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Heute braucht der harte Hund sanfte Hände
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Patrick Sutter arbeitet bei der Motus Physio AG. Als Spieler hat er genug Erfahrung mit Physiotherapie gesammelt. (Bild: sib )

Was macht eigentlich...EVZ-Legende Patrick Sutter? Heute braucht der harte Hund sanfte Hände

6 min Lesezeit 16.01.2018, 13:08 Uhr

Er war einer der ganz Grossen des Schweizer Eishockeys: zweimal Meister, zweimal Vierter an der WM und Olympia-Teilnehmer. Die Rede ist von Patrick Sutter. Die Schlittschuhe hat die EVZ-Legende längst an den Nagel gehängt. Trotzdem ist er beruflich Zug treu geblieben.

Herzlich begrüsst uns Patrick Sutter in den Räumlichkeiten von Motus Physio im Zuger Feldpark. Als Mitinhaber des Physiotherapiezentrums hat sich der mittlerweile 47-Jährige sein berufliches Standbein als medizinischer Masseur aufgebaut. Und mit Physiotherapie kennt sich Sutter seit seiner Aktivzeit bestens aus: Unter anderem ein Kreuzbandriss und eine Schulteroperation setzten ihn für längere Zeit ausser Gefecht. In der Reha lernte er seinen heutigen Geschäftspartner Roland Portengen kennen. Doch dazu später mehr.

Als Spieler war Patrick Sutter einer, dem man auf dem Eis lieber nicht begegnen wollte. Denn obwohl der Verteidiger mit der Rückennummer 5 «nur» 1,74 m misst, war er als harter Spieler bekannt, der dorthin ging, wo es wehtut. Doch dies hat ihn weit gebracht.

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Von Sissach direkt in die NLA

Aufgewachsen in Sissach, wagte er als 18-Jähriger den Schritt vom Erstligisten EHC Zunzgen-Sissach in die Nationalliga A zum EHC Olten. Dort reifte er zum gestandenen NLA-Verteidiger. Nach drei Saisons folgte der nächste Schritt: der Wechsel zum damals noch «Grande Lugano» ins Südtessin.

«Der Druck vor der Heim-WM war enorm.»

Patrick Sutter, ehemaliger Eishockeyspieler

«Es war nicht gerade ein Kulturschock, aber als 20-Jähriger ist das schon ein grosser Schritt: Plötzlich in einem Spitzenteam, eine neue Sprache und dazu John Slettvoll als Trainer», erinnert sich Sutter. Eine Finalqualifikation blieb ihm in dieser Zeit vergönnt. Dafür gab es auf Nationalmannschaftsebene einen ersten Erfolg zu verbuchen: Rang vier an der WM in der Tschechoslowakei 1992.

1998: das Jahr des Patrick Sutter

1996 fand Sutter den Weg in die Zentralschweiz zum EV Zug. Während er in seiner ersten Saison mit dem EVZ das Finale gegen den SC Bern noch verlor, folgte in der Spielzeit darauf die Krönung: der erste Meistertitel nicht nur für Patrick Sutter, sondern auch für den EV Zug. «Das ist so einer dieser Momente, die man nie vergisst. In der Retrospektive erinnert man sich sowieso vor allem an die Highlights.» Dazu gehört zweifelsfrei auch der vierte Platz an der Heim-WM 1998. «Der Druck im Vorfeld war enorm. Umso stolzer waren wir, dass wir diesem standhalten konnten», erinnert sich Sutter an damals zurück. Eine Trophäensammlung steht freilich trotzdem nicht (mehr) bei ihm zu Hause. «Leider kamen die Medaillen und Auszeichnungen bei einem Einbruch weg.»

Zum in Erinnerungen schwelgen: EVZ-Meisterfeier 1998.

Seine erste Zeit beim EVZ ging 2001 eher unrühmlich zu Ende. Nach einer verkorksten Saison wurden er und drei weitere Spieler (André Rötheli, Dino Kessler und André Künzi) von einer Task Force als Unruhestifter ausgemacht. Sutter wie auch Rötheli und Kessler fühlten sich hintergangen und verliessen den Verein.

