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Haushoher Sieg für CVP-Frau, Klatsche für SVP-Mann
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Zufriedene Siegerin: Die neue Stadträtin Franziska Bitzi Staub nimmt im Stadthaus Gratulationen entgegen. (Bild: Luca Wolf)

Luzern: Alles zur Wahl von Franziska Bitzi Staub Haushoher Sieg für CVP-Frau, Klatsche für SVP-Mann

6 min Lesezeit 27.11.2016, 13:20 Uhr

Franziska Bitzi Staub zieht in den Luzerner Stadtrat ein. Die 43-jährige CVP-Politikerin holte 13’336 Stimmen und liess ihre beiden Konkurrenten erwartungsgemäss deutlich hinter sich. Das freut speziell auch die CVP-Parteipräsidentin. Nicht zum Feiern zumute ist wegen eines Todesfalls in der Familie dem Nachfolger von Bitzi Staub im Stadtparlament.

Die Stadt Luzern hat ihre erste CVP-Stadträtin. Franziska Bitzi Staub hat das Rennen um den freien Sitz wie erwartet deutlich für sich entschieden: Sie erhielt 13’336 Stimmen und war damit klar über dem absoluten Mehr von 9813 Stimmen. Die 43-Jährige holte rund 68 Prozent der Stimmen. Die Juristin tritt damit die Nachfolge von Stefan Roth an, der im Juni als Stadtpräsident abgewählt wurde und Mitte September auch als Stadtrat den Hut nahm.

Die grosse Überraschung blieb an diesem Wahlsonntag in Luzern aus: Die beiden Widersacher von Bitzi Staub hatten nicht den Hauch einer Chance. SVP-Jungpolitiker Thomas Schärli holte bloss 3380 Stimmen (17 Prozent). Damit lag er nur knapp vor dem parteilosen Quereinsteiger Rudolf Schweizer mit 2534 Stimmen (13 Prozent). Die Stimmbeteiligung lag bei 38,51 Prozent.

Erste CVP-Frau im Stadtrat

Franziska Bitzi Staub ist damit die erste CVP-Stadträtin in der Geschichte der Stadt Luzern. Mit ihr sind nach dem Rücktritt von Ursula Stämmer (SP) nun auch wieder zwei Frauen im Stadtrat vertreten. Für die CVP ist es nach der herben Schlappe bei den Wahlen im Frühling ein willkommener Erfolg. Die städtische Partei zeigt sich gemäss einer Mitteilung entsprechend zufrieden über die «glanzvolle Wahl» von Bitzi Staub. Hier geht’s zum grossen Siegesinterview mit der neuen Stadträtin.

 

 

Bitzi Staub war die einzige der drei Kandidaten, die über ihre eigene Partei hinaus offizielle Unterstützung erhielt. So empfahlen sowohl FDP, GLP und BDP als auch die Grünen die CVP-Frau zur Wahl. Thomas Schärli und Rudolf Schweizer hingegen konnten nur auf Support aus den eigenen Reihen zählen.

Das ist die neue Stadträtin

Franziska Bitzi Staub ist 43-jährig, von Beruf Juristin und zurzeit als Generalsekretärin der Direktion des Innern im Kanton Zug tätig.

Nach der Kantonsschule in Schüpfheim und Luzern studierte sie an der Universität St. Gallen Rechtswissenschaften und machte anschliessend in Luzern das Anwaltspatent. Von 2005 bis 2014 arbeitete sie beim Finanzdepartement des Kantons Luzern, zuletzt als Leiterin des Rechtsdienstes.

Sie verfügt über langjährige politische Erfahrung: Seit 2004 sitzt sie im Stadtparlament, ist Mitglied der wichtigen Geschäftsprüfungskommission und seit drei Jahren CVP-Fraktionschefin.

Franziska Bitzi Staub ist verheiratet, kinderlos und lebt im Tribschenquartier. Als Hobbys gibt sie Sport, Reisen und Lesen an. Sie ist Verwaltungsrätin der Clientis Entlebucher Bank AG und ehrenamtlich als Vorstandsmitglied von «Die Pension» tätig.

