Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
Heftige NZZ-Kritik bringt Luzerner Schiffsgastronomen ins Schwitzen
  • Wirtschaft
  • Gastronomie
  • Wasser
Ein NZZ-Journalist ging hart ins Gericht mit dem Tavolago-Essen. Zu hart, findet die Gastro-Firma. (Bild: zentralplus/ Montage wia)

Vorwurf: «Masterplan der Touristenvertreibung» Heftige NZZ-Kritik bringt Luzerner Schiffsgastronomen ins Schwitzen

3 min Lesezeit 4 Kommentare 13.06.2018, 13:06 Uhr

Eine Fahrt auf dem Vierwaldstättersee ist lustig und schön. Jedenfalls, so lange man kein Essen bestellt, glaubt man der Kritik eines NZZ-Journalisten. Der teilt nämlich zünftig aus gegen das Essen und den Service der Tavolago AG. Das Ganze ist gespickt mit viel Humor. Dennoch findet das der Luzerner Gastrobetrieb alles andere als lustig.

Da hat sich die Tavolago AG aber schöne Kritik eingefangen. Ein Journalist der NZZ hat kürzlich eine Schiffsreise auf dem Vierwaldstättersee gemacht und sich auf der MS Flüelen gleich einer Gastrokritik gewidmet. Und die hat es in sich. So steht da etwa betreffend Sandwichqualität geschrieben: «Auf das weiche Brötchen, dessen Herkunft ich lieber nicht eruieren mochte, hatte der Gästevertreibungsbeauftragte mikroskopische Spuren von Fett geschmiert.» Danach folgt eine eher unappetitliche Beschreibung des Käses. Weiter schreibt der Journalist von einem Kartoffelsalat, der «selbst in einem schlecht geführten Gefängnis einen Aufstand auslösen dürfte».

Das Erlebnis schildert der Kritiker als derart negativ, dass er gar anfängt, sich eine passende These zusammenzureimen. Nämlich, dass die Tavolago AG strategisch schlechtes Essen und schlechten Service anbietet, schlicht deshalb, weil die Schiffe sowieso schon überfüllt sind. – Ein «Masterplan der Touristenvertreibung». Denn: «Wer einmal an Bord Speisen bestellt hat, kommt garantiert kein zweites Mal», so der Journalist. Von möglichen zehn Punkten erhält die Schiffsküche magere zwei. Die Gastkultur kommt mit dreieinhalb Punkten von zehn ebenfalls schlecht davon.

Jede Kritik werde ernst genommen

Die Luzerner Tavolago AG, welche 10 Lokale führt und auch für die Gastronomie auf dem Vierwaldstättersee verantwortlich ist, ist natürlich alles andere als erfreut über die  Kritik. Und man habe denn auch sogleich reagiert, erklärt die Leiterin Gastronomie der Tavolago AG, Karin Ahlmalm. «Wir haben uns beim Redaktor gemeldet. Das ist jedoch nicht unüblich. Wir reagieren auf jede Kritik, egal ob sie von einem Kunden kommt oder einem Journalisten.» Dies, weil es für die Firma wichtig sei zu wissen, was man falsch gemacht habe und ob das Problem beim Service oder beim Produkt liege. «Auch ist das wichtig, um herauszufinden, wo die Wahrheit liegt, denn es gibt ja oftmals mehrere Seiten an einer Geschichte», sagt Ahlmalm.

Im besagten Fall wisse man nun bereits, um welchen Kurs es sich gehandelt habe und wer an diesem Tag im Service gearbeitet habe. «Wir werden entsprechend mit unserem Mitarbeiter Rücksprache halten», sagt die Leiterin Gastronomie.

Die humorvolle These, mit der Gastronomie wolle die Schifffahrtsgesellschaft verhindern, dass die Schiffe zu sehr überfüllt sind, scheint also nicht zuzutreffen. «Auf keinen Fall. Das kann ich überhaupt nicht unterschreiben. Wir versuchen, jeden Gast zu begeistern», so Ahlmalm.

Eher ein Transport- denn ein Speise-Schiff

Ob sie denn die Kritik des Journalisten fair finde? «Natürlich hat es weh gemacht, diese Worte zu hören. Das war harte Kritik, geradeaus.» Abgesehen von der Frage, ob sie fair war oder nicht, müsse man sich jedoch bewusst sein, dass der Schiffskurs, den der Journalist genommen habe, ein sogenannter Glas-Kurs gewesen sei. «Das sind eher Transportkurse, um von A nach B zu gelangen.» Und auch wenn man auch dort eine hohe Qualität bei den Speisen anstrebe, würden dort eher Snacks angeboten. Und weiter sagt Ahlmalm: «Unsere Speisekurse hingegen sind schwimmende Restaurants. Das ist im Artikel zu wenig klar herausgekommen.»

