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Heiss, heisser, am heissesten: Jeder Tropfen zählt
  • Gesellschaft
Die Reuss hat einen deutlich tieferen Wasserpegel als noch vor einem Monat. (Bild: jal)

Hitze macht Luzern zu schaffen Heiss, heisser, am heissesten: Jeder Tropfen zählt

7 min Lesezeit 29.07.2018, 12:01 Uhr

In Luzern gilt seit Donnerstag ein Feuerverbot in Waldnähe. Und die Prognosen lassen für den Nationalfeiertag nichts Gutes erahnen. Denn Regen fiel nur am Samstag, was kaum genug sein dürfte. Das bekommen auch Bauern, Brunnen und Böötler zu spüren.

Es ist das Thema der Stunde: die Hitze. Am Mittagstisch, beim Sünnelen in der Badi oder beim Warten auf den Bus – überall wird über das Wetter gesprochen. Der Hochsommer hat die Region im Griff und das seit Tagen. Oder wer erinnert sich noch an den letzten Regenguss vor Samstag? Eben.

Am Sonntag gehe es laut Nicolas Möckli, Meteorologe von Metenews bereits wieder mit einigen Restwolken, aber tendenziell schönem Wetter bis gegen 30 Grad weiter.

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Es bleibt also heiss in Luzern. Und das hat Folgen.

Achtung, Stein!

Zum Beispiel für Badefreudige. Wer dieser Tage die Reuss runterschwimmt oder sich im Boot treiben lässt, dem fällt auf: Der Fluss führt weniger Wasser als auch schon. In der Tat ist der Pegel seit dem Juni um über einen halben Meter gesunken. «Grosse Steine, die den Schwimmern vorher nicht in den Weg kamen, können so zum Problem werden», warnt Philipp Binaghi, Mediensprecher der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG), die zurzeit eine steigende Zahl an Anfragen registriert. Er appelliert an die Vernunft der Badefreudigen und rät, die Route vorher von Land aus anzuschauen – selbst auf Strecken, die man bereits kennt. Denn: «Wenn der Pegelstand sinkt, verändert sich das Gewässer.»

Auch im Vierwaldstätter- und Zugersee sind die Pegelstände unterdurchschnittlich gesunken. Im Strandbad Sursee musste gar das Ein- und Zweimetersprungbrett geschlossen werden, weil der Wasserstand des Sempachersees aussergewöhnlich tief ist, wie die «Luzerner Zeitung» berichtete.

Sprung in den Vierwaldstättersee vom Strandbad Tribschen aus.

Wer in den See springt, sollte sich vorher vergewissern, dass da genügend Wasser ist.

(Bild: zvg / Hallenbad Luzern AG)

Philipp Binaghi rät, besser langsam ins Wasser zu steigen als reinzuspringen. Von Verboten hält die SLRG indes wenig. «Wir wollen den Menschen die Freude am Wasser keineswegs nehmen, sondern sie auf eine gute Art daran heranführen», sagt Binaghi. Er empfiehlt allen, sich die Bade- und Flussregeln nochmals vor Augen zu führen. «Die sind wirklich zentral, denn sie decken zwischen 80 und 90 Prozent der Unfallgefahren ab.» Wer unsicher sei, könne auch mal die regionale Sektion der SLRG anrufen und nachfragen. Oder sich an jenen Schwimmern orientieren, die das Gewässer gut kennen. 

Auf ein erfreuliches Phänomen für Wasserratten machte dieser Tage der «Tages-Anzeiger» aufmerksam: Aufgrund des langanhaltenden Sonnenscheins ist das Wasser in den Seen zurzeit besonders klar. Denn die Algen verabscheuen UV-Strahlung und ziehen sich Richtung Seegrund zurück. 

In Kriens hat es sich ausgesprudelt

Apropos Wasser: In Kriens plätschern die Brunnen nur noch halbherzig vor sich hin – oder wurden teilweise sogar ganz abgestellt. Die Gemeinde reagiert damit auf die anhaltende Trockenheit und den Rückgang der Erträge aus den Quellen (zentralplus berichtete).

In Luzern ist ein Abstellen oder Drosseln des Wassers hingegen kein Thema. Denn die Luzerner Brunnen sind an ein eigenes System angeschlossen. «Diese Quelle produziert nach wie vor mehr Wasser, als wir in den Brunnen brauchen», sagt Florian Aschbacher vom städtischen Strasseninspektorat.

Landwirte auf dem Land haben das Nachsehen

Davon hätte mancher Bauer wohl auch gerne. Denn viele Kulturen leiden unter der anhaltenden Trockenheit. «Die Anfragen wegen Wasserentnahmen aus Gewässern zur Bewässerung haben zugenommen», sagt Werner Goeggel, Leiter der Abteilung Gewässer und Boden bei der Dienststelle Umwelt und Energie des Kantons Luzern. Hoffnung machen dürfen sich aber nur wenige Landwirte. «Wenn in der Landwirtschaft Bedarf vorhanden ist zum Bewässern, haben in der Regel die Gewässer auch tiefe Pegelstände», sagt Goeggel.

Deshalb macht die Dienststelle Umwelt und Energie seit Neuem gleich auf ihrer Website klar: Infrage kommen nur der Vierwaldstätter-, Sempacher-, Baldegger- und Hallwilersee sowie einzelne grössere Flüsse wie die Reuss oder der Aabach im Seetal. «Bei den restlichen Gewässern ist die Situation kritisch, aus diesen darf kein Wasser zur Bewässerung entnommen werden», sagt Werner Goeggel. Denn in einigen Bächen musste der Kanton bereits Fische «notabfischen», weil das Wasser zu knapp und zu warm wurde.

«Wo kein Wasser ist, können wir auch keine Entnahme für Bewässerungen bewilligen.»

Werner Goeggel, Leiter Abteilung Gewässer und Boden

Im Umkehrschluss heisst das auch: Bauern, die nicht an den genannten Gewässern liegen, haben das Nachsehen. «Das ist letztlich ein Risiko der Landwirtschaft, doch wo kein Wasser ist, können wir auch keine Entnahme für Bewässerungen bewilligen», sagt Goeggel. Natürlich sei der eine oder andere Bauer nicht erfreut über die Absage, doch die meisten hätten Verständnis für die Situation. 

Bislang hat der Kanton laut Goeggel nur «eine Handvoll» Bewilligungen an Bauern erteilt, die Wasser aus dem See oder dem Fluss entnehmen dürfen. Denn Bewilligungen werden nur für die Bewässerung von Gemüse, Obst oder Spezialkulturen erteilt. «Um Maisfelder grossflächig zu benetzen oder grüne Wiesen zu bewässern, hat es zu wenig Wasser und es gibt daher keine Bewilligung», sagt Goeggel. Zudem darf das Wasser nur abends, nachts oder frühmorgens gebraucht werden, da es ansonsten zu schnell verdunstet. Und: Wer illegal Wasser abzapft, muss mit einer Anzeige und Busse rechnen.

Cervelat aus der Bratpfanne?

Mit einer saftigen Busse von bis zu 20’000 Franken bestraft werden jene, die sich nicht an das Feuerverbot halten. Seit diesem Mittwoch ist es in Luzern und Zug verboten, in Wäldern oder am Waldrand Feuer zu entfachen. Die Waldbrandgefahr wird in Luzern und Zug als gross eingestuft. Wer eine Rakete zünden oder die Cervelat grillieren will, muss einen Mindestabstand von 200 Metern zum Wald einhalten. Oder anders gesagt: Wer sich am Wochenende am kühlen Waldrand ein Picknick mit Grilladen gönnen wollte, muss seinen Korb woandershin verfrachten.

In der Zentralschweiz gilt wie in vielen Kantonen der Deutschschweiz Feuerverbot im Wald und in Waldnähe. Im Süden gilt gar ein absolutes Feuerverbot, während in der Romandie und in Teilen Graubündens erst Empfehlungen, aber keine Verbote ausgesprochen wurden. (Grafik: Bundesamt für Umwelt)

In der Zentralschweiz gilt wie in vielen Kantonen der Deutschschweiz Feuerverbot im Wald und in Waldnähe. Im Süden gilt gar ein absolutes Feuerverbot, während in der Romandie und in Teilen Graubündens erst Empfehlungen, aber keine Verbote ausgesprochen wurden. (Grafik: Bundesamt für Umwelt)

Das Feuerverbot gilt seit Donnerstag – und könnte bis zum Nationalfeiertag anhalten. Der Kanton schliesst das zumindest nicht aus, sollten die angekündigten Gewitterregen die Situation nicht wesentlich entschärfen. Ob es so weit kommt, entscheidet der Kanton am Montagmittag.

