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Heizen mit Holz: Eine dumme Idee?
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Ein Cheminée-Feuer ist gemütlich, produziert aber viel Feinstaub.   (Bild: Emanuel Ammon/AURA )

100 bis 1000 Mal mehr Feinstaub als Öl oder Gas Heizen mit Holz: Eine dumme Idee?

6 min Lesezeit 2 Kommentare 02.04.2019, 05:29 Uhr

Wegen Holzheizungen gelangt extrem viel Feinstaub in die Umwelt. Auch in den Kantonen Luzern und Zug ist man sich der Problematik bewusst – doch dagegen vorzugehen, ist schwierig.

«Heizen mit Holz – eine dumme Idee», titelte der Schweizer Meteorologe Jörg Kachelmann einen Beitrag, den er in einer grossen Schweizer Tageszeitung veröffentlichte. Der Text sorgte für Aufsehen. In vielen Kommentaren wurde das Thema heftig diskutiert.

Kachelmann bezeichnete das Verbrennen von Holz als eine «zutiefst dreckige Technologie», weil Holzheizungen enorm viel Feinstaub in die Umwelt abgeben würden: «Wer einen Holzofen hat, ist in Sachen Feinstaub der weitaus grösste Umweltsünder», hiess es im Text weiter.

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Auch ein mit Filtern ausgerüsteter Holzofen sei im Vergleich zu Öl und Gas «immer noch eine gigantische Sauerei». Verheerend sei, dass im Gegensatz zu früher, als das Verbrennen von Holz vor allem von ärmeren Menschen betrieben worden sei, heute auch in Einfamilienhaus- und in Attikawohnquartieren mit Holz gefeuert werde. Dies sei «die dümmste Renaissance einer Steinzeit-Heizmethode, die man sich vorstellen kann».

Ein Cocktail von Schadstoffen

Peter Bucher vom Amt für Umwelt und Energie des Kantons Luzern schildert ein eindrückliches eigenes Erlebnis dessen, was Kachelmann sagt. Er sei diesen Winter auf einer Wanderung im Seebodengebiet bei Küssnacht gewesen: «Klare, sehr saubere kalte Luft, der Atem vor dem Gesicht, aber nicht sichtbar, weil zu trocken und fast ohne Partikel.»

«Neben dem Diesel stellen die Holzfeuerungen eines der grössten Lufthygieneprobleme dar.»

Peter Bucher, Kanton Luzern

Dann habe er den Holzgeruch von einem Kamin eines nahen Hauses wahrgenommen. «Sofort entsteht eine Dampffahne beim Ausatmen. Der unsichtbare Feinstaub wird ein- und zusammen mit der Feuchtigkeit wieder ausgeatmet», so Bucher. Dabei bilden sich Kondensationskeime und mit den viel grösser gewordenen Tröpfchen ein sichtbarer Nebel.

Der Aufwand zur Kontrolle von Holzfeuerungen sei gross. «Tatsächlich ist es so, dass insbesondere kleine Stückholzheizungen, wenn sie schlecht betrieben werden, sehr grosse Staubemittenten sind», sagt Peter Bucher. Auch die Schwelgase seien «nicht ohne»: Diese würden Formaldehyde und Säuren enthalten und sekundären Feinstaub bilden. Zudem seien in ihnen krebserregende Stoffe enthalten.

In der Stadt wird schneller protestiert

«Neben dem Diesel stellen die Holzfeuerungen eines der grössten Lufthygieneprobleme dar», hält Bucher fest. Dabei stellt er einen Unterschied zwischen Stadt und Land fest. Im urbanen Raum würden die Stückholzfeuerungen als besonders störend wahrgenommen und es werde schnell reklamiert und protestiert, so dass allzu schlimme Betreiber in die Schranken gewiesen werden könnten.

In ländlicheren Gegenden hingegen würden solche Holzfeuerungen eher toleriert. «Insbesondere die Tibaherde, die auch zum Kochen verwendet werden, sind in Bauernhäusern Standard. Sie sind besonders stark emittierend.» Die Emissionen würden im Winter bei Inversionen weit transportiert und wenig verdünnt und können so ganze Talschaften einnebeln.

