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«Hihi, Blue Balls, weisst du, was das heisst?»
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Merci, dass es dich gibt, Blue Balls! (Bild: Emanuel Ammon/Luzern Tourismus/Montage zentralplus)

25 Jahre Blue Balls: Zeit für ein Dankeschön «Hihi, Blue Balls, weisst du, was das heisst?»

5 min Lesezeit 21.07.2017, 16:38 Uhr

Ein Vierteljahrhundert unter zum Teil widrigen Umständen, das ist doch eine reife Leistung. Weiss Luzern überhaupt, was es mit dem Blue Balls Festival hat? Sind wir Journalisten und Konzertbesucher zu undankbar? Wir sagen 25 Mal Danke für 25 Jahre Blue Balls. Auch wenn wir uns mit dem Namen immer noch nicht ganz anfreunden können.

Eigentlich sympathisch, dass das Blue Balls dieses Jahr kein Brimborium macht um seine Vierteljahrhundert-Existenz. Dabei sind 25 Jahre in einem serbelnden Business eine toughe Leistung! Im Gegensatz zu Möchtegern-Jubiläen wie 5, 10 oder 15 Jahre, die allenthalben gefeiert werden.

Was inzwischen Jahr für Jahr rund 100’000 Besucher an die Luzerner Riviera zieht, begann 1992 noch ganz beschaulich auf dem Wasser: 300 Besucher versammelten sich auf dem Dampfschiff Stadt Luzern zur «Luzerner Seenachtssession» mit 40 Schweizer Musikern. Mit dabei: Festivalgründer Urs Leierer, der bis heute die Fäden zieht.

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Die weiteren Stationen des neu geborenen Festivals waren in den Folgejahren die Schüür, das Hotel Union, das Hotel des Balances oder das Grand Casino. Seit dem Jahr 2000 steigt das Blue Balls hauptsächlich im KKL und wurde zu dem, was es heute ist: ein Grossevent um das ganze Seebecken.

Luzern ist zwar eine Festhütte, aber kein einfaches Konzertpflaster. Das wissen wir, und Urs Leierer wird nicht müde, dies in Erinnerung zu rufen. Deshalb nutzen wir den 25. Geburtstag, um einfach mal Danke zu sagen.

Also: Danke Blue Balls …

1. … dass du Luzern jährlich in eine fast schon kitschige Kulisse verwandelst. Summer in the Grossstadt!

2. … fürs Dranbleiben und Weiterchrampfen. Trotz kaputtem Musikmarkt, undankbaren Luzernern und uneinsichtigen Journalisten.

3. … für das unnachgiebige, eiserne Festhalten am Festival-Pin. «Ein Luzerner, der ums Seebecken läuft und keinen Pin hat, ist für mich kein Luzerner», sagte Festivaldirektor Leierer kürzlich zu zentralplus. Das ist doch ein Statement. Eine Lanze für die Musik und gegen die Gratiskultur!

Der diesjährige Pin mit Festival-Gesicht Samm Henshaw.

Der diesjährige Pin mit Festival-Gesicht Samm Henshaw.

(Bild: zvg)

4. … für kulturelle Perlen neben den Konzerten: Foto-Expo, Talkshows und Filmvorführungen. Die man aber im ganzen Trubel leider doch viel zu häufig verpasst.

5. … für die riesige internationale Auswahl an Essen und sonstigem Krimskrams, den unzählige Stände feilbieten. Obwohl man am Schluss trotzdem im Laufen und mit einem Becher Bier unter den Arm geklemmt einen Burger verdrückt.

Das Festival

Das Blue Balls findet zwischen dem 21. und 29. Juli in Luzern statt – Konzerte sind im und ums KKL, im Pavillon am Quai und Schweizerhof. Hier geht’s zu unseren Programm-Highlights.

6. … für die freundlichste und kompetenteste Backstagebetreuung nördlich der Alpen. Sicher mit ein Grund, wieso viele Musiker wieder kommen.

7. … für scheinbar unerschöpflich lustige Witze über den Namen Blue Balls. («Hihi, Blue Balls, weisst du, was das heisst?» «Ja, verdammt!»)

8. … für den Hashtag #BlueBalls, unter dem man alles findet, was man nicht sehen möchte. Nur keine Konzertbilder.

Aufbau für das Blue Balls vor dem Pavillon.

Aufbau für das Blue Balls vor dem Pavillon.

(Bild: Emanuel Ammon/AURA)

9. … für die Erkenntnis, dass man das holländische Bier im grünen Gewand eben doch in rauen Mengen trinken kann, wenn man muss. Aber leider mit Folgen. (Aber wer will sich schon mit Aperol Spritz betrinken?)

10. … dass ihr den angrenzenden Kebabständen einen Rekordumsatz an Eichhof-Büchsenbier beschert.

11. … für die Musik!

12. … dass man neben dem ganzen Volksfest auch die Nische nicht vergisst: Auf der «Young Talent Stage» bei der Seebar trumpfen Schweizer Jazzstudenten auf.

