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Helvetia: Nur Monate nach der Übernahme ist der Beizer weg
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Lieber im Grünen statt im Büro: Serge Vollenweider im Garten seines Onkels Ueli. (Bild: hae)

Luzerner Serge Vollenweider nimmt sich Auszeit Helvetia: Nur Monate nach der Übernahme ist der Beizer weg

4 min Lesezeit 25.07.2018, 18:35 Uhr

20 Jahre arbeitete Serge Vollenweider als Gastgeber in der Neustadtbeiz Helvetia. Doch weniger als ein Jahr nach der Übernahme durch die Luzerner Gastrokette Gambrinus kommt nun sein abrupter Abgang. «Andere Unternehmenskultur» heisst die Begründung. Doch das wird nicht die einzige Änderung im Traditionslokal sein.

«Natürlich hätte ich das Helvetia weiterführen können, aber das klang nach lebenslänglich.» Serge Vollenweider (42) hält beim Türeschleifen im Garten seines Onkels Ueli inne, legt sein Gesicht in Falten und sagt: «Diese Vorstellung ging mir durch Mark und Bein. Ich hatte Bammel und so war die Trennung von den neuen Co-Geschäftsführern Ende Juni ein schnell gefasster Bauchentscheid.» Seit gut einem Monat ist Vollenweider weg in der Traditionsbeiz.

Der ganz rechts scheidet aus: Alois Keiser, Gambrinus-Geschäftsführer, Daniel Marti, Helvetia-Küchenchef, Sofia Matsiota, Helvetia-Geschäftsführerin a. i., Serge Vollenweider.

Der ganz rechts scheidet aus: Alois Keiser, Gambrinus-Geschäftsführer, Daniel Marti, Helvetia-Küchenchef, Sofia Matsiota, Helvetia-Geschäftsführerin a. i., Serge Vollenweider.

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(Bild: zvg)

Man kennt es in der Stadt Luzern, das Restaurant Helvetia: Es ist eine Institution, begehrter Treffpunkt sommers wie winters. Die Beiz beim Helvetiagärtli im Neustadtquartier gehört dem LSD-Mönch, Tierschützer und Calida-Erben Vanja Palmers und wurde bis vor einem Jahr über ein Vierteljahrhundert lang vom selben Wirt geführt: von Ueli Vollenweider, der das Restaurant 1991 mit Irene Vollenweider und dem bekannten Beizer Henk Bergmans (zuletzt: Jazzkantine) übernommen hatte (zentralplus berichtete).

1 Jahr auf See, 20 Jahre im Helvetia

Der gelernte Bootsbauer Serge stiess 1998 – nach einem Jahr auf See – zum Team von Ueli Vollenweider und amtete seit Juni 2017 im «Helvti» als Gastgeber. Er erinnert sich: «Wir ergänzten uns gut, mein Onkel machte das Büro, ich war an der Front.» Im Oktober 2017 setzte sich Ueli Vollenweider zur Ruhe und übergab an die Gambrinus Gastronomie AG, welche schon die Rathaus Brauerei und den Stadtkeller in Luzern führt. Für die Gäste sollte sich nicht viel ändern, hiess es damals (zentralplus berichtete).

«Uns ging es mehr um den Spass als ums Geld. Die Bilanzen waren uns immer sekundär.»

Serge Vollenweider, ehemaliger Helvetia-Chef

«Doch ich merkte schon bald, dass da eine andere Kultur im Helvetia einzog», erklärt Serge Vollenweider. Er wurde zwar Mitglied der Gambrinus-Geschäftsleitung, arbeitete aber weiter im Sog der Geschäftsidee seines Onkels, dem es mehr um «Spass als ums Geld» ging. «Die Bilanzen waren uns immer sekundär», sagt Serge.

Der gelernte Bootsbauer renoviert die Türe am Haus seines Onkels Ueli Vollenweider.

Der gelernte Bootsbauer renoviert die Türe am Haus seines Onkels Ueli Vollenweider.

(Bild: hae)

«Ein Teil von mir hat sich seit der Übernahme immer mehr abgekapselt, ich war immer häufiger segeln.» Nicht, dass es mit den Gambrinus-Leuten zum Streit gekommen sei, «wir haben uns im Frieden getrennt», so Vollenweider. Die neuen Pächter hätten auch viel Gutes umgesetzt: eine neue Weinkarte mit vorwiegend Schweizer Wein, aus der Region und aus der Welt, aber von helvetischen Winzern. Oder das Fleisch wird aus der Region nach dem Prinzip «Nose to Tail» verwertet.

Sicherlich kein Italiener

Derzeit wird das Helvetia von Serge Vollenweiders ehemaliger rechter Hand, Sofia Matsiota, sowie dann ab September von Yves Nietzold, dem jetzigen Chef de Service der Rathausbrauerei an der Reuss, geleitet. Der aus Leipzig, Deutschland, stammende 37-jährige Nietzold freut sich. Auch darauf, dem Helvetia wieder mehr Pep zu geben: «Es ist eine schöne Schweizer Beiz mit gutem Ruf. Wir werden also sicherlich keinen Italiener draus machen.» Es gehe bei den Änderungen nur um Feinjustierungen, vielleicht die Karte etwas abzuändern.

«Eher hohe Preise und ein eher unmotiviertes Personal, das geht wohl nicht auf Dauer.»

Yves Nietzold, neuer Helvetia-Chef ab September

Yves Nietzold, der seit eineinhalb Jahren bei Gambrinus arbeitet und vorher im Viersternehaus Montana tätig war, sagt weiter: «Wir setzen die Mittagstradition der günstigen Angebote fort, abends bleibt das Restaurant klassisch-gehoben.» Allerdings werde er bei der Preispolitik und wohl auch beim Team etwas ändern müssen: «Eher hohe Preise und ein eher unmotiviertes Personal, das geht wohl nicht auf Dauer.» Urteile auf Tripadvisor bestätigen Nietzolds Eindruck.

Der schneidige Ton Nietzolds wird Serge Vollenweider nicht mehr kümmern. Er geniesst seine Tage im Grünen, bei den Renovationsarbeiten am Hause seines Onkels oder als Teilzeitmitarbeiter einer Krienser Schreinerei.

Kleines, feines Gastrounternehmen

Doch im Geheimen hegt Vollenweider schon wieder Pläne für ein neues Projekt. «Es ist leider noch nicht spruchreif, aber so viel darf ich verraten: Wir haben eine tolle Idee für ein kleines, feines Gastrounternehmen in der Neustadt.»

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