«Als Vollzugsbehörde haben wir das Problem, dass wir sowohl urbane wie auch ländliche Gebiete überwachen müssen. Kontrollen von kleinen Feuerungen im urbanen Raum werden akzeptiert, im ländlichen Umfeld sieht man sich schnell mit Interessenvertretern konfrontiert», sagt Bucher.

«Solange niemand tot umfällt»

Die Gesetze seien gut, aber es fehlten die Mittel, um diese konsequent anzuwenden. «Werden Überschreitungen von Emissionsgrenzwerten festgestellt, kann es Jahre gehen, bis man eine Sanierung durchboxt. Die Anlagen laufen in der Zwischenzeit einfach weiter, weil laut Gericht keine unmittelbare Gefahr abzuwenden sei.» Peter Bucher kommentiert das trocken: «Solange halt niemand tot umfällt …»

Natürlich sei es sinnvoll, lokale Wertschöpfung zu nutzen, «statt Geld zu den Saudis zu schicken». Und CO2-mässig sei es sicher richtig, dass netto viel weniger emittiert wird. Aber: «Es ist sinnvoll, Holz in grossen, gut betriebenen Anlagen zu verbrennen. Kleine Stückholzfeuerungen sind oft sehr schlecht, auch weil deren Betreiber diese in Unkenntnis oder bewusst schlecht betreiben.» Automatische Pellettfeuerungen seien im Vergleich 10 bis 20 Mal besser.

Ein Erfolg in den Luzerner Wäldern

Bei Stückholz versuche man durchzusetzen, dass sie in Kombination mit grossen Wärmespeichern gebaut werden. Dann könne ein einziger Anfeuerungsvorgang und drei Stunden Abbrand die Wärme für ein, zwei Tage produzieren und speichern: «Das ist viel besser, als immer wieder neu Holz nachzulegen.»

Mehr als ein Drittel der ultrafeinen Russpartikel stammt aus der Holzverbrennung.»

Florian Weber, Zuger Baudirektor

Peter Bucher weist auf einen Erfolg im Kanton Luzern hin: «Das Verbrennen von Schlagabraum in den Wäldern wird mittlerweile ziemlich konsequent unterbunden und auch geahndet. Im Winter ist dieses Verbrennen ganz verboten.» Das habe deutlich zu einer Verbesserung der Luft beigetragen. «Man kann, wenn man will und wenn es die Politik erlaubt.»

Krebserregende ultrafeine Russpartikel

Wie in der ganzen Zentralschweiz ist der Feinstaub auch im Kanton Zug eine Herausforderung – vor allem in den Wintermonaten, erklärt der Zuger Baudirektor Florian Weber. «Besonders problematisch, da krebserregend, sind die ultrafeinen Russpartikel aus Verbrennungsprozessen. Mehr als ein Drittel dieser Partikel stammt aus der Holzverbrennung.»

Bei den Haushalten falle auf, dass Holzfeuerungen sehr viel höhere Emissionen verursachen als Öl- und Gasfeuerungen. Im Kanton Zug würden derzeit 8 Prozent der Heizsysteme mit Holz betrieben: «Es bestehen jedoch grosse Unterschiede zwischen den Tal- und den Berggemeinden. In Oberägeri und Menzingen beispielsweise beträgt der Holzfeuerungsanteil 19 Prozent, in Zug dagegen nur 2 Prozent.»

Grauer Rauch als schlechtes Zeichen

Gerade auch die Siedlungen in Talgemeinden können von Feinstaub betroffen sein, dies aufgrund von Strassennähe oder fehlender Durchmischung der Luftschichten. Gemäss Auskunft der Baudirektion kann lokal auch eine hohe Cheminéedichte zu erhöhten Feinstaubwerten führen.

Deshalb wird bei solchen kleinen Anlagen alle zwei Jahre eine Kontrolle durchgeführt. Wichtig sei, dass nur naturbelassenes Holz verwendet und die richtige Anfeuerungstechnik beachtet wird. Bei richtigem Vorgehen entstehe ein weisses Rauchbild, also kein grauer Rauch. Ein derartiger weisser Wasserdampf deute auf eine geringe Feinstaub-Emission hin.

