Hexe 2.0
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Birgit Steiner sieht eigentlich nicht so aus, wie man sich eine Hexe vorstellt. (Bild: zvg)

Mit Zaubersprüchen und weissem Hund Hexe 2.0

4 min Lesezeit 22.08.2015, 05:00 Uhr

Eine Wiener Hexe bildet künftig auch in Luzern Hexenschülerinnen aus. zentral+ wollte das genauer prüfen und hat die Hexe getroffen. Eine Frau, die weiss, wie man polarisiert. Und auch wie man altes Wissen nutzt.

Birgit Steiner ist eine Hexe. Und jetzt bitte keine Ausrufe. Die 32-Jährige sagt das auch selbst über sich.

Doch trifft man die quirlige Österreicherin, ist auf den ersten, auch auf den zweiten Blick nichts davon zu entdecken. Erst wenn sie über Tarot, Räuchern und ihr Buch der Schatten spricht, wird klar: Diese Frau bedient sich in ihrem Alltag nicht nur der Kräuterkunde.

Von der Grossmutter gelernt

Steiner kommt sofort auf ihre Grossmutter zu sprechen, wenn es um die Magie und das Brauchtum geht, das sie lehrt. Und das tut sie bald auch in Luzern.

Mit 18 Jahren hat Steiner in Wien angefangen Tarot zu legen. «Ich bin vom Land in die Stadt gezogen und habe ein Inserat geschaltet.» So hat alles begonnen, beziehungsweise die Arbeit. Für die «Hexerei» interessierte sich Steiner schon von Kind an. Durch ihre Mutter und Grossmutter lernte sie mit Kräutern und Hausmitteln umzugehen. Und mit Tarot.

Chihuahua statt Katze

Steiner glaubt an Gott, auf jeden Fall an eine höhere Macht. «Aber ich glaube nicht an die Kirche», betont sie. Ausserdem praktiziert sie buddhistische Rituale und bedient sich diverser alter heidnischer Bräuche. Eine buddhistisch-christliche Hexe also. Mit den Klischees spielt sie offensichtlich gerne. Ein weisser Chihuahua statt einer schwarzen Katze ist ihr Begleiter. Und die roten Haare, die sie früher trug, hat sie nicht mehr. «Aber Henna ist schnell gekauft», sagt Steiner mit einem Zwinkern.

«Es geht bei der Hexerei nicht um Erleuchtung, um Gottes Willen, nein. Es geht darum, in alten Traditionen und spirituellen Bräuchen Werkzeuge zu finden, welcher man sich bedienen kann.» Und das könne eigentlich jeder lernen. Kräuterlehre, Räuchern, Zaubersprüche, Störzeichen, Familienaufstellen oder Tarot.

«Henna ist schnell gekauft.»
Birgit Steiner, Hexe

«Magie-Beraterin 2.0» nennt sich ihr Lehrgang, der das alles verbindet. «Hexe ist als Ausdruck zu behaftet. Aber trotzdem gehört der Begriff dazu und er polarisiert. Was nicht schlecht ist.» 2.0 bedeutet digital: «In der heutigen Zeit kann man sich durch Skype und E-Mail einiges erleichtern.» Karten legen per Skype wird zum Beispiel möglich. Im Fernsehen Tarot legen würde sie jedoch nicht. «Da wird die Privatsphäre der Leute nur breitgetreten. Und es ist auch nicht mehr persönlich.»

Keine Männer

Ihren Hexenschülerinnen vermittelt Steiner auch eigene Kunden. Gerade beim Tarot sei das wichtig. «Sie lernen dadurch viel mehr und meinen Kunden bringt es auch etwas.» Es koste am Anfang weniger und es bringe eine neue Sichtweise. «Wenn ich jemandem seit zehn Jahren die Karten lege, braucht der nur die Nase zu rümpfen und ich weiss, was los ist. Das ist dann aber nicht mehr objektiv.»

Männer bildet Steiner keine aus. «Frauen haben einfach eine andere Energie.» Aber sie schliesse nicht aus, dass sie in Zukunft auch mal wieder mit Männern arbeiten würde. «Aber jetzt grad macht’s einfach mehr Spass mit den Mädels.»

Auf sich achten

Hat sie schon mal jemanden verhext, der sie geärgert hat? Steiner lacht. «Wenn dich jemand mit einer Aussage verärgert oder verletzt, dann solltest du vielleicht bei dir selbst genauer hinsehen. Denn das geht nur, wenn es dich trifft, wenn es dich betrifft.»

Leute, die mit der Vorstellung zu ihr kommen, sie seien veflucht, sagt sie etwas ähnliches. «Schau erstmal bei dir selbst hin. Das sind doch meist Ausreden, mit welchen man sich in eine Opferrolle flüchtet. Aber jeder ist für sich selbst verantwortlich.» Auch Frauen, die ihre Männer durch Hexerei wiedergewinnen möchten, kommen oft zu ihr. «Da geht es dann meist um eine psychologische Ebene und nicht wirklich darum, den Mann zurückzubekommen.»

«Jede Hexe hat ihr Buch der Schatten.»

Man müsse mehr auf sich selbst hören, auf den eigenen Körper und Geist. «Ich hatte auch mal ein Burnout. Ich weiss genau, wie es ist, wenn man sich selbst vernachlässigt und nicht auf Signale des Körpers achtet. Das haben in unserer Gesellschaft viele verlernt.» Deshalb sei es wichtig, dass Wissen über die Generationen weitergegeben werde.

Das Buch der Schatten

«Jede Hexe hat ihr Buch der Schatten. Darin sammelt sie ihr Wissen», erklärt Steiner, die sogar zwei besitzt. Ihr eigenes und das ihrer vestorbenen Mentorin, die viele Jahre in Indien als Heilerin lebte. Ihres ist blau mit goldener Schrift – «ziemlich kitschig ich weiss». Ein Buch voller alter Rezepte und Zaubersprüche. Das «Buch der Schatten» – eine Bezeichnung, die vielen Kindern der 90er ein Begriff sein wird. Die Serie «Charmed», in welcher drei Hexen-Schwestern gegen Dämonen kämpfen, hat sich auch Steiner früher angeschaut. «Ich kämpfe zwar nicht gegen Dämonen, aber gegen schlechte Energien», sagt sie und lacht. Und dabei benutzt sie ganz einfache Hilfsmittel. Salz, Salbei, Weihrauch zum Beispiel, um einen Raum zu reinigen.

Magie-Beraterin 2.0

Die Ausbildung zur Magie-Beraterin bei Birgit Steiner dauert 15 Monate. Die Kosten betragen 349 Franken pro Monat.

«Ich bin bereits 34 Mal in meinem Leben umgezogen – langsam weiss ich, wie’s geht», lacht Steiner. Salz in die Ecken, um dem Zimmer schlechte Energie zu entziehen, dann Salbei und anschliessend Weihrauch zum Ausräuchern.

Aber auch in ihrem Alltag benutzt sie ihr Kräuterwissen.«Ich stelle meine Cremes und auch andere Produkte selbst her. Meine Küche ist voller Kräuter.» Doch sie benutze die Pflanzen nicht einfach so. Denn etwas zu erhalten, oder sich etwas nehmen zu können, sei nie selbstverständlich. «Wenn ich eine Blume abreisse, dann bitte ich immer zuerst darum.»

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