Sutter zog es zurück nach Lugano in die Resega. In dieser Phase folgte ein Highlight dem nächsten: Nach der Saison 2001/02 wurde er zum zweiten Mal nach 1997/98 zum besten Verteidiger der Liga gewählt. Zudem schoss er insgesamt 23 Treffer – bis heute Liga-Rekord für einen Schweizer Verteidiger. Es folgten die Olympischen Spiele 2002 in Salt Lake City. «Obwohl es aus sportlicher Sicht sicherlich hätte besser laufen können, war Salt Lake City ein Erlebnis, das mir absolut positiv in Erinnerung bleibt.»

Lugano war endlich wieder «Grande»

Sportlich erfolgreicher gestaltete sich die Saison darauf: 2003 durfte Sutter zum zweiten Mal in seiner Karriere den «Meisterchübel» in die Höhe stemmen. «Wir hatten damals das wahrscheinlich beste Team, in dem ich je gespielt habe», erinnert er sich. Schaut man sich das Kader von damals an, überrascht diese Einschätzung wenig: Petteri Nummelin, Sandro Bertaggia, Mike Maneluk oder André Rötheli, um nur ein paar Namen zu nennen.

«Die ersten drei Jahre nach dem Karriereende habe ich kein Stadion von innen gesehen.»

Nach einem zweijährigen Abstecher zu Langnau folgte 2006 die Rückkehr in die Hertihalle. Doch eine Wiederholung des Triumphs von 1998 gab es nicht. «Natürlich würde sich jeder gerne mit dem Meistertitel verabschieden», sagt der Sissacher. Die Realität sah freilich anders aus.

Vom Comeback zum Karriereende in 30 Sekunden

Wir schreiben Samstag, den 22. November 2008. Patrick Sutter gibt nach einer Schulterverletzung und acht Monaten Wettkampfpause sein Comeback gegen den HC Lugano. Nach nur 30 gespielten Sekunden wird er von seinem Gegenspieler Kevin Romy brutal von hinten in die Bande gecheckt. Resultat: Gehirnerschütterung und Schleudertrauma. Die Profikarriere findet nach über 20 Saisons in der höchsten Spielklasse ein abruptes Ende. Kontakt zu Romy habe er seither keinen gehabt. «Den habe ich jedoch auch nie gesucht», so Sutter.

Gibt es etwas auf seiner Eishockey-to-do-Liste, das er nicht abhaken konnte? Liebäugelte er beispielsweise mit einem Wechsel ins Ausland? «Jeder Spieler träumt natürlich von der NHL. In der damaligen Zeit waren jedoch in Nordamerika unter den Verteidigern nur die schweren Brocken gesucht.» Etwas verpasst zu haben, habe er jedoch nicht das Gefühl.

Patrick Sutter wurde zweimal zum besten Verteider der Liga gewählt.

Patrick Sutter wurde zweimal zum besten Verteidiger der Liga gewählt.

(Bild: zvg)

Drei Jahre nicht im Stadion

Nach seiner Karriere musste er Abstand zum Eishockey gewinnen: «Die ersten drei Jahre nach dem Karriereende habe ich kein NLA-Stadion von innen gesehen. Da hätte das Herz einfach noch zu sehr geblutet.» Inzwischen ist er jedoch wieder regelmässiger Gast in der Bossardarena.

