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«He broke his leg for Rock ‘n’ Roll»
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Das Fribourger Psych-Rock Trio Dirty Sound Magnet in der Luzerner Schüür. (Bild: Silvana Emmenegger)

Dramatische Rock-Vorstellung in der Luzerner Schüür «He broke his leg for Rock ‘n’ Roll»

3 min Lesezeit 17.10.2019, 12:31 Uhr

Zwei energetische Rock-Trios spielten am Mittwoch in der Schüür Luzern. Das Publikum bekam nicht nur grossartige Musik auf die Ohren, sondern auch dramatische Szenen auf die Augen.

Luzern mag vielleicht nicht mehr die Rock-City sein, die es einmal war. Aber selbst wenn dem so ist, schafft es die Schüür doch, an einem herbstlich-kalten Mittwochabend Fans gut gespielter Rockmusik in ihr Erdgeschoss zu locken. Die Psychedelic Blues Rocker Sons of Morpheus teilten sich eine Headline Show mit dem Fribourger Psych-Rock Trio Dirty Sound Magnet – und es war grandios.

Auch wenn man eine «Co-Headline Show» ankündigt, muss jemand den Anfang machen. Also hatten Sons of Morpheus die Ehre, diesen Mittwochabend zu eröffnen. Um das Power Trio rund um Manuel Bissig war es in letzter Zeit ein bisschen ruhiger geworden, doch auf der Bühne wurden die Verstärker immer noch radikal auf laut gedreht.

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Psychedelisches Feuerwerk

Das Publikum bekam Stoner Rock erster Güteklasse geliefert, der nichts zu wünschen übrig liess. Ausgiebige Gitarrensoli, doomige Bass- und Schlagzeug-Kombinationen, gespielt mit viel Dynamik. Auch wenn die Ansagen von Manuel Bissig ab und an nicht zur sonstigen abgebrühten Coolness der Band passte, waren die Songs ein psychedelisches Feuerwerk.

Es folgte der zweite Headliner des Abends. Dirty Sound Magnet veröffentlicht am 18. Oktober ihr zweites Album «Transgenic» und geht gleich anschliessend auf eine ausgedehnte Tour durch Deutschland und das vereinigte Königreich.

Die Psychedelic Blues Rocker Sons of Morpheus machten den Anfang.

Auf die Frage, ob sie denn von der Musik leben können, antwortete Sänger und Leadgitarrist Stavros Dzodzosz nur: «We don’t die from it.» Was das nun genau bedeutet, lässt sich nur erahnen, denn es war Zeit für ihren Auftritt und nicht für Folgefragen.

Vermeintlicher Beinbruch

Auf der Bühne standen drei, von Musik regelrecht besessene Menschen, die ihre Besessenheit perfekt abgestimmt in wundervolle Stücke verwandelten. Fanatische Wechsel von ruhigen Parts zu brachialen Drum-Fills zurück zu melodisch-hypnotisierenden psychedelischen Riffs. Dirty Sound Magnet hatte die Intensität einer rasenden Lokomotive und stoppte höchstens für ein kurzes «Hallo» oder ein schnelles «Dankeschön». Völlig übermannt von der Musik, total in ihrem Element. Schweissgebadet verschmolzen sie mit dem Publikum und zogen sie mit einer Art spirituellem Ritual in ihren Bann.

Der Voodoo Priester, als Sänger getarnt, schüttelte auf der Bühne seine Extremitäten und rief die Menschen im Publikum dazu auf, es ihm gleich zu tun. So kam es auch dazu, dass als sich Dzodzosz mit Gitarre bepackt in die Menge warf, zwei Mitglieder des Publikums im Gegenzug auf die Bühne sprangen. Einer der beiden war der Sons of Morpheus Sänger Manuel Bissig.

Ein bisschen wildes Herumwirbeln der beiden auf der Bühne und kurz darauf lag ein Sohn Morpheus’ mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden vor der Bühne. Der Song war fertig und eigentlich war es Zeit für eine Zugabe, aber zuerst musste die Verletzung begutachtet werden. Nachdem alle sich vergewissert hatten, dass es in Ordnung war, weiterzuspielen, baten Dirty Sound Magnet noch um Applaus für den lädierten Mitmusiker und meinten: «He broke his leg for Rock ‘n’ Roll.»

Für diese Zugabe war dann auch das vermeintlich gebrochene Bein von Manuel Bissig wieder geheilt und alle im Schüür-EG konnten den letzten Song im Stehen geniessen und die Band mit dem Applaus, den sie verdienten, von der Bühne herunterklatschen.

Marc Wermelinger

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit null41.ch, dem Onlineblog von «041 – Das Kulturmagazin» entstanden und kann auch hier gelesen werden.

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