam für die Kamera.

Anschliessend wird gegessen. Zurück durch das Labyrinth geht es in den Esssaal. Die Schöpfstrasse ist aufgebaut. Es gibt Lachs, oder Poulet mit Gemüse und Reis an Kokossauce und Chutney. Die Schauspieler tragen Lätzchen, um ihre Kostüme zu schützen, stecken die Köpfe zusammen und unterhalten sich leise. Für uns hat es Platz am Produktionstisch. Regisseur Florian Froschmayer ist äusserst zufrieden mit dem Stand der Produktion und unterhält sich mit der Produktionsleiterin über die «Tribute von Panem».

Wie geschmiert

Auch die Darsteller sind glücklich mit dem Verlauf der Dreharbeiten. «Es läuft pannenlos langweilig», lacht Mayer. Und weg sind die beiden. Sie legen sich kurz hin – denn die Dreharbeiten dauern anschliessend noch bis mindestens Mitternacht.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare