Heisse Würstchen gegen Donald Trump
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Luca Nadig (rechts) war Kopf der Aktion auf dem Bundesplatz in Zug. (Bild: sib)

Protest auf dem Zuger Bundesplatz Heisse Würstchen gegen Donald Trump

3 min Lesezeit 25.01.2018, 18:15 Uhr

Der US-Präsident besucht heute und morgen im Rahmen des «World Economic Forum» (WEF) die Schweiz. Eine Handvoll Zuger Kantischüler nimmt diesen Besuch zum Anlass, um eine Protestaktion gegen Donald Trump durchzuführen. Zu diesem Zweck locken sie mit einem Gratis-Zmittag.

Bundesplatz Zug, heute gegen 12 Uhr. Kantischüler Luca Nadig ist gerade dabei, einen Klapptisch aufzustellen und handgeschriebene Plakate aufzuhängen. «Alternative Energy not alternative facts» oder «Laundry is the only thing that should be separated by colour» steht drauf. Luca Nadig besucht die 6. Klasse der Kantonsschule Zug. Zusammen mit drei Freunden hat er letzte Woche spontan entschieden, eine Protestaktion gegen Trumps Schweizbesuch am WEF in Davos durchzuführen.

Hot Dogs und Gespräche

Doch Protestieren geht nicht einfach so. Dafür braucht es von der Stadt eine Bewilligung. «Wir waren selbst erstaunt, wie rasch uns die Stadt für diese Aktion grünes Licht gegeben hat», sagt Nadig. Ein paar Minuten später treffen auch seine Freunde und Klassenkameraden ein. Sie haben Hot Dogs mitgebracht, mitfinanziert von der Juso. «Mit dem Verteilen der Hot Dogs wollen wir mit den Leuten ins Gespräch kommen», erklärt Nadig.

«Die Gespräche blieben meist eher an der Oberfläche.»

Luca Nadig, Kantischüler und Mitorganisator der Aktion gegen Donald Trump

Heisse Würstchen gegen Donald Trump also. Doch aus welchem Grund suchen die Kantischüler überhaupt das Gespräch? Wissen Herr und Frau Schweizer nicht sowieso längst, wofür der US-Präsident steht? Luca Nadig stimmt grundsätzlich zu, aber: «Wir möchten verhindern, dass der Rassismus und Sexismus von Trump zur Normalität wird und irgendwann nichts Abstossendes mehr darstellt.» Für sexistische und rassistische Äusserungen, wie afrikanische Länder als ‹Shitholes› zu bezeichnen, sei kein Platz. Auch wenn sie von einem Präsidenten kämen, so Nadig.

Es ist schon zu spät

So weit, so gut. Schon treffen die ersten Hot-Dog-Abnehmer ein. Wir fragen eine Passantin, was sie von der Protestaktion hält, währenddem ihre zwei Kinder mit leuchtenden Augen den Hot Dog entgegennehmen. «Ich finde die Idee dahinter eigentlich ganz gut. Nur ist es für die Durchführung der falsche Ort und der falsche Zeitpunkt.» Trump sei ja schon in der Schweiz.

Diesen Besuch nicht mitzubekommen, ist praktisch unmöglich. Die Liveticker der nationalen Medien liefen heute heiss wegen der Ankunft von Mister President in der Schweiz.

Hot Dogs ziehen einfach immer.

Hot Dogs ziehen einfach immer.

(Bild: sib)

Was hält Nathaniel, Mitorganisator der Aktion, vom Auswuchs des Staatsbesuchs eines einzelnen 71-jährigen Mannes? Er kommt auf die generelle Ressourcenverteilung zu sprechen: «Wenn man sieht, was für Trump alles aufgewendet wird und welche Einbussen die betroffene Bevölkerung dafür in Kauf nehmen muss, gibt dies einem schon zu denken.» Er denke dabei auch an die Hamburger Bevölkerung im Rahmen des letztjährigen G20-Gipfels.

Findet die Aktion eine Fortsetzung?

Es ist gegen 12.30 Uhr und der Bundesplatz füllt sich mit immer mehr hungrigen Menschen. Doch bringen sie auch Wissensdurst mit? Die vier Klassenkameraden suchen die Unterhaltung, doch das Interesse am Wienerli im Brot scheint bei vielen grösser zu sein. Mitorganisator Damian ist trotzdem zufrieden. «Die Leute sind zugänglich und man kommt mit den meisten leicht ins Gespräch.»

13 Uhr. Die Hot Dogs werden weniger und auch der Bundesplatz leert sich langsam wieder. Wie fällt das Fazit von Luca Nadig aus? «Für mich war diese Aktion ein Erfolg, obwohl die Gespräche meist eher an der Oberfläche blieben.»

Zwar nicht selbst erfunden, aber trotzdem gut: Die Anti-Trump-Sprüche auf den Plakaten.

Zwar nicht selbst erfunden, aber trotzdem gut: Die Anti-Trump-Sprüche auf den Plakaten.

(Bild: sib)

Könnte er sich vorstellen, wieder einmal etwas Ähnliches auf die Beine zu stellen? «Das ist sicher nicht auszuschliessen.» Er habe ein Austauschjahr in China verbracht. Dort habe er gesehen, wie prekär beispielsweise die Menschenrechtssituation sei. Es gäbe also noch genügend Anlässe, um Plakate zu schreiben und Hot Dogs zu verteilen.

Die Aktion findet ein eher abruptes Ende, denn die Schule ruft wieder. Französischunterricht. Davos mag heute den Atem anhalten durch Trumps Besuch am WEF. Doch die Welt in der Kanti Zug dreht sich ganz normal weiter.

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