Hertensteinstrasse: Keine freie Bahn für Velofahrer
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Velofahrer dürfen derzeit nur nachts vom Museumsplatz Richtung St. Karli über die Hertensteinstrasse fahren. (Bild: ios)

Einbahnregime in Frage gestellt Hertensteinstrasse: Keine freie Bahn für Velofahrer

3 min Lesezeit 2 Kommentare 04.12.2020, 10:58 Uhr

Der Luzerner Stadtrat glaubt nicht an die friedliche Koexistenz von Fuss- und Veloverkehr auf der Hertensteinstrasse. Die Forderung, wonach das Einbahnregime für Velofahrer aufgehoben werden soll, lehnt er ab. Er macht jedoch einen Kompromissvorschlag.

In dieser Sache weiss der Stadtrat, dass er es eh nie allen recht machen kann. Es war ein Postulat der SP und der Grünen, das Ende Mai eine breite Diskussion über das heutige Verkehrsregime auf der Hertensteinstrasse in der Luzerner Altstadt auslöste.

Zur Erinnerung: In Richtung Altstadt dürfen Velofahrer durch die Hertensteinstrasse derzeit nur nachts fahren. Tagsüber gilt die Einbahnsignalisation in Richtung Museumsplatz.

Postulat führt zu politischen Streitereien

Die Postulanten stellten diese Regelung in Frage und argumentierten mit der mangelnden Verkehrssicherheit auf der Route Alpenstrasse–Schweizerhofquai. Eine rücksichtsvolle Koexistenz von Fuss- und Veloverkehr auf der Hertensteinstrasse sei möglich (zentralplus berichtete).

Die empörten Reaktionen auf die Forderung liessen nicht lange auf sich warten. Unter anderem in Blogeinträgen auf zentralplus argumentierten Vertreterinnen der CVP und der FDP gegen die Aufhebung des Einbahnregimes und brachten teilweise gar ein generelles Fahrverbot in die Diskussion (zentralplus berichtete).

Velos müssen sich den Fussgängern anpassen

Es gehe im Kern um eine «sehr emotional diskutierte Frage», schreibt der Stadtrat in seiner Stellungnahme zum Postulat. Die Frage: «Wird bei einer Öffnung der Hertensteinstrasse in beide Fahrtrichtungen die Sicherheit für Velofahrende auf Kosten der zu Fuss Gehenden verbessert?»

Tatsache sei, dass der Strassenabschnitt in einer Fussgängerzone liege. Fussgängerinnen sind vortrittsberechtigt und Velofahrer müssen sich dem Tempo der Fussgänger anpassen, was auch im Strassenverkehrsgesetz geregelt sei, wie der Stadtrat festhält.

Zudem habe der Stadtrat Lustat Statistik Luzern mit einer Umfrage beauftragt, die belegt, dass sich eine Mehrheit der Fussgänger – insbesondere die älteren – von Velos und E-Bikes gefährdet fühlen. Rund die Hälfte der Befragten sei der Ansicht, dass Geh- und Velowege heute nicht sinnvoll voneinander getrennt seien.

Durchfahrtszeiten sollen ausgedehnt werden

Es werde kaum möglich sein, «allseits akzeptierte Gründe für oder gegen die Zulassung von Velofahrern in der Hertensteinstrasse aufführen zu können», weiss der Stadtrat. Er gewichtet das Bedürfnis der Fussgänger nach einer echten Flaniermeile jedoch höher als jenes der Velofahrer nach einer Alternativroute zum Schweizerhofquai.

Am Einbahnregime soll deshalb festgehalten werden, so der Stadtrat. Er macht jedoch einen Kompromissvorschlag: Neu soll die Durchfahrt in beide Richtungen von 20 Uhr bis 10 Uhr möglich sein (heute von 21 bis 9 Uhr).

«Damit erhalten die Velofahrenden zumindest in den Abend- und Nachtstunden sowie zur Hauptverkehrszeit am Morgen eine sichere Alternativroute zur Fahrt über den Schweizerhofquai», schreibt der Stadtrat. Die Zeiten würden sich zudem an freien Zufahrtszeiten für Anlieferungen lehnen.

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Bus- und Velospur kommt erst nach 2021

Das Kernanliegen der Postulanten ist dem Stadtrat derweil nicht entgangen. Er verweist auf das Projekt «Alpenstrasse», welches dort schon längst eine kombinierte Bus- und Velospur vorsieht. Der Kanton stellte sich in dieser Sache jedoch quer (zentralplus berichtete).

Gemäss den Ausführungen des Stadtrats soll die Umsetzung der Bus- und Velospur erst nach 2021 angegangen werden. «Der Stadtrat wird sich im Rahmen seiner Möglichkeiten weiterhin für eine rasche Realisierung dieses Projekts einsetzen», heisst es in der Stellungnahme weiter.

Insbesondere mit Blick auf den Gegenvorschlag zur genannten Erweiterung der Durchfahrtszeiten, beantragt der Stadtrat, das Postulat als teilweise erheblich zu erklären.

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2 Kommentare
  1. Roland Grüter, 04.12.2020, 17:26 Uhr

    Der Stadtrat praktiziert einmal mehr einen Kniefall vor der Velo-Lobby und gewährt als»Kompromiss» längere Durchfahrtszeiten in der Hertensteinstrasse. Bei einer erfolgten Umfrage fordern aber über 63% der Befragten eine Sperrung für die Velofahrer/innen. Einmal mehr wird von dieser Behörde das Bedürfnis einer Mehrheit ignoriert. Von Nöten wäre da eine Abstimmung, damit diesen Mauscheleien des Stadtrates endlich Paroli geboten werden.

  2. Mike Litoris, 04.12.2020, 14:20 Uhr

    An diese Einbahnregel hällt sich sowieso kaum jemand. Ich bezweifle ob Velofahrer überhaupt Signalisationen beachten.

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