Der Sitz von Stefan Roth bleibt damit in CVP-Hand. An der parteipolitischen Zusammensetzung des Stadtrates wird nicht gerüttelt. Zwar steht mit Beat Züsli seit September bekanntlich erstmals ein SPler an der Spitze der Stadt. Das Fünfergremium besteht aber weiterhin aus je einem Vertreter von SP, Grünen, FDP, Grünliberalen und CVP.

Schärli verfehlt Ziel klar

Thomas Schärli, der seit fünf Jahren im Luzerner Kantonsrat sitzt, muss eine herbe Enttäuschung einstecken. Sein angekündigtes Ziel, 40 Prozent der Stimmen holen zu wollen, verfehlte der Littauer deutlich: Er konnte nur rund 17 Prozent der Stadtluzerner von sich überzeugen. Schärli griff im sonst eher lauen Wahlkampf mehrmals die CVP an und bezeichnete sie als «Windfahne» und «versteckte Linke». Diese provokative Art hat bei den Wählern offenbar nicht verfangen.

Wie erwartet ist es der SVP damit ein weiteres Mal nicht gelungen, erstmals in die Stadtregierung einzuziehen. Bereits letzten Frühling scheiterte Parteipräsident Peter With (wieso es die SVP bei Exekutivwahlen so schwer hat, lesen Sie hier). Schärli gab sich am Wahlsonntag so pragmatisch wie möglich: «Wenigstens haben mich die SVP-Wähler unterstützt.» Was er damit meint: Die SVP hat einen Wähleranteil von gut 15 Prozent. Dass allerdings nur diese ihn gewählt haben, findet Schärli nicht enttäuschend. «Die anderen Parteien waren ja fast alle für Bitzi Staub.» So sei es eben schwierig, zu Stimmen zu kommen. «Überraschend war für mich, wie viele Stimmen Rudolf Schweizer geholt hat», räumt Schärli ein.

Schärli hat diesen Sonntag nicht mal halb so viele Stimmen gemacht wie SVP-Präsident Peter With letzten Frühling bei den Stadtrats-Gesamterneuerungswahlen. Trotzdem findet der Jungspund, dass sich seine Kandidatur für die Partei gelohnt hat: «Wir konnten unsere Anliegen dadurch im Volk deponieren.»

Thomas Schärli erlitt eine herbe Niederlage: Der SVP-Kandidat erreichte nur 17,5 Prozent der Stimmen.

Thomas Schärli erlitt eine herbe Niederlage: Der SVP-Kandidat erreichte nur 17,5 Prozent der Stimmen.

(Bild: Luca Wolf)

Immerhin ein Trost bleibt Thomas Schärli: Der 36-Jährige holte mehr Stimmen als Rudolf Schweizer. Der parteilose Carrosseriespengler rechnete mit 5000 Stimmen. Er schaffte diesen Sonntag jedoch lediglich 2534 Stimmen. Das führt der Quereinsteiger vor allem auf die Kronfavoritin Franziska Bitzi Staub zurück. «Sie hatte sämtliche Parteien hinter sich. Und sie hat als Finanzfachfrau vielleicht auch etwas mehr Erfahrung», sagt der Carrosseriespengler.

Trotzdem zeigte sich Schweizer zufrieden. «Es geht aufwärts», sagt er und verweist auf sein Resultat im Frühling. Der Quereinsteiger trat bereits damals für den Stadtrat an und holte im ersten Wahlgang rund 500, im zweiten 1780 Stimmen. Von ihm werde man auch in Zukunft wieder hören, kündigt Rudolf Schweizer bereits an. «Wenn ich etwas anfange, ziehe ich das durch. Die nächsten Wahlen sind die Kantonsrats- und Regierungsratswahlen», sagt Schweizer.

Blieb chancenlos: Der parteilose Rudolf Schweizer.

Blieb chancenlos: Der parteilose Rudolf Schweizer.

(Bild: Luca Wolf)

Amtsantritt noch offen

Noch ist offen, wann Franziska Bitzi Staub ihr Amt antreten wird. Da sie beim Kanton Zug eine Kaderstelle innehat, beträgt ihre ordentliche Kündigungsfrist sechs Monate – sie könnte demnach erst auf den 1. Juni als Stadträtin antreten. Bitzi Staub liess aber im Vorfeld bereits durchblicken, dass ihre Chefin, Manuela Weichelt-Picard, einem früheren Abgang offen gegenübersteht.

