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Herti: Schon wieder Mega-Projekt für Zug
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Herti-Zentrum von Süden, Plastik des Baarers Josef Staub. (Bild: mam)

Pläne für neues Einkaufszentrum und Hochhäuser Herti: Schon wieder Mega-Projekt für Zug

5 min Lesezeit 27.02.2017, 18:57 Uhr

Ein weiteres Grossprojekt für Zug rollt an: Die Überbauung Hertizentrum soll nach 30 Jahren anders werden. Nicht nur die Wohnbauten, auch das Einkaufszentrum und das Altersheim möchte man grösser und moderner haben. Dazu kommen mehrere Hochhäuser. Das Vorhaben dürfte auch aus einem anderen Grund noch für Diskussionen sorgen.

«Schon wieder ein Bebauungsplan», ist der erste Gedanke. «Unterfeld» der zweite. Gemeinsamkeiten gibt es durchaus: Die Überbauung Hertizentrum gehört der Korporation Zug. Auch bei dieser Erneuerung ist von baulicher Verdichtung die Rede, es sind Hochhäuser und günstige Wohnungen geplant. Doch alles schön der Reihe nach.

Der Bebauungsplan Hertizentrum soll im April in den Grossen Gemeinderat Zug kommen. Dazu gehört eine Zonenplanänderung. Das Gebiet ist der Kernzone B zugewiesen. Der vorliegende Bebauungsplan weicht jedoch bei der Dichte, der Höhe der Gebäude (50 anstatt 30 Meter) und der Geschossigkeit ab.

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Der kantonale Richtplan erlaubt eine Verdichtung. Deshalb soll eine Bauzone mit speziellen Vorschriften fürs Hertizentrum geschaffen werden, die Bauordnung müsste dafür geändert werden.

Neues Einkaufszentrum und Ausbau der Siedlung

Jetzt liegen Bericht und Antrag des Zuger Stadtrats vor. Ein ziemlich dickes Dokument mit Karten und einer Umweltverträglichkeitsprüfung mit vielen Zahlen, das am Freitag an die Parlamentarier und die Medien verschickt wurde.

Ehrgeiziger Zeitplan

Am 7. März behandelt die Bau- und Planungskommission (PBK) den Bebauungsplan Herti. Am 11. April soll er zur ersten Lesung ins Stadtparlament kommen. Im Mai ist bereits die öffentliche Auflage geplant. Bis nach den Sommerferien hätte die Stadtplanung Zeit, allfällige Einwendungen zu behandeln. Die zweite Lesung soll am 26. September stattfinden und im Februar 2018, hofft der Stadtrat, liegt die Genehmigung des Regierungsrats vor.

Das Hertizentrum im Westen von Zug stammt aus den 1980er-Jahren und hat Erneuerungsbedarf. Es besteht aus dem Einkaufszentrum, Wohnblöcken und dem Alters- und Pflegezentrum Herti. Das Einkaufszentrum erfülle die Anforderungen nicht mehr, heisst es im Bericht, die Migros als Betreiberin des Zentrums wolle es deshalb modernisieren und erweitern.

Die Korporation Zug als Besitzerin der Gesamtanlage ihrerseits prüfte eine «Weiterentwicklung der Anlage in Etappen». Sie will das Alters- und Pflegezentrum ausbauen und weitere altersgerechte und preisgünstige Wohnungen realisieren.

Preisgünstige Wohnungen

Vom Kanton aus ist eine bauliche Verdichtung mit erhöhter Ausnützung möglich. Denn das Hertizentrum liegt im sogenannten Verdichtungsgebiet II, das der Kantonsrat festgelegt hat. Dort beträgt der Richtwert (Ausnützungsziffer) bis 3,5.

Insgesamt soll die Nutzfläche von heute 43’450 Quadratmeter auf 88’700 Quadratmeter verdoppelt werden. Der Anteil für den preisgünstigen Wohnungsraum entspricht 30 Prozent der Mehrnutzung oder 13’400 Quadratmeter der anrechenbaren Geschossfläche.

Noch hat das Hertizentrum einen grossen ungedeckten Parkplatz.

Noch hat das Hertizentrum einen grossen ungedeckten Parkplatz.

(Bild: mam)

Keine Tiefgarage im Stierenmarktareal nötig

Im Hertizentrum sind ingesamt 850 Parkplätze geplant. Die 196 oberirdischen Plätze bei der Allmendstrasse sollen vollständig in Tiefgaragen verlegt werden. Dadurch entsteht ein verkehrsfreier Freiraum. «Die Erweiterung des Parkhauses Hertizentrum um 80 öffentliche Parkplätze sei «ein Beitrag der Grundeigentümerin zugunsten der Öffentlichkeit», heisst es im Bericht des Stadtrats. Die Exekutive bezeichnet diese ausserdem als wesentlichen Vorteil des Bebauungsplans.

