«Heutige Zythus-Anlage ist keine Visitenkarte für die Gemeinde»
  • Regionales Leben
  • Politik
Muss an einem Strang ziehen, um die Bevölkerung zu überzeugen: Der Hünenberger Gemeinderat um Renate Huwyler (von links), Thomas Anderegg, Gemeindeschreiber Guido Wetli, Claudia Benninger, Hubert Schuler und Dany Gygli. (Bild: Andreas Busslinger)

So verteidigt Hünenberger Gemeinderat seine Pläne «Heutige Zythus-Anlage ist keine Visitenkarte für die Gemeinde»

6 min Lesezeit 1 Kommentar 09.12.2019, 16:55 Uhr

Die Kritik an den Plänen für das Zythusareal in Hünenberg reisst nicht ab, zahlreiche Interpellationen wurden eingereicht. In den Antworten versucht der Gemeinderat den Spagat zwischen Beschwichtigung und Verteidigung. Und erklärt das Ökihof-Dilemma.

Wenn am Montagabend der Hünenberger Gemeinderat im Saal «Heinrich von Hünenberg» vor der Gemeindeversammlung Platz nimmt, wird er dies wohl mit einem mulmigen Gefühl tun. Denn auf der Traktandenliste stehen gleich sechs Interpellationen, die das Zythusareal und dessen umstrittenen Baupläne betreffen (siehe Box). Der Gemeinderat um Gemeindepräsidentin Renate Huwyler (CVP) und Bauvorsteher Thomas Anderegg (CVP) hat die Interpellationen bereits im Vorfeld schriftlich beantwortet. zentralplus hat die Kernaussagen zusammengefasst.

Obwohl die Zythus-Geschichte bereits zahlreiche Kapitel aufweist, ist die Verunsicherung insbesondere unter den betroffenen Bewohnern von Hünenberg See aufgrund der formulierten Fragen deutlich spürbar. Sie fragen sich, wer denn ihre Interessen vertritt – gegen «eine Grossüberbauung», wie es Robert Klauser und seine Mitunterzeichner in ihrer Interpellation nennen.

Die Gemeinderäte erwähnen dazu die laufende Ortsplanungsrevision, in der festgelegt wird, wo was wie hoch gebaut werden darf. Diese Revision soll «unter einem breit angelegten Einbezug der Bevölkerung» erfolgen. So soll auch die Entwicklung des Zythusareals Gegenstand des Austausches zwischen Bevölkerung und Planer sein.

Rede ist von «grundsätzlicher Zustimmung»

Der Gemeinderat weist in diesem Zusammenhang auf die drei öffentlichen Veranstaltungen hin. Die erste davon wird am 9. Mai über die Bühne gehen. «Zudem besteht im Rahmen der öffentlichen Auflage noch die Möglichkeit, Einwendungen zur Umzonung und auch einem allfälligen Bebauungsplan geltend zu machen», so der Gemeinderat weiter.

Er erinnert an den im September 2016 im Rahmen der Mitwirkung der Bevölkerung durchgeführten Workshop, an dem rund 120 Personen teilnahmen. Dabei habe er eine grundsätzliche Zustimmung zu einer Aufwertung des Zythusareals festgestellt, «auch wenn es Stimmen gab, die keine Veränderung an der heutigen Situation wünschten».

«Die Kapazität der Schulhäuser Kemmatten und Eichmatt reicht aus.»

Gemeinderat Hünenberg

Die lautesten dieser Stimmen waren unter anderem aus der IG Zythusareal zu vernehmen. Der Gemeinderat argumentiert, dass die IG die Chance gehabt hätte, die Bevölkerung gegenüber dem Kanton zu vertreten: Der Gemeinderat hatte sich bei der Baudirektion dafür eingesetzt, dass die IG im Wettbewerbsgremium hätte Einsitz nehmen können; doch haben die Motionäre dieses Angebot abgelehnt.

Die Frage nach dem Nutzen für die Anwohner

Der Gemeinderat scheint in seiner Stellungnahme bemüht, Antworten auf die immer wiederkehrende Frage zu liefern, was eine allfällige Überbauung der Bevölkerung von Hünenberg See nützen würde. Er verweist gebetsmühlenartig darauf, dass preiswerte Zwei- und Dreizimmerwohnungen entstehen sollen. Zudem ist die Rede von einem Begegnungsort als Treffpunkt, der in den Workshops gewünscht worden sei.

Zythusareal: Darüber wird gezankt

Der Kanton Zug als Grundeigentümer plant auf dem Zythusareal in Hünenberg See eine Überbauung. Das heute für einen Parkplatz und einen Ökihof genutzte Areal habe wegen seiner zentralen Lage grosses Potenzial für Wohnungen, Verkaufs- und Gewerbeflächen. Wie die Überbauung dereinst aussehen soll, ist noch offen, denn ein Richtprojekt liegt noch nicht vor. Dieses soll zu einem späteren Zeitpunkt in einem Wettbewerb ausgewählt werden.

Das Zythusareal liegt in der Zone des öffentlichen Interesses. Für eine Überbauung muss es umgezont werden. Die Umzonung soll mit der bevorstehenden Ortsplanungsrevision erfolgen und muss dem Hünenberger Stimmvolk zur Abstimmung vorgelegt werden. Dies gilt auch für den noch zu erarbeitenden Bebauungsplan.

