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Heinz – Kunst vom und für den kleinen Mann
  • Kultur
  • Rezension
«Heinz» ganz klein. (Bild: zvg)

Luzern: Er steht ein Jahr am Kreuzstutz Heinz – Kunst vom und für den kleinen Mann

3 min Lesezeit 25.08.2017, 19:30 Uhr

Die neue Ausstellung der Kunsthalle Luzern widmet sich einem einzelnen Kunstwerk — der Kreuzstutz-Kreisel-Plastik «Heinz» von Christoph Fischer. Der Zeitpunkt dieser Materialschau ist nicht nur aufgrund des enormen Erfolgs von «Rue de Blamage» sehr treffend, sondern zeigt in Zeiten des fortschreitenden Abbaus auf, wie wertvoll solche Projekte sind.

Kaum ein anderes öffentliches Kunstwerk hat in den letzten Jahren ein solch breites Interesse ausgelöst wie Christoph Fischers 3,5 Meter grosser «Heinz» in der Baselstrasse. Daran dürfte mit Sicherheit der filmische Publikumsliebling «Rue de Blamage» schuld sein, welcher die letzte Phase des Projekts anschnitt. Dessen Anfang war aber bereits viel früher, im Jahre 2009. 

Auf Initiative des Vereins BaBel, der katholischen Kirche und den umliegenden Schulen sollte der damals morbide gewordene Holzturm durch ein neues Kunstobjekt ersetzt werden, welches dem Reichtum an Kulturen in der Basel- und Bernstrasse Rechnung tragen sollte. Letzteres wurde rückblickend zwar nicht direkt umgesetzt, das Kunstwerk entwickelte sich aber zum Denkmal an den kleinen Arbeiter, mit dem sich auch die allermeisten Einheimischen identifizieren können.

Dutzende Zeichnungen zieren die Wände.

Dutzende Zeichnungen zieren die Wände.

(Bild: zvg)

Mehrere Tausend Arbeitsstunden

Jetzt, nachdem «Heinz» für fast ein Jahr allen Witterungen am Kreuzstutz getrotzt hat, soll das Projekt mit einer öffentlichen Materialschau sein Ende finden. Es ist eindrücklich zu sehen, wie viel Recherche, Organisation, Gedanken und Modellstudien in den sieben Jahren durch Christoph Fischer entstanden sind. In mehreren Tausend Arbeitsstunden entstanden Hunderte von E-Mails, Skizzen, Fotos, Gussformen und Baupläne, welche sich zu einer riesigen Gesamtcollage vermengen. Insbesondere Fischers Bleistiftskizzen mögen durch ihre Einfachheit, aber zugleich unglaubliche Präzision begeistern. 

Begleitet wird die Materialschau im Kabinett durch weitere Fischersche Beobachtungsstudien am Kreuzstutz-Kreisel, welche man selber auf dem typischen «blauen Bänkli» geniessen darf. Die Aufnahmen kommen in der bekannten verwackelten Fernrohroptik daher und zeigen amüsant bizarre Strassenszenen. Leider wurden nur sehr wenige Ausschnitte gewählt und das Video wiederholt sich bereits nach kurzer Zeit. Allgemein fühl sich das Kabinett wie ein Fremdkörper an; ein Bezug zu oben fehlt — darüber hinweg kann auch der etwas verloren wirkende Monitor mit Objektstudien über Heinz Gilli nicht hinwegtäuschen.

Heinz Gilli betrachtet «seine» Statue.

Heinz Gilli betrachtet «seine» Statue.

(Bild: zvg)

Nichtsdestotrotz ist die Ausstellung gelungen und trägt dazu bei, einer breiteren Öffentlichkeit einen Einblick in das Kunstschaffen zu gewähren. Die Materialschau in der Kunsthalle zeigt auf, dass der öffentliche Raum eben auch durch viele private Einzelleistungen von Kultur- und Kunstschaffenden positiv geprägt wird.

«Heinz statt Blumen»: Im Rahmen der Ausstellung erschien auch die sehr schön gestaltete Publikation «Heinz statt Blumen» (in der Kunsthalle für 20 Franken erwerblich), welche von vielen Anekdoten begleitet nochmals den ganzen Arbeitsprozess dokumentiert.

Kunsthoch Luzern: Samstag, 2. September, 12 bis 19 Uhr: Im Rahmen des Kunsthochs Luzern macht Michael Sutter zusammen mit Christoph Fischer jeweils zur vollen Stunde eine Kurzführung.

Finissage: Sonntag, 17. September, 10 bis 16 Uhr: Um 11 Uhr wird «Rue de Blamage» für 15 Franken im Stattkino aufgeführt. Die vielleicht letzte Möglichkeit, den Film noch im Kino zu sehen.

Jonas Petermann

Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit kulturteil.ch entstanden und kann dort ebenfalls gelesen werden.

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