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«Heimische Kultur» muss nicht auf den Lehrplan
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Die Stadt Zug nimmt eine Pionierrolle bei den Integrationsklassen für Flüchtlingskinder ein: Der kantonale Bildungsdirektor Stephan Schleiss und Stadträtin Vroni Müller-Straub vor dem Gebäude an der Baarerstrasse, wo die Kinder zur Schule gehen werden. (Bild: slam)

Mehr Geld für Zuger Integrationsklassen «Heimische Kultur» muss nicht auf den Lehrplan

2 min Lesezeit 27.10.2016, 12:59 Uhr

Der Zuger Kantonsrat hat an seiner heutigen Sitzung ein neues Gesetz für die neu geschaffenen Integrationsklassen für Kinder aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich behandelt. Die Stadt Zug hat vor vier Tagen die erste Primarschulklasse eröffnet. Zu reden gab vor allem die Höhe des Beitrags, den der Kanton den Gemeinden für die Führung solcher Klassen vergütet.

Der neue Schulraum für Flüchtlingskinder ist jetzt schon Realität (zentralplus berichtete). Es fehlt nur noch die gesetzliche Grundlage dafür. Und diese war am Donnerstag im Kantonsrat ein Thema.

Notwendigkeit unbestritten

Dass Flüchtlingskinder für maximal ein Jahr in separaten Integrationsklassen der Primarschule Deutsch lernen und mit der hiesigen Kultur vertraut gemacht werden sollen, ist bei allen Parteien unbestritten. Zug reagiert damit auf die aktuelle Lage. Vertreter verschiedener Parteien brachten in der Debatte vor, dass sie die Lösung in Zug begrüssen, aber natürlich hofften, dass sich die Flüchtlingssituation bald entspanne. Zudem wurde andiskutiert, ob man solche Klassen auch auf der Sekundarstufe einführen sollte.

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«Wir finden die Integrationsklasse gut, sind aber gegen eine Luxuslösung.»

Jürg Messmer, SVP-Kantonsrat

Hauptthema der Diskussion war jedoch das Finanzierungsmodell. Konkret ging es dabei um die Höhe der Abgeltung des Kantons an die Gemeinden für das Führen einer solchen Klasse.

15’000 oder 20’000 Franken?

Der Regierungsrat beantragte, dass die Gemeinden monatlich eine Normpauschale von 15’000 Franken pro Klasse erhalten sollen. Die Bildungskommission wollte eine Erhöhung auf 20’000 Franken. Die Parteien sprachen sich dafür aus, nur die SVP-Fraktion war dagegen. «Wir finden die Integrationsklasse gut, sind aber gegen eine Luxuslösung», sagt Jürg Messmer.

Die Stadt Zug hat als erste Gemeinde vor vier Tagen eine solche Klasse gestartet. CSP-Kantonsrätin und Zuger Stadträtin Vroni Straub-Müller sagte dazu: «Wir erwarten einen fairen Finanzierungsschlüssel. Die Stadt Zug hat im Waldheim am meisten Kinder aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich und sollte nicht dafür bestraft werden», sagt sie. 20’000 Franken seien angemessen. «Das zeigen die Erfahrungswerte aus der Kleinklasse Deutsch.»

«Es handelt sich nämlich bei diesen Integrationsklassen praktisch um ein Sonderschulsetting mit teilweiser 1:1-Betreuung.»

Zari Dzaferi, SP-Kantonsrat

Auch die SP-Fraktion beantragte eine Erhöhung des Beitrags auf 20’000 Franken. «Es handelt sich nämlich bei diesen Integrationsklassen praktisch um ein Sonderschulsetting mit teilweiser 1:1-Betreuung», sagt Zari Dzaferi. Das koste deutlich mehr als die Regelschule.

Das Anliegen der Linken fand Gehör. Der Kantonsrat stimmte der Erhöhung des Kantonsbeitrags auf 20’000 Franken schliesslich mit 44 Ja- zu 22 Nein-Stimmen zu. Die restlichen Kosten sollen die Gemeinden solidarisch unter sich aufteilen, wobei die Einwohnerzahl ausschlaggebend für die Höhe des Betrages sein soll.

Erfahrungsbericht nach zwei Jahren

Die Parteien feilten noch an den Details des vorgelegten Gesetzes. Ein Antrag der SVP, das Erlernen der heimischen Kultur gesetzlich zu verankern, wurde mit 25 Ja- zu 44 Nein-Stimmen abgelehnt. Einem weiteren Antrag der Volkspartei, dass nach zwei Jahren ein Zwischenbericht über die Erfahrung mit den Integrationsklassen vorgelegt werden soll, stimmte der Zuger Kantonsrat zu.

Am 24. November wird das Gesetz nochmals beraten und unter Dach und Fach gebracht.

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