Heisser Herbst für Windräder der Luzerner Nationalrätin
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Nationalrätin Priska Wismer-Felder informiert über ihr Windrad-Projekt auf dem Stierenberg. (Bild: jal)

Befürworter lancieren neues Projekt Heisser Herbst für Windräder der Luzerner Nationalrätin

4 min Lesezeit 3 Kommentare 22.08.2021, 19:12 Uhr

Auf dem Stierenberg bei Rickenbach will die Luzerner Nationalrätin Priska Wismer-Felder drei Windräder aufstellen. Doch dem Projekt weht ein rauer Wind entgegen. Bevor sich die Bevölkerung im September erstmals zum Thema äussern kann, haben Befürworter einen neuen Info-Rundgang eingeweiht.

Es zieht ein leichter Wind über dem Stierenberg. Passenderweise. Denn dort oben bei Rickenbach, in der Nähe der Grenze zum Kanton Aargau, plant eine Gruppe um die Luzerner Nationalrätin Priska Wismer-Felder drei Windräder. Sie sollen pro Jahr über 20 Gigawattstunden Strom liefern – womit der Bedarf von 4600 Haushalten gedeckt werden könnte.

Doch das Projekt hat im letzten Jahr Gegenwind erfahren. Anwohner haben die Initiative «Erhaltet den Stierenberg – keine Windkraftanlagen auf unserem Hausberg» lanciert und mit über 500 Unterschriften eingereicht. Sie will mithilfe einer Schutzzone den Bau von Windrädern auf dem Stierenberg verhindern.

Denn die Anlage beeinträchtige das Naherholungsgebiet viel zu stark angesichts des nach Meinung der Kritiker geringen Potenzials von Windkraft in der Schweiz. Immerhin ragen die Windräder mit bis zu 180 Meter in die Höhe. Dazu kommen Sorgen um das Grundwasser, das Landschaftsbild und den Wert der Liegenschaften.

Themenweg will informieren

Nachdem zunächst vor allem die Kritiker den Ton angaben, erfahren seit einigen Monaten die Befürworter vermehrt Rückenwind. Jüngst diesen Sonntag: Ein neuer Förderverein hat im Beisein von rund 50 Interessierten – unter ihnen die Kantonsräte Markus Bucher (CVP), Gertrud Galliker-Tönz (Grüne) und Josef Schuler (SP) – einen Themenweg zur Windenergie eröffnet.

Hinter dem Projekt stehen drei Jungbauern, die damit Vorurteilen gegenüber Windrädern entgegentreten möchten. «Wir wollen die Fakten einfach verständlich aufbereiten, sodass man sie auch ohne Doktortitel versteht», sagt Vereinspräsident Christian Rölli, der mit Roman Furrer und Thomas Feierabend das Projekt initiiert hat und dabei auch auf die Unterstützung des Bundesprogramms Energie Schweiz zählen konnte.

Auf zehn Tafeln können sich Spaziergänger nun über das Thema informieren. So erfährt man zum Beispiel, dass Windenergie zu rund zwei Dritteln im Winter produziert wird, in Deutschland rund 100’000 Vögel pro Jahr durch ein Windrad getötet werden – und damit 600 mal weniger als durch Katzen – und für ein Projekt bereits im Vorfeld geprüft werden muss, wie die langen Anlageteile an den dereinstigen Standort gelangen.

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Obwohl die drei Jungbauern das Projekt auf dem Stierenberg klar befürworten, würden auf dem Rundgang auch Kritikpunkte thematisiert, versichert Roman Furrer. «Und zwar möglichst sachlich und mit sauberen Quellenangaben.»

Gleichwohl drückt ihre positive Haltung klar durch. Etwa bei der Tafel zum Landschaftsschutz, wo Visualisierungen die Dimension der Windräder relativieren – und etwa mit dem Landessender von Beromünster in Verbindung bringen.

Vereinspräsident Christian Rölli hält aber genau den für ein gutes Beispiel: «Als man den Landessender aufstellen wollte, gab es auch Opposition. Doch nach dem Abschalten wollte ihn niemand abreissen, er wurde gar unter Schutz gestellt. Das zeigt: Die Wahrnehmung kann sich ändern.» 

Nationalrätin Wismer ist froh um Support

Es ist nicht der erste Support, den Mitte-Nationalrätin Priska Wismer-Felder und ihr Mann Roland seit letztem Frühling erfahren. So unterstützen beispielsweise fünf Luzerner Jungparteien das Projekt. Ebenso weibeln drei jungen Frauen mit der Kampagne «Wind-Positiv» für die Energie aus der Luft (zentralplus berichtete).