«Krueger war ein unglaublicher Rhetoriker»

Wer wie Patrick Sutter über mehr als zwei Jahrzehnte Eishockey auf höchstem Level spielte, hat auch so manchen Trainer erlebt. Entsprechend kann er nicht einen bestimmten Coach herausheben, der ihn besonders geprägt hat. «Es gibt drei, vier Coaches, die mich jeweils mit ihren Stärken beeindruckt haben. Ralph Krueger beispielsweise war ein unglaublicher Rhetoriker. Sean Simpson konnte sehr gut unterscheiden zwischen Kumpelsein und Fordern von Leistung auf dem Eis.» Ähnliche Stärken hätten auch Jim Koleff ausgezeichnet, der 2008 den Kampf gegen den Krebs verloren hat. John Slettvoll habe während den 1980er-Jahren die Professionalität ins Schweizer Eishockey gebracht. Er sei ein richtig harter Hund gewesen. «Dies hat mir später während der Karriere sehr geholfen. Zu lernen, mit dieser harten Art umzugehen.» 

Nicht nur als Zuschauer auf der Tribüne, sondern als Spieler auf dem Eis stand er im September im Rahmen des EVZ-Legendenspiels. «Das war ein absolut genialer Anlass. Vor allem hat es mich gefreut, dass auch so viele Ex-EVZler gekommen sind, die nicht gerade um die Ecke wohnen: Ken Yaremchuk, Wes Walz oder Tom Fergus.» Zu Wes Walz, Bill McDougall oder André Rötheli pflege er bis heute Kontakt.

Heute steht er nur noch hobbymässig mit seinen Kids auf dem Eis. Kam eine Karriere als Trainer nie infrage? «Ich habe mich kurzzeitig als Trainer bei Küssnacht in der 2. Liga versucht. Doch dafür muss man auch der Typ sein wie Patrick Fischer oder Kevin Schläpfer.» Er sei dies nicht gewesen. Entsprechend wurde das Projekt wieder ad acta gelegt.

Nur im Büro war zu langweilig

Heute ist er medizinischer Masseur in Ausbildung. «Die Schule ist bereits abgeschlossen. Noch fehlt jedoch das Praktikum, damit ich die eidgenössische Prüfung ablegen kann.» Dass es Sutter in den Bereich Physiotherapie zieht, war jedoch längst nicht immer klar. Nach seinem Karriereende liess er sich zum Verkaufsfachmann ausbilden. Nach einiger Zeit jedoch war klar: «Acht, neun Stunden vor dem Computer sitzen – das war mir zu wenig Abwechslung.»

Zur Physiotherapie kam Patrick Sutter unverhofft: Sein ehemaliger Physiotherapeut Roland Portengen meldete sich vor dreieinhalb Jahren und erzählte ihm von der Idee, etwas Neues in diesem Bereich aufbauen zu wollen. «Das Angebot passte genau in meinen Ablauf hinein und auch der Zeitpunkt war ideal. Entsprechend entschied ich mich, dieses Risiko einzugehen.» Erfahrungen diesbezüglich habe er durch seine Verletzungen ja genug gesammelt. «Entsprechend kann ich mich auch gut in die Patienten hineinversetzen.»

Durch einen üblen Check von hinten musste Patrick Sutter seine Profi-Karriere beenden.

Durch einen üblen Check von hinten musste Patrick Sutter seine Profikarriere beenden.

(Bild: sib)

Inzwischen ein Zuger

Das Eishockey an sich vermisst er nicht gross. «Es ist mehr dieses Gemeinschaftsgefühl in der Kabine direkt vor dem Spiel, das mir etwas fehlt; diese absolute Konzentration eines jeden Einzelnen.»

Sutter ist immer noch in Zug wohnhaft. «Obwohl ein Teil meiner Familie immer noch in Sissach wohnt, fühle ich mich inzwischen schon eher als Zuger.»

Bleibt abschliessend noch die Frage, was er dem EVZ Ausgabe 2017/18 zutraut. «Die Mannschaft ist definitiv reif, wie letzte Saison um den Titel mitzuspielen. Die Voraussetzungen sind gegeben: Man hat eine gute Mannschaft, es wurden intelligente Transfers getätigt, man hat ein neues Stadion. Es ist auf jeden Fall Zeit, dass der EVZ endlich wieder einmal Meister wird.» Wenn das kein Schlusswort ist.

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