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Heinz Tännler: «Ich politisiere nicht mit Würmern oder Sünneli»
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SVP-Ständeratskandidat Heinz Tännler verteilt bereits frühmorgens Gipfeli und Flyer am Bahnhof in Zug. (Bild: les)

Zuger Ständeratskandidat dank Schwingfest im Fokus Heinz Tännler: «Ich politisiere nicht mit Würmern oder Sünneli»

5 min Lesezeit 3 Kommentare 10.09.2019, 03:51 Uhr

Das Eidgenössische bescherte SVP-Regierungsrat Heinz Tännler schweizweite Aufmerksamkeit. Dass hinter dem OK-Präsidium Kalkül für die Ständeratswahlen steckte, bestreitet er vehement. Im Wahlkampf positioniert sich Tännler als Gegner der Lobbyisten. Das Parteilogo sucht man in seiner Kampagne vergeblich.

Es ist Morgen, kurz vor halb sieben. Der Zuger SVP-Regierungsrat Heinz Tännler verteilt am Bahnhof Zug fleissig Gipfeli. Dazu drückt er den Pendler einen Flyer in die Hand. Alles geht ruckzuck. «Lange Gespräche sind selten», meint Tännler. «Ich erhalte aber zahlreiche Komplimente fürs Eidgenössische», sagt der 59-Jährige. Tännler amtete beim grössten Anlass, den Zug je erlebt hat, als OK-Chef.

Kurze Zeit später sind die letzten Gipfeli verteilt. Wahlkampfleiter Gregor Bruhin schiesst noch ein Foto des SVP-Ständeratskandidaten. Gemeinsam mit den anderen Helfern Philip C. Brunner, André Wicki und Daniel Gruber geht’s zur frühen Stunde noch ins Café. «Bis 7.15 Uhr, dann muss ich ins Büro», sagt Tännler.

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Handgeschriebene Gratulationen

Heinz Tännler ist der grösste Trumpf, den die SVP schweizweit hat, für ein zusätzliches Mandat im Stöckli. Der frühere Zuger Bau- und heutige Finanzdirektor hat sich als Macher einen Namen gemacht. Dass er als SVPler bei den letzten Erneuerungswahlen das zweitbeste Resultat erzielte, zeugt von breiter Akzeptanz über die Parteigrenzen hinaus. Und über allem schwebt sein Engagement fürs Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF).

«Als ich am Freitagnachmittag das Bier anzapfte, ist der ganze Druck abgefallen.»

Heinz Tännler

Noch immer ist das ESAF sehr präsent. «Hunderte E-Mails und Dutzende handgeschriebene Briefe habe ich erhalten. Mit so vielen Reaktionen hätte ich wirklich nicht gerechnet», sagt Tännler. Die Rückmeldungen sind durchaus positiv. Er ist sichtlich stolz: «Wir haben uns sieben Jahre akribisch auf diesen Event vorbereitet.» Den Grossanlass selber habe er geniessen können. «Als ich am Freitagnachmittag das Bier anzapfte, ist der ganze Druck abgefallen», erzählt Tännler. «Ich wusste, jetzt kommt’s gut.» Bereits beim Festumzug habe er die Stimmung richtig aufsaugen können.

Fasziniert zeigt er sich über die Kameradschaftlichkeit und den gegenseitigen Respekt. Nicht nur im Sägemehl, sondern auch auf den Tribünen oder gegenüber den Chrampfern. «So etwas erlebt man in der Politik nicht», sagt Tännler. Da werde mehr «geelbögelt».

OK-Präsidium als Wahlkampfplattform?

Der Hype ums Schwingfest war gigantisch. Das Schweizer Fernsehen übertrug stundenlang, Heinz Tännler erhielt dadurch Medienpräsenz zur besten Sendezeit. Ein unbezahlbarer Werbeeffekt für einen Politiker? Tännler entgegnet: «Unbezahlbar für den Kanton Zug.» Beim ESAF habe der Kanton Zug den Ruf entkräften können, lediglich ein Wirtschaftsmotor und eine Tiefsteueroase zu sein. Dies strich Tännler auch in seiner Festrede am Sonntagmorgen vor 56’000 Zuschauern in der Schwingarena hervor. «Zug ist dörflicher und traditioneller, als man meint. Darum passt das Schwingen perfekt zu uns», so der SVP-Politiker.

Heinz Tännler stand beim ESAF im Mittelpunkt. (Bild: Andreas Busslinger)

Tännler stand während des ESAF im Fokus und das tut er auch im Ständeratswahlkampf. Schliesslich dürfte das Rennen zwischen den drei Bürgerlichen Peter Hegglin (CVP, bisher), Matthias Michel (FDP) und dem SVPler eng werden.

Tännler stört sich daran, dass ihm vorgeworfen wird, er nutze das OK-Präsidium als Wahlkampf-Plattform. «Hören Sie auf mit dieser Mär», sagt er. «Als die Initianten vor sieben Jahren bei mir im Büro waren habe ich Hegglin, Pfister und weitere für den Job empfohlen.» Niemals habe er damals an die Wahlen vom 20. Oktober 2019 gedacht. Dass ihm das reibungslose Gelingen des ESAF nun nutzt, streitet er jedoch auch nicht ab. Tännler meint trocken: «Glückliche Fügung.»

