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Heimlieferdienste, die kaum ein Luzerner nutzen will
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Einkaufstüten abgeben und bequem nach Hause liefern lassen. Die Mall macht’s möglich. (Bild: zvg)

Warum Angebot der Einkaufszentren (bisher) floppt Heimlieferdienste, die kaum ein Luzerner nutzen will

4 min Lesezeit 29.12.2017, 17:04 Uhr

Shoppen, die Taschen deponieren – und sie kurz darauf an der Haustür wieder entgegennehmen: Die Mall in Ebikon und das Emmen Center bieten seit einigen Wochen einen Heimlieferservice an. Bis jetzt findet die Idee aber kaum Anklang. Über die Gründe sowie über mögliche Konsequenzen sind sich die Verantwortlichen uneinig.

Mall-Besuchern steht seit Mitte November ein Heimlieferservice zur Verfügung. Schon seit der ersten Vision des Projekts der Mall hat man sich mit der Idee des Heimlieferservices auseinandergesetzt. Kunden können ihre Einkäufe am Servicepoint aufgeben, diese werden – in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Post – direkt vor die eigene Haustüre geliefert. Bis Ende Jahr steht dieser Dienst kostenlos zur Verfügung.

Auch die Konkurrenz schläft nicht: Das Emmen Center hat einen Heimlieferservice in Kooperation mit der Post, der bis Ende Januar für Regionen rund um das Einkaufszentrum kostenlos bezogen werden kann. Dieser wurde am 8. November in Betrieb genommen.

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«Es braucht Überzeugungsarbeit»

Stösst die Idee auf Anklang? Die Leistung werde momentan nur sporadisch in Anspruch genommen, meint Werner Schaeppi. 

Wie der Heimlieferservice funktioniert

Shopping-Besucher der Mall und auch des Emmen Centers können je zwei Tragtaschen am Servicepoint (Mall) bzw. bei der Kundeninformation im 1. OG (Emmen Center) abgeben. Die Zustellung findet in der Stadt und Agglomeration rund um die Einkaufszentren am selben Abend statt. Schweizweit wird die Ware am Tag darauf geliefert.

Eine momentane Schwachstelle sind starke Temperaturschwankungen, die während des Transports anfallen können. Verderbliche Lebensmittel oder Nahrungsmittel, die dringend gekühlt werden, sind für den Transport bis anhin nicht geeignet.

Dabei ist zu beachten, dass nur Waren, die in den Einkaufszentren selbst gekauft wurden, aufgenommen werden. Persönliche Gegenstände wie Reisegepäck und Wertsachen können nicht zur Lieferung aufgegeben werden.

Zahlen werden keine bekannt gegeben. «Wir müssen den Konsumenten den Nutzen des Heimlieferservices mehr vor Augen führen», sagt er. Dass man in der Mall seine Einkaufstüten abgeben und sich ohne die Last weiter vergnügen kann – während die Fracht vor die eigene Haustüre geliefert wird –, hätten offenbar viele noch nicht mitbekommen. «Wir müssen den Heimlieferservice zwingend stärker propagieren», erklärt er. «Es braucht Überzeugungsarbeit.»

Im Emmen Center sieht das ähnlich aus. Leiter Roland Jungo meint, dass das Angebot bis anhin nur wenig genutzt werde, Zahlen wolle man keine kommunizieren. Dies, obwohl derweil gezielt für das neue Angebot geworben wird: So fände man an jeder Kasse in den Läden des Einkaufszentrums Flyer, die auf dem Heimlieferservice aufmerksam machen.

Als Hauptgrund für die bisher überschaubare Nutzung nennt Jungo den Standort des Einkaufszentrums: Ein Grossteil der Kunden reise mit dem Auto an. Das Emmen Center bietet seinen Kunden über 2’000 Gratisparkplätze an, weshalb der Lieferservice keinen Mehrwert fände. «Wir befinden uns in einer Einführungsphase, aus der wir unsere Lehre ziehen werden», so Jungo.

«Ich glaube nicht, dass man den Heimlieferservice in Zukunft kostendeckend anbieten kann.»