Ob der Regen vom Samstag die nötige Entspannung bringen würde, wagte Nicola Möckli von Meteodienst im Vorfeld zu bezweifeln. «Ein lokaler Schauer oder mal ein Gewitter wird gegen die Trockenheit nicht viel nützen. Dazu bräuchte es flächendeckenden Regen über längere Zeit.» Insofern sei die Wahrscheinlichkeit für ein Feuerverbot relativ gross. Ein kleiner Trost: Zumindest dürfte der 1. August ein typischer Hochsommertag werden – ob ein schöner oder ein gewittriger, das kann man laut Möckli zurzeit allerdings noch nicht definitiv sagen.

Feuerwerk – retour an den Absender

Auf das drohende Verbot am 1. August reagiert auch der Detailhandel. Denn wer will schon gross Feuerwerk verkaufen, wenn es ohnehin nirgends abgefeuert werden kann? Bereits für einen Verkaufsstopp entschieden haben sich zum Beispiel die Migros in Bern oder Aldi im Tessin und Wallis. In der Zentralschweiz sieht die Lage zurzeit noch etwas entspannter aus.

«Wir richten uns nach dem kantonalen Abbrennverbot», sagt Markus Eugster, Leiter Kommunikation der Coop-Verkaufsregion Nordwestschweiz-Zentralschweiz-Zürich. Das heisst: Sollte der Kanton am Montag ein Feuerverbot für den Nationalfeiertag verhängen, dürften Raketen und Vulkane in den Coop-Supermärkten nicht mehr zu finden sein. Obwohl ein Feuerverbot keineswegs einem Verkaufsverbot gleichkommt. «Wir verzichten bei einem Abbrennverbot freiwillig auf den Verkauf», sagt Eugster. Bereits gekauftes Feuerwerk könne in diesem Fall gegen den Kaufbetrag umgetauscht werden. Vorerst aber startet der Zusatzverkauf diesen Samstag.

«Sollte einer der sechs Zentralschweizer Kantone ein offizielles Feuerwerksverbot aussprechen, wird die Migros Luzern in diesem Kanton kein Feuerwerk verkaufen.»

Lisa Savenberg, Mediensprecherin Migros Luzern

Genauso verfährt die Genossenschaft Migros Luzern, wo der Feuerwerksverkauf ebenfalls am Samstag startet. «Wir folgen den Empfehlungen der kantonalen Behörden. Sollte einer der sechs Zentralschweizer Kantone ein offizielles Feuerwerksverbot aussprechen, wird die Migros Luzern in diesem Kanton kein Feuerwerk verkaufen, respektive den Verkauf in den entsprechenden Filialen stoppen», sagt Mediensprecherin Lisa Savenberg. Auch die Migros würde in diesem Falle bereits gekaufte Waren bis am 2. August zurücknehmen.

Bei Aldi orientiert man sich ebenfalls an den offiziellen Weisungen für ein Feuerverbot im Freien – sollte ein solches auch für die Zentralschweiz gelten, würde der Verkauf auch hier eingeschränkt. «Darüber hinaus stehen wir mit diversen lokalen Behörden im Austausch, so dass wir auf allfällige Empfehlungen flexibel je nach Gemeinde und Filiale reagieren können», sagt Mediensprecher Philippe Vetterli.

So oder so: Für die Pyrotechniker dürfte es wenig zu feiern geben dieses Jahr. Besonders betroffen ist auch die Luzerner Firma Bugano, einer der grössten Produzenten von Feuerwerk. «Gerade laufen unsere Telefone heiss, weil Kunden ihre Bestellungen stornieren», sagte Verkaufsleiter Daniel Bussmann diese Woche gegenüber dem «Blick». Den Schaden, der durch die Verbote entstehe, mochte er noch nicht beziffern, doch eine Kompensation sei unmöglich. Die Branche macht einen Grossteil des Umsatzes am 1. August. Entsprechend regt sich der Bugano-Chef über die generellen Verbote auf, die an manchen Orten gelten: «Die haben doch einen Knall!», so sein entnervtes Fazit.

Hinweis: Tipps für kühle Alternativen in Luzern finden Sie im Artikel «Hochsommer – an diesen zehn Orten überstehen Sie die Hitze».

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