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Heimatschützer zum CSS-Neubau: «Zehn Jahre passiert hier nichts»
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Das Gewerbegebäude von 1933 an der Tribschenstrasse. (Bild: fam )

Luzern: Petition mobilisiert gegen Abrisspläne Heimatschützer zum CSS-Neubau: «Zehn Jahre passiert hier nichts»

4 min Lesezeit 2 Kommentare 28.09.2017, 04:54 Uhr

Der Widerstand gegen den geplanten CSS-Neubau in Luzern nimmt zu: Eine Petition verlangt, dass das Gewerbegebäude im Tribschenquartier unter Schutz gestellt wird. Und der Heimatschutz verkündet: Das Geld für den Rechtsstreit bis vor Bundesgericht habe man bereits zur Seite gelegt.

Der Knatsch um das Gewerbegebäude im Luzerner Tribschenquartier ist in vollem Gange. Die Krankenversicherung CSS will auf dem Grundstück neben ihrem modernen Glasbau einen Neubau errichten und dort 500 Arbeitsplätze schaffen. Doch weil das Gebäude möglicherweise unter Schutz gestellt wird, geht es schon länger nicht vorwärts (zentralplus berichtete).

Der Entscheid über die Unterschutzstellung durch die kantonale Dienststelle für Hochschulbildung und Kultur steht noch aus – dürfte aber in den nächsten Tagen fallen. Um dem Anliegen der Abbruch-Gegner Nachdruck zu verleihen, hat ein Komitee bestehend aus verschiedenen Ingenieur-, Architekten- und Heimatschutz-Vereinigungen eine Petition lanciert.

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«Pionierbau für Schweizer Architektur»

Es seien rund 2’500 Unterschriften zusammengekommen, bestätigt Rainer Heublein vom Innerschweizer Heimatschutz auf Anfrage. «Wir möchten damit Druck aufsetzen. Einerseits auf die Behörden, andererseits aber auch auf die CSS», führt er die Gründe aus.

Heublein sagt: «Es ist wichtig zu wissen: Für die Schweizer Architektur ist das Gewerbegebäude ein Pionierbau.» Das Objekt ist ein moderner Zweckbau aus den 30er-Jahren nach den Prinzipien des Neuen Bauens. Ein Gebäude dieser Bauart sei in der Zentralschweiz einzigartig und ein Abbruch zu verhindern.

Neben dem baulichen Aspekt, betont Heublein, sei das Gebäude in der jüngeren Zeit zu einem Kulturzentrum geworden. Im Tribschen-Gewerbegebäude hatten zuletzt Kultur-Treffpunkte wie die Tamilenschule, die Bude oder das Tivoli Einzug gehalten.

Ein nationales Thema?

Weder Kanton noch Stadt Luzern können über die Zukunft des Gewerbegebäudes bestimmen, findet der Innerschweizer Heimatschutz zusammen mit dem Komitee aus den Planerverbänden der Zentralschweiz. Heublein erklärt: «Wir haben jetzt zwei unabhängige Gutachten, die das Bestehen des Gebäudes zu einem nationalen Thema machen.»

«Wir wollen Arbeitsplätze in der Stadt ansiedeln.»

Christina Wettstein, Mediensprecherin CSS

Die Petitionäre verweisen auf das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung (ISOS). Heublein: «Im ISOS ist das Gewerbegebäude als A-Objekt gelistet. Das heisst, es darf nicht verschwinden. Aber das hat man in der Stadt Luzern nicht wahrgenommen.»

Widerstand ist bereits budgetiert

Sollte der Kanton Luzern entscheiden, das Haus nicht unter Schutz zu stellen, so hat der Heimatschutz trotzdem mehrere Male die Möglichkeit, den Abbau auf juristischem Weg zu verhindern. Zuerst kann er bei der Neuauflage des Bebauungsplans Einsprache erheben, danach je nachdem bei der Zonenplananpassung und schlussendlich, wenn das Baugesuch vorliegt. Der Heimatschutz werde bei jedem Schritt das Einspracherecht nutzen, kündigt Heublein an.

