Himmlisches Drama mit einer Top-Pianistin
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Khatia Buniatishvili begeisterte mit ihrer Sinfonie «Aus der Neuen Welt» (©Esther Haase/Sony Classical bzw. Julia Wesely)

Khatia Buniatishvili gastierte im Luzerner KKL Himmlisches Drama mit einer Top-Pianistin

3 min Lesezeit 09.06.2016, 15:34 Uhr

Der Auftritt der georgischen Pianistin Khatia Buniatishvili diesen Mittwoch im KKL Luzern war grandioser Höhepunkt eines mitreissenden Sinfoniekonzerts. Die zierliche Frau konnte sich dank ihrer gewaltigen Bühnenpräsenz der vollen Aufmerksamkeit ihres Publikums sicher sein.

 

Mit Martha Argerich, einer der grossartigsten Pianistinnen überhaupt, wurde sie schon früh verglichen. Schon als Kind gab sie Konzerte auf der ganzen Welt. Am Mittwoch war Khatia Buniatishvili im Luzerner KKL zu hören. Gemeinsam mit dem Luzerner Sinfonieorchester interpretierte sie Beethovens erstes Klavierkonzert in C-Dur, fesselte mit ihrem dramatischen Spiel die Hörer im fast ausverkauften Konzertsaal und entliess sie nur nach und nach wieder aus ihrem Bann.

Leichtfüssig und kraftvoll

Mit Pauken und Trompeten wurde sie empfangen: Das lange, marschartige Orchestervorspiel vor dem ersten Soloeinsatz, vom Chefdirigenten James Gaffigan leicht gehalten, bereitete die Bühne für die Solistin am Klavier. Mit Pauken und Trompeten startete auch sie – im übertragenen Sinne: Ein Piano der Extraklasse entfaltete seine Sogwirkung im grossen Saal, als Buniatishvili in ihren ersten Takten das Zepter übernahm. Sofort war sie da, die ausgeprägte Ausstrahlung der jungen Pianistin, die in jedem Ton, in jedem Anschlag zu fesseln vermochte, die mit leichter Hand auch schwierigste Passagen meisterte und deren konzentrierte Spannung ansteckend wirkte.

Poetisch, der zweite Satz in As-Dur. Da und dort entwickelte sich ein vertrautes Zwiegespräch zwischen Orchester und Solistin, die überhaupt angeregt mit dem Ensemble kommunizierte. Buniatishvilis Temperament kam dann im letzten Satz nochmals zur Geltung. Mit viel Witz führte sie durch den ungewöhnlichen, abwechslungsreichen Satz. Nicht nur leichtfüssig, sondern auch mit viel Leidenschaft griff sie in die Tasten. Das Orchester machte es ihr gleich: Unverschämt witzig, fast etwas derb die kraftvollen Orchestertutti, welche die Soli ablösten. Lang anhaltender Applaus belohnte am Ende diese gelungene Darbietung.

Aus der Neuen Welt

Nach der Pause schloss das Luzerner Sinfonieorchester mit Dvořáks 9. Sinfonie in e-Moll, besser bekannt unter dem Titel «Aus der Neuen Welt». Dieses Werk, mit dem der böhmische Komponist eine eigenständige amerikanische Musik begründen wollte, ist stets ein mitreissendes Erlebnis. Dies galt auch an diesem Abend. Der auswendig dirigierende Gaffigan verstand es, die dramatischen Momente der Sinfonie herauszukehren. Zugleich gelang es ihm, der Musik zu einer beweglichen Interpretation zu verhelfen, Melodien unverhofft anschwellen und wieder verebben zu lassen.

Was wirklich amerikanisch ist an dieser «Sinfonie aus der Neuen Welt», bleibt umstritten. Dass viele der angeblich amerikanischen Volksmelodien genauso gut aus Dvořáks Heimat stammen könnten, ist bekannt. Dennoch ist das Musik, die in die Weite sehen lässt: Die Pentatonik der Melodien, ein Charakteristikum vieler volkstümlicher Stücke, vermittelt ein Gefühl der Offenheit und Freiheit. Unterstützt wurde dies durch den oftmals weichen, goldenen Klang des Luzerner Klangkörpers. Ob man hier in die Wildnis Nordamerikas oder Mitteleuropas blickt, bleibt zweitrangig.

Ein Hang zur Dramatik

Was an diesem Abend gespielt wurde, war weitgehend Standard. Sowohl Beethovens Klavierkonzerte als auch die Sinfonie «Aus der Neuen Welt» sind regelmässig in den Konzertsälen zu hören. Dasselbe gilt für Carl Maria von Webers Ouvertüre zur Oper «Euryanthe», die als Eröffnung erklang. Dank des engagierten Orchesters und vor allem der leidenschaftlichen Solistin wurde daraus ein dramatischer Musikgenuss. Als es nach Buniatishvilis Auftritt den Saal verliess, war das Publikum noch ganz gefangen von dem packenden Auftritt der jungen Pianistin. «Himmlisch gsi», meinte eine Besucherin hingerissen. Recht hatte sie.

Das Luzerner Sinfonieorchester mit Khatia Buniatishvili ist am Donnerstag, 9. Juni 2016, um 19.30 Uhr nochmals im KKL Luzern zu hören. Statt des Klavierkonzerts von Beethoven wird Buniatishvili Griegs Klavierkonzert interpretieren.

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