Denn die Stadt kann auf den Bau der ursprünglich geplanten Tiefgarage auf dem Stierenmarktareal verzichten. Die 80 Plätze dienten Grossanlässen wie dem Zirkus, der Zuger Messe, dem Stierenmart, Konzerten und für Anlässe am See.

Erst ein Richtprojekt

Es gibt ein Richtprojekt von Albi Nussbaumer Architekten und Rotzler Krebs Landschaftsarchitekten, das im Bericht beschrieben wird. Es sieht neben geschlossenen Zeilenbauten und eingeschossigen Reihenhäusern auch punktuell gesetzte Wohnhochhäuser vor. An der Allmendstrasse soll ein dreiseitig gefasster Vorplatz erstellt. «Als weithin sichtbare Akzentuierung des Eingangs wird ein 15-geschossiges Hochhaus platziert.»

Projektwettbewerb folgt später

Zur Sicherstellung einer hochwertigen architektonischen Gestaltung des Gebäudes mit einer Höhe von über 30 Meter soll ein Projektwettbewerb mit fünf Teams durchgeführt werden.

Da der Bebauungsplan mehr als 500 Parkplätze zulässt, unterliegt das Vorhaben der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). Diese sei durch das städtische Amt für Umweltschutz erfolgt. Das Ergebnis: Durch die Bebauungsplanerweiterung seien bei der Lufthygiene «geringe zusätzliche Emissionen zu erwarten.» Der Lärmanteil des Mehrverkehrs unterschreite auf allen Strassen den Planungswert. Der UVP kommt zum Schluss, dass das geplante Vorhaben mit der Umweltgesetzgebung konform ist.

Kanton kritisierte zuerst Parkplatzzahl

Die Baudirektion des Kantons Zug hat das Planungsdossier Hertizentrum vorgeprüft und im Juni 2016 Stellung genommen. Der Kanton beanstandete vor allem ökologische Kriterien. So verlangt der kantonale Richtplan bei einer Dichte-Erhöhung «gute Freiraumqualitäten». Wo sinnvoll, seien harte Bodenbeläge zu reduzieren. Das Umgebungskonzept sei deshalb überarbeitet worden und es gibt mehr ökologische Flächen.

Auch verlangte der Kanton, alle Parkplätze «ab der ersten Minute» monetär und lenkungswirksam zu bewirtschaften. Will heissen: Die Autofahrer sollen bezahlen. Ein solches Konzept sei wegen der Mischung von Bewohnern und Beschäftigten schwierig umzusetzen, aber möglich, antwortete die Stadt.

Zuerst verlangte der Kanton eine Maximalzahl von 770 Parkplätzen (statt 850). Mit dem Verzicht auf die Parkgarage im Stierenmarkt und die Realisierung von 80 öffentlichen Parkplätzen in der geplanten Tiefgarage im Hertizentrum, hat die kantonale Baudirektion die Zahl von 850 Plätzen im Dezember 2016 aber schliesslich doch als positiv beurteilt.

Brunnen, Gärten und eine zweireihige Baumallee

Besonderen Wert wird laut dem Bericht auf die neue Gestaltung der Umgebung des Hertizentrums gelegt. An der Allmendstrasse soll eine «Promenade» entstehen. Hier sollen harte Bodenbeläge und Gestaltungselemente wie Brunnen einen städtischen Akzent setzen. Die Aussenräume im Norden, Westen und Süden des Hertizentrums will man mit Rabatten und Grünflächen auflockern.

Die neuen, offenen Innenhöfe hätten einen «gartenartigen Charakter». Sie sollen öffentlich zugänglich sein und unterschiedlich genutzt werden können. Einen weiteren Erholungsort sollen die Flachdächer der neuen Häuser bilden, die begehbar sein werden.

Ein weiteres Gestaltungselement ist eine umlaufende zweireihige Baumreihe entlang der General-Guisan-Strase, der Allmendstrasse und der St.-Johannes-Gasse.

Stadtrat überzeugt vom Bebauungsplan

Der Zuger Stadtrat ist der Überzeugung, dass der Bebauungsplan Hertizentrum eine qualitätsvolle städtebauliche Entwicklung und die Aufwertung der Aussenräume mit einer hohen Aufenthaltsqualität ermögliche.

Weitere Vorteile sein die Schaffung von günstigem Wohnraum. Der durch die Aufhebung der oberirdischen Parkplätze entstehende verkehrsfreie Bereich habe «das Potential als öffentlicher Raum». Ausserdem hebt auch die Exekutive die Erweiterung des Parkhauses im Herti um 80 öffentliche Parkplätze als positiv hervor.

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