Und zwar gehe man bis zum Äussersten: «Wir sind bereit, jede dieser Einsprachen bis vor Bundesgericht weiterzuziehen», sagt Heublein. «Das Budget dafür haben wir bereits eingeplant.» Und das strapaziert die Geduld der CSS – Heublein rechnet vor: «Jede Einsprache verzögert das Projekt pro Verfahrensstufe um rund ein Jahr. In den nächsten zehn Jahren passiert hier also nichts.»

«Man könnte der CSS beispielsweise ein grösseres Bauvolumen zugestehen, wenn sie im Gegenzug das Gewerbegebäude bestehen lässt.»

Rainer Heublein, Innerschweizer Heimatschutz

Christina Wettstein, Mediensprecherin der CSS, sagt: «Wir nehmen die Petition zur Kenntnis. Es ist das Recht dieser Verbände, auf diese Art ihre Meinung auszudrücken.» Zur drohenden langjährigen Verzögerung des Neubauprojekts führt sie weiter aus: «Auch hier: Es ist das Recht des Heimatschutzes, Einsprache zu erheben. Für uns ist es wichtig, Planungssicherheit zu haben. Wir wollen Arbeitsplätze in der Stadt Luzern ansiedeln. Natürlich sind längere Verzögerungen dabei nicht in unserem Sinn.»

Grösseres Bauvolumen als Kompromiss?

Doch der Heimatschutz biete den Verantwortlichen Hand – wenn diese denn wollten. Heublein sagt: «Leider ist wieder sehr viel Zeit verstrichen, welche die Bauherrschaft nicht genutzt hat. Man hat es versäumt, eine Studie zu beauftragen, welche den Nachweis erbringt, dass der geforderte Flächenbedarf auch gedeckt werden kann, wenn das Gewerbegebäude stehen bleibt.»

Zu der Option, einen Neubau zu errichten und gleichzeitig das Gewerbegebäude stehen zu lassen, sagt Wettstein: «Diese Option wurde geprüft. Sobald der Entscheid der Dienststelle für Hochschulbildung und Kultur gefällt wird, werden wir über unser weiteres Vorgehen informieren.»

Heublein, selber Architekt, fordert auch seitens der Behörden Flexibilität. «Man könnte der CSS beispielsweise ein grösseres Bauvolumen zugestehen, wenn sie im Gegenzug das Gewerbegebäude bestehen lässt. Dazu muss aber so oder so ein Wettbewerb durchgeführt werden», wirft Heublein ein.

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2 Kommentare
  1. Markus Bucher, 03.10.2017, 10:36 Uhr

    Was für ein Schwachsinn! Hat der Heimatschutz wirklich nichts besseres zu tun, als solche hässlichen Bauten zu schützen. Dabei ist es offenbar egal, dass man mit dieser fragwürdigen “Selbstverwirklichung” ein sinnvolles wirtschaftliches Wachstum mit immerhin 500 zusätzlichen Arbeitsplätzen verzögert oder gar verhindert. Später würde man dann wieder jammern, dass solch gute Arbeitgeber sich an anderen Orten niederlassen und damit Steuersubstrat verlorengeht, das man gerne für Veloparkplätze und andere sinnvolle Investitionen verwendet hätte.

  2. Hansjörg Kaufmann, 28.09.2017, 13:27 Uhr

    Das Bauinventar ist ein Fachinventar, das den aktuellen Baubestand der Luzerner Gemeinden in seiner kulturgeschichtlichen Bedeutung abbildet. Als Bürger und Grundeigentümer stehen aber wirtschaftliche und Gründe der Vernunft im Vordergrund. Hier und auch anderorts behindert dieser Verwaltungsformalismus vernünftiges Bauen unverhältnismässig.

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