Die Gruppe «Wind-Positiv» versucht mit Memes auf Instagram die Jungen abzuholen:

Das Ehepaar Wismer ist froh um die Unterstützung. Denn bald schon wird eine entscheidende Weiche gestellt: Am 27. September kommt die Initiative der Gegner für eine Schutzzone auf dem Stierenberg zur Abstimmung. Die Gemeinde plant dazu eine ausserordentliche Gemeindeversammlung. Da gleichzeitig auch über Rückzonungen diskutiert wird, werden viele Stimmbürger erwartet. Obwohl es dabei nur indirekt um das konkrete Projekt geht, sagt Priska Wismer-Felder: «Für uns ist diese Abstimmung ein Gradmesser.»

«Es ist noch nicht allen bewusst, wie dringlich das Problem ist.»

Priska Wismer-Felder

Die letzte Informationsversammlung der Gemeinde im Januar 2020 zeigte, dass einige Rickenbacher skeptisch eingestellt sind. Auch das Nein zum CO2-Gesetz machte deutlich, dass für die Energie- und Klimawende viel Überzeugungsarbeit nötig ist. «Es ist noch nicht allen bewusst, wie dringlich das Problem ist», sagt Wismer dazu. Umso mehr hofft sie, dass eine physische Gemeindeversammlung mitsamt Diskussionen stattfinden kann – und die Coronazahlen nicht einen anonymen Urnengang nötig machen.

Bei einem Ja zur Initiative käme es laut Wismer zu Verzögerungen – ob es das Ende für die geplanten drei Windräder bedeuten würde, bezweifelt sie hingegen. Bei einem Nein zur Initiative kann die Rickenbacher Stimmbevölkerung später ohnehin nochmals Stellung beziehen, denn für das konkrete Projekt ist eine Umzonung nötig. Das letzte Wort wird am 27. September also noch nicht gesprochen sein.

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3 Kommentare
  1. Hegard, 22.08.2021, 20:32 Uhr

    Ich meinte ,man hat sich mit den einten Windräder fest Gefahren.Es gibt auch vertikale Windräder die Vogelfreundlicher, weniger Lärm und weniger empfindlicher sind.Nachteil Sie produzieren weniger Strom.Es gäbe aber sogar ein gutes Schweizer Produkt.
    Mann könnte diese in Industrie Gebieten aufbauen,denn es gibt keine leistungs Einbusse wenn man drei
    Masten hintereinander aufbaut.Im Gegenteil Auch der schattenwurf wäre immer gleich.
    Ich bin auch dagegen wenn man mit Solche Dinger die schönsten Landschaften verschandelt,dann ist’s vorbei mit Naherholung.
    Auch könnte man mehr Biogas Anlagen bauen,die das Güllen Problem lösen könnte und noch ein paar mehr Nutzen bringen würde.Vorallem Tagesproduktion usw
    Auch den Grünabfall könnte man somit verwerten.
    Es gäbe genug Alternativen die man ausnutzen könnte.
    Sturheit bring nichts,flegsiebel sollte man sein.

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  2. Lucommenter, 22.08.2021, 19:59 Uhr

    Es ist Zeit, dass eine sichere und nachhaltige Stromversorgung für die Schweiz stärker gewichtet wird, als destruktiver Radau von ein paar wenigen.

    2 👍 Gefällt mir 0 👏 Applaus 0 🤔 Nachdenklich 1 👎 Daumen runter
    1. Cathy Brugger, 23.08.2021, 15:00 Uhr

      An Windrädern ist nichts nachhaltig. Dutzende Tonnen Beton für den Sockel bleiben für immer im Boden nach bloss 20-25 Jahren Lebensdauer der Anlage. Niemand weiss, wie die ausgedienten Rotorblätter aus glasfaserverstärktem Kunststoff zu entsorgen sind. Sowohl Deponierung wie Verbrennung sind verboten. In Deutschland lässt man sie in der Landschaft herumliegen.

      Es ist auch unverständlich, dass Bauern sich dafür engagieren. Der Aufbau, für den eigens Strassen gebaut werden müssen (weil die Teile zu schwer sind für Helis), zerstört ihr Land. Insekten, Fledermäuse und Vögel werden vernichtet. Dass Katzen mehr Vögel töten, ist kein Argument, sondern reiner Whataboutism. Soll man Katzen verbieten oder einsperren?

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