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Im Vincafé «La Barca» wartet ein schön gestaltetes Interieur auf die Ausscheidungen der Kundschaft. (Bild: cha)

WC's in der städtischen Gastronomie Hinsetzen, entspannen, geniessen!

6 min Lesezeit 2 Kommentare 11.04.2015, 17:46 Uhr

Ob mit Gold verzierte Lavabos, über 100-jährige WC-Schüsseln oder Zapfhähne zum Händewaschen: Die Luzerner Restaurants und Bars knausern beim Gestalten des stillen Örtchens nicht. zentral+ hat sich auf die Suche nach skurrilen, originellen oder einfach schönen Toiletten in Luzern gemacht.

Luzerner Bars und Restaurants locken die Kundschaft in erster Linie mit gutem Essen und einer vielfältigen Auswahl an Durstlöschern ins eigene Lokal. Dabei lohnt sich vielerorts auch ein Blick hinter die – meist – verschlossenen Türen. Denn nicht wenige Toiletten in der Stadtluzerner Gastronomie sind aufwändig gestaltet. Damit Ihr nächster Gang zum stillen Örtchen zum Erlebnis wird, hat sich zentral+ auf die Suche nach solchen WC’s gemacht.

Des Scheichs Stilles Örtchen

(Bild: cha)

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Dieses Prachtsstück ist im marokkanischen Restaurant «Barbès» an der Winkelriedstrasse in der Neustadt zu finden. Im Stile eines Scheichs kann der Notdürftige hier im abendländisch eingerichteten WC sein Geschäft verrichten. Zwei «Hände der Fatima» im Hintergrund sorgen für geeigneten Schutz beim Entspannen und eine hübsche Kerze sorgt zusätzlich für das passende Ambiente.

Poesie und Kritzelei

(Bild: cha)

Eher unfreiwillig mauserten sich die Toiletten vom «Parterre» an der Mythenstrasse zum literarischen Feuerwerk. Verbale Ergüsse und einfache Kritzeleien findet jener, der in der Bar mal Wasser lassen muss. Viel Platz für eigene Wortkreationen findet sich zwar nicht mehr, doch es gibt noch kleine Lücken, die es zu füllen gibt. Oder lieber doch nicht? «Früher haben wir die Kritzeleien versucht abzuwaschen oder zu übermalen. Die Sprayerfarbe ist jedoch so aggressiv, dass es gar nichts bringt», erklärt Claudio Scammacca von der Loas GmbH, die das Parterre betreibt. Momentan hätten sie etwas resigniert.

Prunk, Gold und viel Liebe zum Detail

(Bild: cha)

Die Visitenkarte eines Restaurants

«Eine schön eingerichtete Toilette ist die Visitenkarte eines Restaurants», sagt Ruedi Stöckli, Verbandspräsident von Gastro Luzern. Die WC's sollten mit Blumen geschmückt und die Wände und Böden mit moderner Farbe gestaltet sein. «Ebenfalls wichtig ist ein angenehmer Duft beim Betreten des stillen Örtchens. Bei den Damen beliebt ist ein grosser beleuchteter Spiegel zum Schminken und ein zur freien Verwendung bereitstehendes, diskretes Parfum.» Für junge Mütter sei ausserdem ein Wickeltisch gefragt, so Stöckli.

Zugegeben: Sowohl bei der Damen – als auch bei der Herrentoilette im «La Barca» Unter der Egg ist Staunen angesagt. Mit viel Liebe zum Detail wurden diese WC’s gestaltet. Die Damentoilette (oben) wartet mit goldenem Spiegel, einer mit Blumen bemalten WC-Schüssel und mit einem ebenso hübsch gestalteten Lavabo. Bei den Herren (unten) sticht insbesondere das unkonventionelle Pissoir ins Auge. Bei so viel Prunk, Gold und Malereien getraut man fast nicht, loszulassen. Und das zu Recht: «Unsere Toiletten sind antik und waren nicht ganz günstig in der Anschaffung. Bei meiner Recherche stiess ich auf ein Hamburger Geschäft, das mit solchen Toiletten handelt», erklärt der Besitzer Peter Wiesmer auf Anfrage. Die Schüsseln seien über 100 Jahre alt, was beim Einbau den Sanitär vor einige Probleme gestellt habe. Die Kunden seien begeistert. «Insbesondere die Frauen staunen immer wieder über die schön eingerichtete Damentoilette. Manchmal sind sie so begeistert, dass die Damen auch schon Sachen mitgehen liessen», so Wiesmer.

(Bild: cha)

Zapf dir dein Eigenes

(Bild: cha)

Weder modern noch prunkvoll präsentieren sich die Toiletten in der «Gewerbehalle» an der Baselstrasse. Dafür umso kreativer. Die Wände sind vollgemalt – und im Gegensatz zum Parterre gibt es hier einen gewissen künstlerischen Anspruch. Wie kam es dazu? «Als wir die Gewerbehalle übernahmen, haben wir alles selbst umgebaut», erklärt Stefan Chiovelli. Die Malereien selbst seien auf lustige Art und Weise entstanden. «Ein Stammgast, der auch Künstler ist, hat ein paar Skizzen mit einem Stift gemalt, leider auch auf einen Holztisch. Er hatte sich dafür entschuldigt und mit uns vereinbart, dass er putzen kommt», so Chiovelli. Im Gespräch darauf habe sich ergeben, dass er gerne etwas in seiner Lieblingskneipe malen wolle, worauf das Konzept für die Bemalung entstand. So stellte die Gewerbehalle mit zwei Künstlern gar ein ganzes WC-Konzept auf die Beine. Und das ist noch nicht ganz umgesetzt: «Das Konzept sieht weiter vor, dass Originalteile einer Brauerei installiert werden, um die Zeichnungen noch 3D-mässiger zu gestalten», sagt Stefan Chiovelli. Mehr möchte er dann aber nicht verraten.

