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Hier wartet in Luzern der rettende Schatten
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Auf die Stufe setzen und den Schatten geniessen: Brunnen in der Pfistergasse. (Bild: jwy )

Wo man in der Innenstadt der Sonne entflieht Hier wartet in Luzern der rettende Schatten

5 min Lesezeit 24.06.2019, 18:01 Uhr

Immer schön dem Schatten nach: Wenn sich diese Woche der Beton der Stadt ins Unerträgliche aufheizt, sind die kühlen Plätzchen Gold wert. Eine Tour durch kühle Gassen, über schattige Treppen und moosige Pfade.

Die Stadt Luzern ist mit Gewässern, Brunnen und bewaldeten Kuppen gesegnet – dort kann man der Hitze leicht entfliehen. Aber wie sieht es in der dicht bebauten Innenstadt aus, wenn ich kurz für ein Sandwich oder einen Spaziergang raus will? Wo sind die angenehmen, schattigen, luftigen und kühlen Orte inmitten der aufgeheizten Betonwüste?

Erträgliche städtische Aussenräume werden angesichts der Klimakrise immer dringlicher. Doch schien man in den vergangenen Jahrhunderten eher ein Händchen fürs erträgliche Stadtklima zu haben als heute. Die schattigen Nischen und Flecken findet man zum Beispiel im Bruchquartier, zwischen den Blockrand-Bauten der Neustadt und den engen Gassen der Altstadt. Eher jedenfalls als in der weitläufigen, neuen Tribschenstadt, deren Fassaden in der Hitze glühen.

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Schattige Steinenstrasse

Der Löwenplatz mit seinen Touristenhorden und dem Car-Wirrwarr flimmert in der Sonne – zum Glück ist hier die Steinenstrasse ganz nah. In der charmanten Strasse parallel zum Verkehrsnadelöhr Zürichstrasse geht’s gemächlich zu und her. Und vor allem schattig.

Die Steinenstrasse wartet auch mit einem herrlich schattigen Pärklein auf.

Die Steinenstrasse wartet auch mit einem herrlich schattigen Pärklein auf.

(Bild: jwy)

Fast zuoberst gibt’s den herrlich düsteren Spielplatz mit Kletterburg und Spielplatz. Oder aber ziemlich in der Mitte der Strasse geht links die Steintreppe unter einem Tor durch – das ist der Zugang zum Restaurant Casa Tolone. Hinter den Häusern erscheint die nackte Felswand. Hier ist es auf einen Schlag einige Grad kühler. Also setzen wir uns für ein Päuschen auf die Treppe.

Weil der Hitzekollaps noch nicht droht, steigen wir noch weiter den Berg hoch (alternativ gibt’s den 9er-Bus bis «Bramberg») und retten uns in den dortigen Wettsteinpark. Dort hat’s alles, was das Sommerherz begehrt: mächtige Mammutbäume, Pingpongtisch und oft eine leichtes Lüftchen.

Das rettende Tor in den kühlen Schatten gibt's in der Steinenstrasse.

Das rettende Tor in den kühlen Schatten gibt’s in der Steinenstrasse.

(Bild: jwy)

Rein in die Gassen

Auch im Gassengewirr der Altstadt können wir uns prima vor der Sonne verstecken. Kühlung finden wir etwa bei – oder noch besser in – der Matthäuskirche. Neben oder hinter dem reformierten Gotteshaus gibt’s, je nach Sonnenstand, fast immer etwas barmherzigen Schatten.

Wir wollen uns noch tiefer vor der alles zermürbenden Helligkeit drücken, und schreiten in die Gassen – egal ob Furren-, Paradies- oder Eisengasse: Die kleinen Altstadtschluchten halten selbst in der Mittagszeit die Sonne fern. Die Eisengasse bietet sich an, weil sie mit dem Hinterhofcharme und den nachtaktiven Beizen nur schon gedanklich einen Gang runterschalten lässt.

Vis-à-vis des Hardrockschuppens Downtown steht der Schlosserbrunnen, der mit beeindruckend verschnörkeltem Metallwerk zu prahlen vermag. Eine gute, zentrale und kühle Altstadtecke.

Garantiert sonnenfrei: Brunnen in der Eisengasse in der Altstadt.

Garantiert sonnenfrei: Brunnen in der Eisengasse in der Altstadt.

(Bild: jwy)

Zwischenhalt Pfistergasse

Die Plätze am Wasser lassen wir links liegen, da ist ja schliesslich jede und jeder. Wir wechseln auf die andere Reussseite und nehmen dafür die Schatten spendende Spreuerbrücke. Am anderen Ufer angekommen, bietet sich die Pfistergasse in der Kleinstadt für ein Durchatmen.

Beim Zughausbrunnen, der gleich noch zu einem erfrischenden Schluck einlädt, setzen wir uns auf die steinerne Stufe und lassen das sommerliche Luzern vor den Augen passieren. Von der Reuss her luftet es – das Risiko, auf dem einen oder andere Tourifoto zu landen, nehmen wir gechillt in Kauf.