100 bis 1000 Mal mehr Feinstaub

Was hält man beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) von den Äusserungen des Meteorologen Kachelmann? Rainer Kegel von der Abteilung Luftreinhaltung und Chemikalien beim BAFU erklärt, dass eine durchschnittliche Holzfeuerung rund 100 bis 1000 Mal mehr Feinstaub emittiere als eine Öl- oder Gasfeuerung. Wenn eine kleinere Holzfeuerung für ein Ein- oder auch Dreifamilienhaus mit einem Staubabscheidesystem ausgestattet werde, so sei davon auszugehen, dass dieses bei optimaler Funktionsweise und regelmässiger Wartung ungefähr 90 Prozent der Staubemissionen zurückhalte.

Aber auch so würden noch immer 10 bis 100 Mal mehr Feinstaub emittiert als dies bei einer Öl- oder Gasheizung der Fall ist. «Der Anteil der Holzfeuerungen am gesamten Feinstaubausstoss (PM 10) in der Schweiz bewegt sich heute zwischen 10 und 15 Prozent», sagt Rainer Kegel. Bei den feineren Partikeln PM 2.5 sei es rund ein Drittel.

Fazit: Holzfeuerungen produzieren im Vergleich zu anderen Heizsystemen tatsächlich deutlich mehr Feinstaub. Rainer Kegel hält fest: «Holzfeuerungen sind für einen relevanten Anteil der schweizerischen Emissionen von PM25 oder PM10 verantwortlich.»

Je nach Ort, Jahreszeit und Witterungssituation können diese Anteile gegenüber den oben erwähnten Werten auch noch höher liegen. «Für eine differenzierte Beurteilung ist es allerdings notwendig, nicht nur die Feinstaubemissionen, sondern die gesamte Umweltbelastung zu betrachten», sagt Rainer Kegel.

Tipps des Bundes

«In Holzfeuerungen wird Holz als wichtiger einheimischer und nachwachsender Brennstoff eingesetzt», erklärt Rainer Kegel vom Bundesamt für Umwelt (BAFU). Die schadstoffarme Verbrennung eines festen Brennstoffs wie Holz sei allerdings bedeutend anspruchsvoller als bei flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen. «Aus Sicht des BAFU ist es in jedem Fall zentral, dass bei der Holzverbrennung einige Punkte beachtet werden, damit keine unnötigen Luftschadstoffe enstehen.»

Dies bedeute zum Beispiel, dass nur ausreichend trockenes, naturbelassenes Holz oder garantiert unbehandelte Holzreste verbrannt werden. Zu beachten sei auch, dass von Hand betriebene Holzfeuerungen von oben nach unten angefeuert werden sollten und dass während des Abbrennens für genügend Luftzufuhr gesorgt wird. «Mit diesen einfachen Massnahmen wird die Feinstaubbildung bei der Verbrennung von Holz in kleinen Anlagen deutlich verringert.»

Automatische Anlagen – zum Beispiel Heizkessel für Pellets – würden gegenüber handbeschickten deutliche Vorteile in Bezug auf die Verbrennungsqualität aufweisen. Weil der Betreiber bei automatischen Anlagen keinen Einfluss nehmen könne, seien Bedienungsfehler ausgeschlossen. Zudem müssten grössere Holzfeuerungen ab 500 kW Leistung tiefere Staub-Grenzwerte einhalten: «In der Regel sind solche Anlagen mit einem Staubabscheidesystem ausgestattet und werden professionell betrieben und gewartet.»

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2 Kommentare
  1. Chris J., 03.04.2019, 14:28 Uhr

    Zitat: “Der unsichtbare Feinstaub wird ein- und zusammen mit der Feuchtigkeit wieder ausgeatmet», so Bucher. Dabei bilden sich Kondensationskeime und mit den viel grösser gewordenen Tröpfchen ein sichtbarer Nebel.”
    Das ist physikalischer Unsinn! Der Nebel entsteht durch die Kondensation der Feuchtigkeit in der von Feuchtigkeit gesättigten kalten Luft. Das hat mit den Staubpartikeln nichts zu tun.

  2. Beat Fähndrich, 02.04.2019, 20:34 Uhr

    Da habe ich etwas gelernt.