Am 5. September 2018 wurde die Motion «Für eine massvolle Entwicklung des Zythus-Areals» eingereicht, die der Gemeinderat infolge Verstosses gegen den kantonalen Richtplan für ungültig erklärte (zentralplus berichtete). Die Beschwerde ist aktuell beim Verwaltungsgericht hängig.

Und: Der Gemeinderat habe beim Kanton den Wunsch nach öffentlichen Räumen mit viel Grün deponiert. Er sei bestrebt, See-Grundstücke von der Badi bis zum Bootsplatz zu erwerben und damit den Zugang zum See und einen Platz zum Verschnaufen und Erholen zu ermöglichen.

Neues Schulhaus «nicht nötig»

Es bestehen zahlreiche Ängste, gegen die die Kommunalpolitiker ankämpfen. So werden hohe Infrastruktur- und Folgekosten aufgrund der Bebauung befürchtet. Die Eichmattstrasse sei jedoch bereits für möglichen Mehrverkehr ausgelegt, der vom Zythusareal ausgehen könnte, so die beschwichtigenden Worte des Gemeinderats. Es seien auch keine neuen Schulhäuser nötig, denn, gestützt auf die Machbarkeitsstudien, die der Kanton in Auftrag gegeben habe, reiche die Kapazität der Schulhäuser Kemmatten und Eichmatt aus.

Auf die heutige Zythus-Anlage mit grossem Parkplatz und Ökihof angesprochen, findet der Gemeinderat deutliche Worte. Diese sei keine Visitenkarte der Gemeinde. Generell wird die Exekutive kritisch, wenn es um das Park+Ride-Areal geht. Obwohl einige Interpellanten die Nützlichkeit dieses Angebots herausstreichen, betont der Gemeinderat, dass die Auslastung der Anlage bloss genügend sei.

«Andere vergleichbare Parkplätze sind sicherlich besser ausgelastet. Die überwiegende Zahl der ÖV-Nutzerinnen kommt nicht mit dem Auto oder Velo, sondern zu Fuss zur Stadtbahn- und Bushaltestelle», schreibt er. Immerhin sei seit der Einführung des aktuellen Parkregimes mit den Monats- und Jahresparkkarten die Auslastung durch Langzeitmieter gestiegen.

Ökihof stösst an seine Grenzen

Anders sieht es beim Ökihof auf dem Zythusareal aus. Dieser sei zwar gut besucht – doch erfülle er die heutigen Anforderungen immer weniger. Die Kapazitätsgrenzen würden inzwischen dermassen überschritten, dass der Betrieb nur noch aufrechterhalten werden könne, weil täglich Teile des Sammelgutes in den zweiten Ökihof an der Zentrumstrasse überführt würden.

«Immer mehr Ökihof-Besucher sind Nicht-Hünenberger.»

Gemeinderat Hünenberg

Grund für die Überlastung ist nach Ansicht der Gemeinderäte, dass immer mehr Besucher Nicht-Hünenberger seien und entsprechend mit dem Auto kommen: «Gemäss einer Erhebung 2017 stammen rund 35 Prozent der Entsorger im Zythus nicht aus Hünenberg. 2012 waren es erst rund 20 Prozent.»

Die beiden Ökihöfe sollen bekanntlich durch einen zentralen im Gebiet Schlatt ersetzt werden – und zwar unabhängig von der Realisierung einer Überbauung auf dem Zythusareal. Dort soll eine Entsorgung in kleinerem Rahmen jedoch weiterhin möglich sein.

Bislang knapp 30’000 Franken Kosten für Gemeinde

Schliesslich nimmt der Gemeinderat Stellung dazu, wie hoch die bisherigen Planungskosten für das Zythusareal ausgefallen sind. Solche Kosten habe die Gemeinde bislang nicht tragen müssen, weil es sich um ein Projekt des Kantons handle, antwortet er.

Das Zythusareal heute mit dem Parkplatz und dem Ökihof rechts.

Die Kosten, welche der Gemeinde seit 2015 im Zusammenhang mit dem Areal angefallen sind, betragen exakt 28’085.95 Franken. «Dabei entfielen rund 16’000 Franken auf die Begleitung des Prozesses und der Workshops durch ein spezialisiertes Büro, rund 9’200 Franken auf die rechtliche und mediale Beratung sowie rund 2’300 Franken auf die drei Workshops», erklärt der Gemeinderat. In diesen Kosten sei der zeitliche Aufwand der Verwaltung und des Gemeinderats nicht berücksichtigt, weil die Gemeinde keine Kostenrechnung führe.

Man darf gespannt sein, ob sich die Gemeinderäte am Montagabend einer ähnlich hitzigen Diskussion stellen müssen wie am Informationsanlass vor gut einem Jahr oder ob die Interpellationsantworten die Wogen etwas zu glätten vermögen (zentralplus berichtete).

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

1 Kommentare
  1. Markus Zopfi, 10.12.2019, 11:35 Uhr

    Interessante Argumentation des Gemeinderates: „Die Kapazitätsgrenzen des Ökihofes würden dermassen überschritten, dass der Betrieb nur noch aufrechterhalten werden könne, weil täglich Teile des Sammelgutes in den zweiten Ökihof an der Zentrumstrasse überführt würden.“ Er ist also sehr beliebt und entspricht einem Bedürfnis der Anwohner. Logik der gewählten Gemeindevertreter: Was so gefragt ist, muss weg. Das nennt man dann wohl bürgernahe Problembeseitigung…

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.