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Hier lässt sich der Hunger nach Mitternacht noch stillen
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(K)ein Ding der Unmöglichkeit in der Stadt Luzern Hier lässt sich der Hunger nach Mitternacht noch stillen

4 min Lesezeit 27.04.2019, 17:34 Uhr

Manchmal wird man vom Mitternachtshunger geplagt, doch in den meisten Stadtluzerner Restaurants treffen Hungrige auf geschlossene Küchen. Nachteulen, Beizengänger, immerhungrige und nimmermüde Luzerner können zwar dennoch eine Schlummer-Pasta finden – gewusst wo.

Der Magen knurrt und nach den ersten Feierabendbierchen wäre es gar nicht mal so verkehrt, zwischendurch etwas Vernünftiges zu essen. Denkt man sich. Nur in Luzern ist das spätabends kein leichtes Unterfangen.

Ein Blick auf die Speisekarten, ein Spaziergang spätabends in die hiesigen Restaurants – und immer dieselbe Antwort: Die meisten Stadtluzerner Restaurants bieten warme Speisen bis 22 Uhr, spätestens 23 Uhr an. Die Küche hat geschlossen, lautet der Tenor.

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Keine Nachfrage, heisst es

Direkt beim Luzerner Bahnhof ist das Restaurant Red. Obwohl hier auch nach Anbruch der Dunkelheit Konzertbesucher und Touristen umherströmen, gibt’s nur bis 23 Uhr warme Speisen. «Bis jetzt war die Nachfrage nicht da», sagt Raffaela Brunner von der Medienstelle. Nur sehr wenige Gäste würden spätabends nach Essen fragen. Lediglich das World Café habe für Konzertbesucher bis eine Stunde nach Konzertschluss geöffnet.

Traditionell wird zwischen 18 und 20 Uhr gegessen

Da alles eine Frage des Angebots und der Nachfrage ist, sagt auch Patrick Grinschgl, der Präsident von Gastro Region Luzern: «Für einen richtiges Znacht oder einen Dreigänger nach 22 Uhr abends ist die Nachfrage generell zu klein.» In der Schweiz werde das Abendessen traditionell zwischen 18 Uhr und 20 Uhr gegessen. Und nicht etwa wie in Spanien nach 10 Uhr abends. Wenn jemand vom Ausgangshunger geplagt werde, könne er auf Burger und Pizza zurückgreifen, so Grinschgl. «Es ist ja nicht so, dass man in unserer Stadt verhungert.»

Auch auf Seiten des Tourismus ist man mit dem Angebot zufrieden. «Luzern weist im Verhältnis zu vielen vergleichbaren Kleinstädten ein sehr vielfältiges internationales Gastro-Angebot aus», sagt Marcel Perren. Der Luzerner Tourismusdirektor ist überzeugt: «Dies wird von unseren vielen internationalen Gästen sehr geschätzt und ist wichtiger, als allfällige Öffnungszeiten bis Mitternacht.» In den letzten ahren hätte man keine kritischen Rückmeldungen erhalten, dass sich Touristen darüber beklagten, dass in Luzern das kulinarische Angebot zum Erlingen käme.

Zudem braucht es nicht nur hungrige Gäste – sondern auch Köche, fügt Patrick Grinschgl an. Gerade für kleine Restaurants mit bis zu zwei Köchen sei es schlichtweg nicht machbar, auch nach 22 Uhr abends noch zu kochen. Denn wenn man eine Mittags- und Abendkarte anbietet, so sind die Köche bereits gute neun Stunden beschäftigt. Wer folglich einen Mitternachtssnack offerieren möchte, muss sein Personal entsprechend aufstocken.

Wo kann man denn noch essen?

Also doch in die Dönerbude um die Ecke oder den amerikanischen Fast-Food-Riesen aufsuchen? Mahnt der Gaumen doch vor den fetttriefenden Pommes.

Eines der wenigen Orte, wo warme Speisen nach Mitternacht aufgetischt werden, ist das Grand Casino Luzern. Im Hause finden sich unter einem Dach Nachtclub und Casino. Für Tanzwütige und Gambler sind so auch Schlummerpasta und Snacks nicht weit. Das Restaurant Olivo schliesst seine Küche zwar ebenfalls bereits um 22.30 Uhr. In den drei Hausbars finden sich jedoch nicht nur Cocktails auf den Karten, sondern auch kalte und warme Snacks wie Focaccia, Chicken-Sandwich, Penne all’arrabbiata und selbst Älplermagronen und Chnoblibrot.

«Wir verstehen unser Speiseangebot als Must-have für eine gute Bar.»

Philipp Albrecht, Marketingleiter Grand Casino Luzern

In der Cocktailbar sind Pasta & Co. bis 3 Uhr morgens bestellbar, an der Grand-Jeu- und der Jackpot-Bar an den Wochenenden sogar bis halb 5 Uhr morgens. Das Angebot treffe auf Anklang, werde rege genutzt, sagt Philipp Albrecht, Marketingleiter des Grand Casino Luzern. Darauf verzichtet werde nicht mehr: «Wir verstehen unser Speiseangebot als Must-have für eine gute Bar», so Albrecht.

… nach durchzechten Tanznächten

Ein Lokal, das auf den Nachtverkauf schwört, ist die «Suter’s Meile Bäckerei». In den sieben Jahren, in denen Madeleine Suter die Bäckerei an der Kasimir-Pfyffer-Strasse führt, werden auch spätabends noch Calzone und Wienerli im Blätterteig über die Take-away-Theke gereicht.

In der Nacht auf Samstag ist dies bis 5 Uhr morgens der Fall, von Samstag auf Sonntag gar bis halb 7 Uhr. Laut den anderen Gastronomiebetrieben dürfte sich das nur wenig lohnen, sei die Nachfrage doch gering. Zudem müssen Angestellte, die nachts arbeiten, höher entlohnt werden. Der Nachtverkauf ist für Madeleine Suter jedoch äusserst lukrativ: «In einer Nacht bedienen wir zwischen 150 bis 250 Kunden», so die Inhaberin.

Doch nicht nur Partygäste kommen zum «Suter’s», sondern die Polizei, Feuerwehr, Ärzte – eben all die, die nachts arbeiten müssen. «Viele kaufen beispielsweise auch nach einem Theaterbesuch spätabends ihren Zmorgenzopf bei uns», erzählt Madeleine Suter. Auch wenn Feiernde die Bäckerei aufsuchen, die zum Teil ein Glas zu viel getrunken hätten, gebe es nur sehr wenige Zwischenfälle. «Die Leute sind froh und dankbar, wenn sie spätabends noch etwas zu essen kriegen.»

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