Wie dem auch sei. Der FDP schien der Ausflug, den die Fraktion kürzlich auf dem Dampfschiff Unterwalden verbrachte, zu behagen. Und Bundesrat Ignazio Cassis, der mit von der Partie war, war dem Schein nach ganz zufrieden mit dem servierten Essen. Nun gut. Wie auf einem der Fotos zu sehen ist, wurden den Freisinnigen weder Kartoffelsalat noch Käsesandwiches aufgetischt.

Tavolago kommt tendenziell gut an

Auch auf Tripadvisor kommt die Gastronomie Vierwaldstättersee nicht schlecht weg. Von den 36 Bewertungen waren etwa drei Viertel positiv. Namentlich auch die «Unterwalden» kommt in einigen Kommentaren positiv weg. So etwa spricht ein Gast von einem «vortrefflichen Menü» auf dem Dampfschiff, ein weiterer Tavolago-Gast spricht von einem «sehr guten Service und einem tollen Fischmittagessen». Dennoch erntet die Gastronomie Vierwaldstättersee auch vereinzelte negative Kommentare. So finden zwei Gäste, ihr Essen sei beim Servieren bereits kalt gewesen. Andere waren schlicht unzufrieden mit dem Geschmack des Essens oder der Qualität des Service.

Auf Tripadvisor kommt Tavolago nicht schlecht weg.

Auf Tripadvisor kommt Tavolago nicht schlecht weg.

(Bild: Screenshot Tripadvisor)

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

4 Kommentare
  1. Mr. Inauen, 21.06.2018, 21:52 Uhr

    Tja liebe Tavolago AG es häufen sich die Berichte über mangelhafte Dienstleistung der Tavolago Ag. Jetzt ist mal wieder das Personal am schlechte Essen schuld. Kann es aber sein, das Personal dazu angehalten wird, alles was die bestellen zu verkaufen. Was nicht verkauft wird registriert und gegen den MA verwendet. Ausserdem ist ständiger Personal Wechsel in der Tavolago täglicher Alltag. Festes Personal über Jahre würde helfen zumindest ind den Schlüsselfunktionen . Es wird vielleicht mal Zeit das auch die ober Führung Verantwortung übernimmt und auch mit ins Boot geholt wird bevor sie den Angestellten ausfindig zu machen der an den Tag dienst hatte. Kurz noch zu den Bewertungen Tripadvisor die Sie selber gepostet haben. Laut diesen Zahlen ist jedes dritte Essen Mangelhaft und damit kann man einfach nicht zufrieden sein. Jetzt heisst es Verluste realisieren und neue Gewinne anstreben.

  2. Samuel Kneubühler, 16.06.2018, 17:33 Uhr

    Es wäre toll, wenn Zentralplus den besagten Artikel der NZZ verlinken würde. Ein “siehe externe Links” bringt wenig.

  3. Marcel Moser, 15.06.2018, 08:42 Uhr

    Bitte liebe Tavolago Spitze, in der Gastronomie ist jede schlechte Kritik ein Grund über die Bücher zu gehen. Dabei stellen sich für die Verantwortlichen die Fragen, warum ist es passiert, weshalb ist es passiert, welche Lehren können wir daraus ziehen. Leider hat der Kritiker Bilder von seinem Essen veröffentlicht. Was man dort sehen konnte, war alles andere als appetitlich. Überlagerter Käse mit einem Klecks Butter auf dem undefinierbaren Brot. Der Kartoffelsalat zusammen mit der Wurst auf einem viel zu grossen Teller lieblos angerichtet. Solches Tun hebt natürlich die Laune des Gastes nicht gerade in gute Gefilde. Ein tägliches über die Bücher gehen, die Kultur Fehler anzusprechen und zu verbessern muss ein integraler Bestandteil der Unternehmenskultur werden. Man erlebt es ja schon wieder in der Antwort von Tavolago. Das Ja-Aber… Ja aber 75% der Gäste sind zufrieden. Was ist mit den anderen 25%. Nicht vergessen, liebe Tavolago, ein unzufriedener Kunde zieht 10 weitere Kunden von Tavolago ab. Dies ist eine alte Verkaufsweisheit. Tavolago ist ein Teil eines Erlebnisses auf dem Vierwaldstättersee, wer aber so mit der Zufriedenheit der Gäste spielt, darf sich nicht wundern wenn plötzlich negative Bewertungen auftauchen.

    1. Samuel Kneubühler, 16.06.2018, 16:55 Uhr

      Sie haben recht. Auch Salt reagiert in der letzten Ausagabe des “Kassensturz” genau gleich. Tavolago ist regional, eher fad und zu teuer, für das, was man bekommt. Auf dem Schiff sollten es vielleicht einfachere Gerichte sein?