(Bild: cha)

Doch das Witzigste am Gang auf die Toiletten der Gewerbehalle sind die Wasserhähne. Äh, also in diesem Fall, die Zapfhähne. «Eines Abends haben wir über die Armaturen gesprochen und so kam uns die Idee, das Alte – also die Zapfsäulen – miteinzubringen.»

(Bild: cha)

Heimelig und elegant

(Bild: cha)

Das Restaurant «Moosmatt» an der Moosmattstrasse lockt nicht nur mit feinem Essen und gemütlichem Ambiente. Auch die Toiletten des Restaurants laden zum Verweilen ein. Bei der Herrentoilette (oben) zieren zwei kleine Kronleuchter den Raum. Die Damentoilette (unten) hingegen ist in zwei Teile aufgeteilt, wobei der Toilettenraum mit einer hübschen Vitrine aufgewertet ist. Ausserdem: Der Besitzer des «Moosmättli» hat vor, eine Schreibmaschine beim WC der Damen anzubringen. «Ich bin immer wieder auf der Suche nach neuen Einrichtungsgegenständen für die Toilette. Dank der Schreibmaschine können die Gäste dann Kritik und Lob anbringen. Oder einfach ein paar Sätze schreiben, während sie auf der Toilette verweilen.»

(Bild: cha)

Bühne frei!

(Bild: cha)

Während der Vorhang im «Moosmättli» lediglich aus Pinselstrichen besteht, hat die «Brasserie Bodu» am Kornmarkt in der Altstadt Nägel mit Köpfen gemacht. Zwar sind die Toiletten mit braunen Plättli und aufgemalten Blumen – also im heute nicht mehr so ganz gefragten 80er-Stil – gestaltet. Besonders originell ist allerdings der rote Vorhang über dem Spiegel.

«Seid ihr eine Sekte?»

(Bild: cha)

In der Bar58 an der Klosterstrasse sticht insbesondere die Damentoilette hervor. Kronleuchter und Kerzen leuchten den Weg zum stillen Örtchen. Witzig ist, dass die Betreiber der Bar ein paar «Männerheftchen» in der Schublade bereitgelegt haben. «Es kommt leider immer wieder vor, dass Seiten herausgerissen oder gar das ganze Heft geklaut wird», sagt Patrick Gozon mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Gleichzeitig sind in der gesamten Bar immer wieder christliche Symbole, wie Engel oder Jesus-Bilder zu finden. Interessante Kombo. «Wir wurden schon öfters darauf angesprochen und schon gefragt, ob wir eine Sekte seien», so Gozon. Einen bestimmten Grund für das religiös angehauchte Interieur gäbe es jedoch nicht, versichert er.

(Bild: cha)

Meerjungfrauen und Blumen

(Bild: cha)

In der Zwischennutzung «Neubad» an der Bireggstrasse ist sowohl auf der Herrentoilette (oben) als auch auf dem WC der Damen (unten) der obere Teil der Wände bemalt. Schwarze, gelbe und weisse sowie nackte Menschen zieren das stille Örtchen. Der Handtuchspender der Damentoilette ist zudem mit einem schönen Blumenstrauss verziert. Auffällig ist, dass im WC der Herren vornehmlich Frauen und in jenem der Damen hauptsächlich Männer aufgemalt sind. «Die Toiletten mit den Malereien sind aus einer Idee von Mitwirkenden entstanden», sagt Dominic Chenaux, Betriebsleiter des Neubads. Die Reaktionen seien mehrheitlich positiv. «Viele Leute deuten sich selbst oder Personen, die sie kennen, in den Bildern.» Das führe oftmals zu witzigen Stories, so Chenaux.

(Bild: cha)

Simpel, modern, schön

(Bild: cha)

Zuletzt ein WC, das weder originell noch skurril ist, sondern einfach nur schön. Moderne Elemente, wie die Steinplatten hinter den Pissoirs und die schlichte Einrichtung gepaart mit den antiken Rahmen der Spiegel ergeben ein stilles Örtchen der Extraklasse. Zu finden ist es im Restaurant des Hotels «Balances» am Weinmarkt.

(Bild: cha)

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2 Kommentare
  1. Aniko Abächerli, 14.04.2015, 10:57 Uhr

    Ein Grund mehr mal ins Barbès Essen zu gehen!

  2. Beatrix Kälin, 11.04.2015, 18:17 Uhr

    Sehr interessanter Artikel! Ich glaube, wir müssen bei einem Restaurantbesuch vermehrt auch einen Blick auf das “Stille Örtchen” werfen! Da gibt es ja wahre Trouvaillen!