Stadtpräsident Beat Züsli (SP) gratuliert der neuen Stadträtin Franziska Bitzi Staub (CVP).

Stadtpräsident Beat Züsli (SP) gratuliert der neuen Stadträtin Franziska Bitzi Staub (CVP).

(Bild: lwo)

Am 15. Dezember ist Bitzi Staubs Vereidigung im Grossen Stadtrat vorgesehen. Wann sie ihr Amt antritt, wird am 14. Dezember rauskommen, dann erfolgt gemäss einer Mitteilung der Stadt auch die Zuweisung der Direktion im Stadtrat. Aufgrund ihrer Berufserfahrung beim kantonalen Finanzdepartement ist davon auszugehen, dass Franziska Bitzi Staub die städtische Finanzdirektion übernehmen wird. Diese wird seit dem Rücktritt von Stefan Roth Mitte September und bis zum Amtsantritt von Bitzi Staub interimistisch von Martin Merki (FDP) geführt. Der Sozialdirektor sagt, die Finanzen zu führen, sei eine spannende Aufgabe. Zur Frage, ob er sich einen Wechsel wünscht, will er sich aber nicht äussern, die Direktionszuteilung werde am 14. Dezember stattfinden, sagt er diplomatisch.

Stadtpräsident Beat Züsli (SP) sagte nach der Wahl von Bitzi Staub: «Ich freue mich, dass sie gewählt wurde. Ich bin zuversichtlich, dass wir gut zusammenarbeiten werden.»

Mirjam Fries wird Fraktionschefin

Franziska Bitzi Staub war seit vier Jahren Fraktionschefin der CVP im Stadtparlament. Ihre Nachfolge im Fraktionspräsidium übernimmt gemäss einer Mitteilung der CVP Mirjam Fries. Die Betriebsökonomin aus Littau wollte ursprünglich ebenfalls Stadträtin werden, unterlag Bitzi Staub jedoch in der parteiinternen Nomination.

Für Bitzi Staub rutscht im Stadtparlament einer mit einem speziellen Namen nach: Thomas Schärli. Ausser dem Namen hat der CVP-Mann aber wenig gemeinsam mit seinem SVP-Namensvetter aus Littau. CVP-Schärli hat jedoch derzeit keinen Grund zur Freude. Sein Bruder Christoph Schärli ist vergangene Woche verstorben – er hat 21 Jahre lang das Hotel Rothaus an der Klosterstrasse in Luzern geführt (zentralplus berichtete).

«Endlich wieder etwas zu feiern»

Gross war die Freude an diesem Wahlsonntag dagegen natürlich bei Andrea Gmür, Nationalrätin und CVP-Präsidentin. «Franziska ist kompetent, erfahren und in der richtigen Partei», nennt sie gutgelaunt die Gründe für Bitzi Staubs haushohen Sieg. Und nach den brutalen Niederlagen für die CVP diesen Frühling/Sommer hofft Gmür nun auf die Wende: «Wir sind gut aufgestellt und haben engagierte neue Leute. Das ist der Anfang vom Turnaround für unsere Partei. Endlich haben wir mal wieder etwas zu feiern!»

CVP-Parteipräsidentin Andrea Gmür gibt am Wahlsonntag den Journalisten Auskunft.

CVP-Parteipräsidentin Andrea Gmür gibt am Wahlsonntag den Journalisten Auskunft.

(Bild: Luca Wolf)

Hinweis: Für alle Interessierten gibt’s das grosse zentralplus-Quiz zu den Luzerner Stadtratswahlen Wer hat’s gesagt? und die Interviews mit Thomas Schärli: «Gebranntes Kind der CVP» will Luzerner Theater schliessen, Rudolf Schweizer: «Wäre ich ein Wutbürger, würde ich Ihnen eins an den Grind hauen» und Franziska Bitzi Staub: CVP-Spitzenkandidatin hegt Zweifel an Tiefsteuerstrategie.

Hier sehen Sie noch die Resultate aus den Stadtquartieren:

So viele Stimmen haben Bitzi Staub, Schärli und Schweizer in den Stadtquartieren geholt.

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