13. … dass man neben dem ganzen Volksfest die Strassenmusik nicht vergisst: Wie sie da inmitten einer Menschentraube sitzen, die singenden Johns und Jamies dieser Musikwelt, und dem Flaneur ein lässiges Mitwippen entlocken.

Zum Greifen nah: Musiker am Blue Balls vor dem KKL.

Zum Greifen nah: Musiker am Blue Balls vor dem KKL.

(Bild: Emanuel Ammon/AURA)

14. … speziell für einige Erlebnisse im heiligen Weissen Saal, der nicht für Popkonzerte gebaut wurde. Etwa beim Engländer Badly Drawn Boy 2007. Dieser kleine Kauz mit Wollmütze hatte eine unmögliche Situation vor sich: einen halbleeren Saal, zudem ein zu grossen Teilen ahnungsloses Sponsoren-Publikum und offensichtlich eine schlechte Laune. Aber er schaffte es mit seinem unterkühlten Charme, uns um den Finger zu wickeln, dieser Schelm!

15. … für all die Entdeckungen. «Ich hab ihn halt 2014 ganz intim im Luzerner Saal erlebt», kann man all jenen zurufen, die sich über Ed Sheerans Auftritt in «Game of Thrones» ereifern.

16. … für die Verwandlung der nüchternen Multifunktionshalle Luzerner Saal in einen ansehnlichen Konzertraum.

17. … für viel zu lange, viel zu heisse Nächte im Saal des Hotels Schweizerhof, bei denen man oft gar nicht mehr genau weiss, wer da eigentlich spielt. Einmal stürzte zu später Stunde ein grosses Stück der Deckenstuckatur herunter. Es kam niemand zu Schaden. Und wer damals für den auslösenden Bass verantwortlich war, entzieht sich der Kenntnis.

Ort für lange Nächte während des Blue Balls: der Schweizerhof.

Ort für lange Nächte während des Blue Balls: der Schweizerhof.

(Bild: Emanuel Ammon/Aura)

18. … für hervorragende, herzzerreissende, schwindelerregende, groovende und rockende Konzerte im KKL – die schlechten hat man verdrängt.

19. … zum Beispiel die fantastische Ala.ni, «la chanteuse mystère», die letztes Jahr am Blue Balls ihr Schweizer Debüt spielte und verzauberte.

20. … etwa für Antony and the Johnsons 2009! (Und 2012 beinahe noch einmal … aber dann hatte Sänger Antony Hergarty etwas Schlechtes gegessen und musste kurzfristig absagen.)

21. … zum Beispiel für Goldfrapp 2014, die das Unmögliche schafften und aus dem klassischen bestuhlten Konzertsaal so etwas wie eine Disco veranstalteten.

22. … oder für Laura Mvula, die 2013 Blue-Balls-Face war und letztes Jahr für ein fantastisches Konzert zurückkehrte (zentralplus berichtete).

23. … oh, und natürlich auch für die entzückend-schräge Sängerin an der Harfe, Joanna Newsom 2011! Die Kalifornierin fand Luzern «surreal schön» – das Luzerner Publikum ihre Musik ebenso. Auch wenn ihr eine Harfensaite riss und kein Ersatz aufzutreiben war. Und obwohl sie sichtlich genervt war ob des Klickens der Fotoapparate.

24. … oder für so unterschiedliche Stimmen von Grössen wie Damien Rice, Erykah Badu, Michael Kiwanuka, Taj Mahal oder The Kills.

25. … kurzum für diese ansehnliche Hall of Fame: Air, Angus & Julia Stone, Alt-J, Antony and the Johnsons, Apocalyptica, Aloe Blacc, Archive, B.B. King, Ben Harper, Benjamin Clementine, Billy Idol, Buddy Guy, Corinne Bailey Rea, Curtis Harding, David Gray, Damien Rice, Ed Sheeran, Elvis Costello, Erykah Badu, Everlast, Faithless, Gary Clark Jr., Gary Moore, Goldfrapp, Herbie Hancock, Hot Chip, Ibeyi, Iggy & the Stooges, James Bay, Jamie Cullum, James Blunt, James Morrison, Jamie Lidell, Joss Stone, Joe Bonamassa, John Legend, Jonny Lang, John Butler Trio, Kaiser Chiefs, Katie Melua, Keb’ Mo’, Kwabs, Laura Mvula, Macy Gray, Melody Gardot, Mando Diao, Michael Kiwanuka, Milky Chance, Morcheeba, Paloma Faith, Paolo Nutini, Passenger, Peter Doherty, Regina Spector, Robert Plant, Rhodes, Rita Ora, Rodrigo y Gabriela, Roisin Murphy, Seal, Söhne Mannheims, Sohn, Skunk Anansie, Shaggy, Shura, Sinéad O’Connor, Steven Wilson, Stray Cats, Travis, The Corrs, The Kills, The Roots, Tracy Chapman, Van Morrison, Zucchero …

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