Unter mächtigen Bäumen

Wir haben die Sonnenhölle Kasernenplatz gefahrlos passiert und erreichen das wohltuend schattige Bruchquartier, das mit seinen dicht gebauten fünf- und sechsgeschossigen Häusern aus dem 19. Jahrhundert nicht nur Grossstadtflair verbreitet, sondern im Sommer eine Wohltat ist.

Da ist die von einer Baumallee gesäumte Bruchstrasse, da ist die schattige Vonmattstrasse – aber am besten ist der Grünraum in der Schulhausanlage Säli/Dula. Unter den mächtigen Bäumen hat’s Holztische und Bänke. Perfekt für ein Zmittag ohne Sonnenstich.

Wer noch Energie hat, erreicht via Säli- und Berglistrasse den Eingang der Zivilschutzanlage Sonnenberg – aber Achtung, es geht bergauf. Auch im Berg drinnen wär’s natürlich angenehm, aber schon der dortige Park um den Eingang ist wunderbar kühl.

Ein Zmittag am Schatten: Beim Säli-Schulhaus lässt sich trotz Hitzewelle verweilen.

Ein Zmittag am Schatten: Beim Säli-Schulhaus lässt sich trotz Hitzewelle verweilen.

(Bild: jwy)

Der kühlste Spazierweg

Auch das Bleichergärtli, lange als schummriger Park verschrien, lädt zu einer Abkühlung. Momentan kommt der Schatten vor allem den dortigen Bauarbeitern zugute, denn das Plätzchen wird im Zuge der bald fertigen Himmelrich-Siedlung neu gestaltet. Aber danach wird seine Bedeutung als Schattenspender am Rande des Neustadtquartiers markant zunehmen. Es muss ja nicht immer das überfüllte Helvetia-Gärtli sein.

Wir passieren schliesslich noch die schrecklich exponierte Langensandbrücke und das tödlich heisse Tribschen-Quartier – werden aber belohnt. Nicht mit der Ufschötti, auch nicht mit der Tribschen-Badi, sondern dem kühlsten Spazierweg in Luzern.

Hier bleibt's immer frisch: der Tribschenmoosweg Richtung Wagner-Museum.

Hier bleibt’s immer frisch: der Tribschenmoosweg Richtung Wagner-Museum.

(Bild: jwy)

Der Tribschenmoosweg führt vom Segelhafen zum Richard-Wagner-Museum. Und Moos tönt gut, weil kühl und feucht. Und tatsächlich geht’s entlang von einem immerfeuchten Sandsteinfelsen, schön beschattet von allerlei Grünzeugs und hohen Bäumen.

Die Gegend ist ein Naturdenkmal und in der Gefahrenkarte vermerkt wegen Steinschlags (zentralplus berichtete). Aber die Gefahr kann uns mal, hier bleiben wir – und keine 38 Grad bringen uns wieder weg.

Und zum Schluss noch dies: Wie man mit Stadtgestaltung jeden Schattenfreund in die Flucht schlägt. Gesehen bei der Emmi-Überbauung auf Tribschen: 😅

Das schlägt jeden Schattenfreund in die Flucht: Moderne Stadtgestaltung im Gebiet Tribschen.

Das schlägt jeden Schattenfreund in die Flucht: Moderne Stadtgestaltung im Gebiet Tribschen.

(Bild: jwy)

Verhaltenstipps während der Hitzewelle

Für die nächsten Tage werden in der Schweiz Temperaturen bis 39 Grad erwartet. Für Luzern hat Meteoschweiz eine Hitzewarnung der Stufe 3 (von 5) herausgegeben. In der Nacht auf Mittwoch wird die erste Tropennacht erwartet, wenn die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt.

Die Hitzewelle dauert voraussichtlich bis Sonntag an. Für gewisse Personen stellen solch hohe Temperaturen, verbunden mit hoher Luftfeuchtigkeit, ein Gesundheitsrisiko dar, warnt das Bundesamt für Gesundheit.

MeteoSchweiz rät, körperliche Anstrengungen während der heissesten Tageszeit zu unterlassen, Wohnung und Körper kühl zu halten, viel Wasser zu trinken, erfrischende Speisen zu sich zu nehmen und den Salzverlust auszugleichen.

Bei erhöhtem Puls, Schwäche, Kopfweh, Verwirrtheit, Schwindel, Übelkeit oder Durchfall ist Handeln angesagt: Sich hinlegen, den Körper abkühlen und frisches Wasser trinken.

Der Sprung in die Reuss ist nur guten Schwimmern zu empfehlen, weil die Strömung noch stark ist und das Wasser mit gut 18 Grad relativ kalt (zentralplus berichtete).

Und jetzt Sie: Verraten Sie uns Ihr schattiges Geheimplätzchen in Luzern?

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