«Ich gehe am Abend nie ins Bett, ohne alle meine Mails abgearbeitet zu haben.»

Das ESAF habe ihn in den Monaten und Jahren zuvor vor allem an Wochenende beschäftigt. «Meine Freizeit hat stark gelitten», sagt er. Als Regierungsrat war er unter der Woche stark eingespannt. zentralplus fragte kürzlich: Wie schafft er das? Tännler erklärt: «Man muss sich gut organisieren.» Aufgaben delegieren zu können, sei nötig. «Aber man muss immer klar einfordern, bis wann was erledigt sein muss und dies auch kontrollieren.»

Im Gespräch erklärt er, er habe vor der Gipfeli-Aktion am Bahnhof zu Hause bereits eine halbe Stunde gearbeitet. «Ich gehe auch am Abend nie ins Bett, ohne alle meine Mails abgearbeitet zu haben.» Tännlers Arbeitsethik würde wohl auch nichts anderes zulassen.

Tännler distanziert sich nicht von Wurmplakat

Der SVP-Regierungsrat wird von einem überparteilichen Komitee unterstützt. Im Komitee finden sich Persönlichkeiten wie FCL-Investor Bernhard Alpstaeg oder der frühere Novartis-Boss Daniel Vasella. Auffällig: Bei seiner Kampagne fehlt das SVP-Sünneli. «Man weiss ja, in welcher Partei ich bin», sagt Tännler dazu.

Doch ist es so simpel? Schliesslich ist es seine Partei, welche auf Plakaten die politischen Gegner als Würmer verunglimpft und beinahe täglich gegen ein Rahmenabkommen mit der EU wettert. Tännler will zum Plakat keine Stellung nehmen. «Ich trete für den Kanton Zug an. Ich politisiere nicht mit Würmern, Sünneli oder Schmetterlingen», sagt er.

Tännler, der Anti-Lobbyist

Tännler will sich auch nicht von Interessenverbänden vereinnahmen lassen. Den Lobbyismus sieht er als grosses Problem. Die private Mandatsammlerei sei ein Unding. «Ich würde höchstens ehrenamtliche Mandate annehmen», sagt Tännler.

Allen voran will er aber ein Lobbyist für seinen Kanton werden. «Zug wird in Bundesbern zu wenig gehört», sagt Tännler. Man sei zu demütig. «Das Wallis oder die Bündner machen es besser», ist sich der SVP-Mann sicher. Dies sei nicht als Kritik an den bisherigen Ständeräten zu verstehen. «Es ist einfach eine Feststellung»» sagt Tännler. «Zug ist ein hochinnovativer Kanton.» Diesen Drive wolle er ins Bundeshaus bringen.

Gregor Bruhin (links) leitet Heinz Tännlers Wahlkampf. Philip C. Brunner schaut zu.

Heinz Tännler, 59-jährig, lange als Anwalt tätig, Familienvater, ergrautes Haar. Von seinem Schlag gibt es im Ständerat viele. Doch der Zeitgeist verlangt nach Frauen. Optimal mit einem Faible fürs Klima. «Die Bevölkerung weiss, wofür ich einstehe», sagt Tännler, der sich nicht anpassen will. Mit Verlusten für die SVP müsse man rechnen, ist sich sein ganzes Team einig. Bei den Ständeratswahlen sei die Ausgangslage jedoch besser. «Der Heinz schafft das», sind sich seine Komplizen einig.

Pünktlich um Viertel nach Sieben macht sich Heinz Tännler auf den Weg in sein Büro. Als ihm auf dem Trottoir ein E-Trottinett den Weg versperrt, ärgert er sich kurz. «Diese Fahrzeuge sind ein Problem.» Von einer Regulierung möchte er aber absehen. «Es hat mit Anstand zu tun, dass man das Trottinett nicht mitten in den Weg stellt», sagt er, «aber da ist wohl noch viel zu tun.»

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3 Kommentare
  1. R.Heusser, 17.09.2019, 23:50 Uhr

    Ist das nicht der Herr , der fast 300000.- im Jahr verdient ? Und mit seiner Aussage , dass es genug bezahlbaren Wohnraum in Zug gibt , all jene vor den Kopf stösst , die KEINE Wohnung finden , weil sie eben NICHT so viel verdienen ? Braucht es nicht endlich Politiker in Bern , die das Volk vertreten ?Statt solche , die mit einem Gipfeli auf Wahlfang für eine Partei zu gehen , die andere als Würmer darstellen . Herr Tännler stellt sein Fähnchen gegen den Wind , aber seine Gesinnung bleibt . Das hat er mit seinem Erfolg gegen die jungen Grünen erfolgreich gezeigt . Und solche braucht es nicht in Bern .

  2. Herbert, 10.09.2019, 12:03 Uhr

    Ist das wieder eine Publireportage?

    1. Redaktion Linus Estermann, 10.09.2019, 13:41 Uhr

      Nein, im Rahmen unserer Berichterstattung zu den Wahlen stellen wir in den folgenden Tagen alle Ständeratskandidaten aus Luzern und Zug vor. Publireportagen sind als solche gekennzeichnet.