Roland Jungo, Leiter Emmen Center

«Anfang nächsten Jahres werden wir eine erste Bilanz ziehen und das Projekt kritisch hinterfragen», sagt Jungo. Er äussert aber bereits jetzt erste Vermutungen, weshalb das Angebot wenig Gefallen finde: Ob schlichtweg das Bedürfnis der Kunden nicht vorhanden sei oder es zu wenig stark kommuniziert wurde, so Jungo.

Onlinehandel erfordert Umdenken

Doch weshalb bieten Einkaufszentren für ihre Kunden einen Heimlieferservice an, wenn das Bedürfnis offenbar nur gering ist?

Ziel der Mall sei es, Besucher, die ohne Auto anreisen, nicht zu bestrafen, indem sie mühselig ihre Einkaufstüten selbst nach Hause transportieren müssten. «Wenn die Mall will, dass möglichst viele Kunden per Velo, Bus oder Bahn anreisen, muss sie konsequenterweise auch einen starken Heimlieferservice anbieten», erklärt Werner Schaeppi.

Jan Wengeler, Centerleiter der Mall of Switzerland (links) und Werner Schaeppi, Kommunikationsbeauftragter der Mall, zeigen sich über den neu eingeführten Heimlieferservice optimistisch.

Jan Wengeler, Centerleiter der Mall of Switzerland (links), und Werner Schaeppi, Kommunikationsbeauftragter der Mall, zeigen sich in Bezug auf den neu eingeführten Heimlieferservice optimistisch.

(Bild: zvg)

Roland Jungo argumentiert, dass es als Dienstleistungsbetrieb wichtig sei, das Angebot laufend zu erweitern. In Zeiten der Onlinekultur hätten sich Konsumenten an eine Heimlieferung gewöhnt. Schaeppi schliesst sich dem an. Infolge des Onlinehandels brauche es ein Umdenken von Einkaufszentren, meint der Kommunikationsbeauftragte der Mall.

«Die Heimlieferung muss sich im Bewusstsein des Konsumenten erst noch etablieren.»

Jan Wengeler, Centerleiter der Mall of Switzerland

Der Heimlieferservice steht bis Ende Jahr kostenlos zur Verfügung. Die Verantwortlichen der Mall seien in Diskussion, diese Aktion zu verlängern, gemäss Schaeppi. Über mögliche Preisvorstellungen habe man sich noch nicht geeinigt, so Schaeppi wie auch Jungo. «Dies wird Teil der Analyse sein», so Jungo.

Die Statements der Verantwortlichen, wie sich das Projekt weiterentwickeln wird, könnten unterschiedlicher nicht sein. Die Mall zeigt sich zuversichtlich, dass der Heimlieferservice mehr in Gebrauch genommen wird, sofern man die Bekanntheit gesteigert habe, und betont den Sinn und Zweck davon. Auch rentabel soll es für die Mall werden, so Schaeppi.

«Es ist eine Einführungsphase, aus der wir unsere Lehren ziehen werden.»

Roland Jungo, Leiter des Emmen Centers

Jan Wengeler, Centerleiter der Mall of Switzerland, ist optimistisch: «Die Heimlieferung ist ein toller Service, der sich aber im Bewusstsein des Konsumenten erst noch etablieren muss.» Er teilt die Meinung, dass Kunden, die den Service ausprobieren, ihn mit grosser Wahrscheinlichkeit wieder nutzen werden.

Roland Jungo sieht dies kritischer: «Ich glaube nicht, dass man den Service auch in Zukunft kostendeckend anbieten kann.»

Post statt regionaler Anbieter

Während andere Einkaufszentren mit regionalen Paertnern zusammen arbeiten, setzt man in Luzenr auf die Post. «Die Schweizerische Post hat die notwendigen logistischen Ressourcen dazu. Zudem hat sie den Ruf, dass man ihr als Kunde sein Vertrauen schenkt», so Schaeppi. Man habe jedoch verschiedene Angebote überprüft.

«Die Wahl ist auf die Post gefallen», beginnt Roland Jungo, «da diese betreffend Infrastruktur und Angebot eine zuverlässige Partnerin darstellt. Es braucht einen starken Partner, der ein bestimmtes Know-how mitbringt. So können versprochene Leistungen auch sichergestellt werden.»

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