Hey Nachtschwärmer, so viel besser wird deine Heimreise
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Das Nachtnetz im Raum Luzern wird angepasst. (Bild: VVL/Michael Kunz)

Luzern erhält ein neues ÖV-Nachtnetz Hey Nachtschwärmer, so viel besser wird deine Heimreise

4 min Lesezeit 14.10.2020, 20:00 Uhr

Das Angebot an Nachtbussen ist in Luzern unattraktiv, unübersichtlich und teuer. Das soll sich Ende 2021 ändern. Reisen in der Nacht soll vor allem eines werden: günstiger.

ÖV-Nachtnetze gibt es im Raum Luzern zwar schon seit Jahren, doch nun sollen diese ordentlich aufgewertet werden (zentralplus berichtete). Wir sagen, was der Verkehrsverbund Luzern (VVL) vorhat und wie das geplante Nachtnetz 2022 aussieht.

1. Qual der Wahl: Nachtstern, Pyjama-Express & Co.

An Angeboten mangelt es nicht: Heute werden in der Region in und um Luzern mehrere Nachtnetze parallel betrieben.

  • Das älteste Netz, der Nachtstern, existiert seit 2006. Zwölf Buslinien von VBL, Auto AG Rothenburg, Rottal Auto AG und Postauto fahren Freitag- und Samstagnacht sowie an Spezialanlässen. Auf den meisten Linien sind sie dreimal pro Nacht unterwegs und starten sternförmig ab dem Bahnhofplatz Luzern. Unter anderem gehts via Sarnen nach Lungern und via Vitznau nach Schwyz.
  • Der Seetaler Nachtbus, bekannt als Pyjama-Express, stellt seit 2011 die nächtliche Verbindung ins Seetal sicher.
  • Der Nachtzug Luzern–Zug–Zürich erfreut sich grosser Beliebtheit, er löste das frühere Busangebot Nightbird ab.
  • Dann sind da noch private Angebote, wie der Vegas-Club Shuttlebus in Luzern. Hier fahren die VBL im Auftrag des Clubs. Das Angebot wird vom «Vegas» finanziert und wird den Gästen dabei gratis zur Verfügung stellt.

2. Das Problem: Wildwuchs bei Angebot und Tarifen

Obwohl sich die Angebote teilweise überschneiden, gelten auf den verschiedenen Nachtnetzen extrem unterschiedliche Spezialtarife. Beim Nachtstern bestehen beispielsweise zwei Tarifzonen (7 und 10 Franken), bei der Bahn gilt hingegen der Einheitsnachtzuschlag von 5 Franken. Letzterer wird bereits Ende 2020 abgeschafft (zentralplus berichtete).

Die unterschiedlichen Tarifsysteme führen dazu, dass gewisse Strecken sehr teuer, andere gar günstiger sind als am Tag. Dies umso mehr, da heute teilweise weder das Halbtax- noch andere Abos gelten. Auch Tickets-Apps kommen derzeit kaum zum Einsatz.

3. Die Folge: Abnehmende Nachfrage

Das teure und unübersichtliche Angebot schlägt sich in den Nutzerzahlen nieder. Diese zeigen, dass der einstige Glanz des Nachtnetzangebots in der Region Luzern bröckelt. Aktuell nimmt die Zahl der Nachtsternpassagiere laufend ab: von 128’056 im Jahr 2012 auf 101’663 im Jahr 2017. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Seetaler Nachtbus (von 7009 im Jahr 2012 auf 4982 im Jahr 2017).

Kommt hinzu, dass die Qualität des Angebots von den Kunden in der Nacht als «unterdurchschnittlich» wahrgenommen wird, wie im vorliegenden Bericht zu lesen ist.

4. Die Lösung: Das Angebot vereinheitlichen

Die Nachfrage sinkt demnach, «obwohl gleichzeitig die Mobilität der Gesellschaft, die sich zunehmend flexibel und rund um die Uhr bewegt, zunimmt», stellt der VVL in seinem Bericht fest. Die Lösung des Problems sieht der Verbund in zwei Schritten: Angebot bündeln und Preise normalisieren.

Konkret: Die heutigen Nachtnetze werden zusammengespannt. Den Lead hat der VVL. Dieser koordiniert künftig für Luzern, Nid- und Obwalden das Angebot des neuen ÖV-Nachtnetzes.

5. Das Ende der Spezialtarife: nachts reisen wie am Tag

Am meisten spüren wird man die Änderungen im eigenen Portemonnaie: Mit dem Nachtangebot 2022 soll künftig der gleiche Tarif wie beim Tagnetz gelten – also ohne Nachtzuschlag. Zudem sind künftig alle Abonnemente (Halbtax, GA, Seven25-Abo, Passepartout, etc.) nachts gültig.

Auf den Nachtzuschlag soll gemäss VVL aus folgendem Grund verzichtet werden: Weil schweizweit auf den Einheitszuschlag (5 Franken) verzichtet wird. Man müsste ansonsten aufwendig ein neues Zuschlagssystem entwickeln, was wiederum an der Attraktivität des Angebots kratzen würde.

6. Nächste Schritte: Was jetzt noch alles passieren muss

Die für Nachtschwärmer erfreulichen Änderungen sind noch nicht in Stein gemeisselt. Bis am 11. Dezember 2020 befindet sich der VVL-Vorschlag in der Vernehmlassung. Ende April soll definitiv darüber entschieden werden.

Gemäss heutigem Zeitplan finden die Vernehmlassung für den Fahrplan 2022 (inklusive der Nachtlinien) im Mai/Juni 2021 statt. Läuft alles nach Plan, wird das neue Nachtnetz am 17. Dezember 2021 in Betrieb genommen.

7. Das grosse Fragezeichen: Corona und die Zukunft des Ausgehens

Hinter all diesen Plänen steht aber ein gewaltiges Fragezeichen. Die Zukunft des Nachtlebens ist aufgrund der Coronapandemie alles andere als klar. Dieser Umstand fand auch Eingang in den Konzeptbericht. Darin geht der VVL zwar davon aus, dass das Nachtleben zum Start des neuen Nachtangebots Ende 2021 wieder im früheren Umfang stattfinden wird.

Andererseits schreibt der Verbund: «Allerdings ist es möglich, dass einerseits das Nachtleben nicht mehr den bisherigen Stellenwert erhält und dass andererseits aufgrund einer Finanzierungslücke das neue Nachtangebot nicht im vorgesehenen Umfang finanziert werden kann.»

Am Ende der Spezialtarife soll zwar auch dann festgehalten werden, «allerdings könnte sich zum Start Ende 2021 ein reduziertes Angebot aufdrängen», heisst es im Bericht. Der VVL hofft, spätestens im Frühjahr 2021 eine verlässlichere Prognose über die finanziellen Möglichkeiten sowie den weiteren Verlauf der pandemischen Situation machen zu können.

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