Hausärzte in Luzern zu Corona-Impfungen: «Wünschen uns realistische Vorgaben»
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Viele Patienten möchten sich gerne beim Hausarzt gegen Corona impfen lassen. (Bild: zvg)

Impfstart in Praxen noch unklar Hausärzte in Luzern zu Corona-Impfungen: «Wünschen uns realistische Vorgaben»

3 min Lesezeit 4 Kommentare 09.02.2021, 16:33 Uhr

Viele möchten sich beim Hausarzt gegen Corona impfen lassen. Die Hausärzte wollen die Impfung anbieten, doch vor allem die Informationsbeschaffung erweist sich als höchst anspruchsvoll. Laut den Verbandspräsidenten würde mehr Transparenz helfen.

Seit Dezember werden die Hausärzte mit Anfragen überflutet, ob man sich bei ihnen gegen Corona impfen lassen kann. «Aktuell sind es etwas weniger als noch vor drei, vier Wochen», sagt Janice Azofeifa, Co-Präsidentin des Vereins Luzerner Hausärzte (Vluha). «Aber die Patienten fragen weiterhin danach.»

Die Ärztin der Pilatus Praxis in der Stadt Luzern erklärt die hohe Nachfrage bei den Hausärzten nicht nur damit, dass das Verhältnis persönlicher ist als in einem Spital oder Impfzentrum. «Es ist für viele auch einfacher, weil der Hausarzt in der Nähe ist und man nicht in ein öffentliches Verkehrsmittel steigen muss.» Zudem ist die Möglichkeit da, individuelle Termine zu vereinbaren.

Impfstart: Die wichtigste Frage ist noch offen

Allerdings muss Azofeifa, wie alle anderen Hausärztinnen, die Impfwilligen noch vertrösten: «Wir wissen derzeit noch nicht, ab wann wir die Impfung bei uns anbieten können», sagt sie. Die begehrten Impfstoffe sind bekanntlich weltweit knapp.

«Wir wünschen uns vom Bund mehr Gelassenheit, mehr Transparenz und realistische Vorgaben, was die Impfagenda anbelangt.»

Beat Thoet

«Erst wenn wir wissen, welcher Impfstoff wann zur Verfügung steht, können wir alles organisieren, uns vorbereiten und die Patienten informieren. Zusätzlich müssen die Abläufe in der Praxis festgelegt werden», sagt Azofeifa.

Die Hausärzte wollen die Impfung anbieten

Die anspruchsvolle Logistik, die Frage nach der Verfügbarkeit, den Nebenwirkungen und der ungewisse Impfstart beschäftigen aber nicht nur die Patienten, sondern auch die Ärzte selbst. Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» sagt Infektiologe Christoph Aebi, dass viele mit der Situation überfordert seien und mit Anfragen auf sein Beratungsangebot zurückgreifen. Grund sei vor allem die unübersichtliche, ständig ändernde Informationslage. Zudem sei bei den Hausärzten auch die Besorgnis über mögliche Nebenwirkungen gross.

Azofeifa sagt, dass laut den Rückmeldungen, die der Verein Luzerner Hausärzte erhalte, trotz massivem Aufwand ein grosser Teil der Hausärzte grundsätzlich die Impfung anbieten möchte. Die vielen Fragen der Patienten und die Abklärungen, die zu deren Beantwortung nötig seien, würden sie aber stark fordern.

Mehr Transparenz in der Kommunikation würde den Ärzten helfen

Um sich «Up to date» zu halten, müssen die Ärzte die Informationen aus vielen Kanälen zusammensuchen: Swissmedic, das Bundesamt für Gesundheit, der Newsletter des Kantons Luzern, der Newsletter der Ärztegesellschaft, aber auch längere wissenschaftliche Publikationen sind die wichtigsten Informationsquellen, die regelmässig konsultiert werden müssen, sagt Azofeifa.

Ob es realistisch ist, dass bis Ende Juni alle Impfwilligen ihren Pieks bekommen, wagt Azofeifa nicht zu prognostizieren. Ihr Co-Präsident Beat Thoet von der Hausarztpraxis Gersag richtet stattdessen seine Worte an die Behörden: «Wir wünschen uns vom Bund mehr Gelassenheit, mehr Transparenz und realistische Vorgaben, was die Impfagenda anbelangt.»

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4 Kommentare
  1. Fridolin, 13.02.2021, 15:31 Uhr

    Werden wir in absehbarer Zeit überhaupt eine Chance bekommen von unserm Hausarzt die corona Impfung erhalten ???
    Oder wird diese Möglichkeit vom Kanton LU an die Hausärzte auf die lange Bank geschoben ???

  2. Der Obernauer, 10.02.2021, 12:57 Uhr

    Die Pressearbeit de Luzerner Regierung ist darauf ausgelegt Feuerwerke zu zünden und sich selber ins gute Licht zu stellen .. Nur Schall und Rauch. Nun wo man liefern sollte ist wieder Ruhe. Die Risikopatienten und Impfwilligen lässt man warten und widmet sich voll der abgesagten Fasnacht .. Ich bin Enttäuscht !

  3. Daniel Steiner, 09.02.2021, 18:18 Uhr

    Transparenz in der Kommunikation ist aus Bern auch in anderen Bereichen wünschenswert

  4. Fritz Blater, 09.02.2021, 18:17 Uhr

    Es zeigt sich einmal mehr, wie die verantwortlichen Politiker mit ihren Chefbeamten heillos überfordert sind. Wer bei kantonalen Stellen gearbeitet hat, kennt das Problem. Es werden Leute in die Chefposten gehievt, deren grösste Kompetenz darin besteht, mit dem Kopf zu nicken. Das rächt sich jetzt, in Zeiten, in denen Handlungsfreude und kritisches Denken gefragt ist. Masken fehlten, Desinfektionsmittel fehlten, Impfstoffe fehlten schon im November 2019 z.B. gegen herpes zoster, die Entwicklung von neuen Antibiotika wird verschlafen, die Kommunikation der Regierungsstellen ist ein Desaster, Pandemiepläne waren nicht umgesetzt, Bundesräte glänzen im Beobachten, Ueli Maurer ist unfähig, wirtschaftlich Geschädigte zu unterstützen und jetzt fehlen die Impfstoffe gegen Corona. 68 Milliarden gab man früher der UBS, jetzt grummelt der Finanzminister von viel, viel Geld. Bis jetzt machte er 5 Milliarden locker. Die bürgerlichen Geizhälse, schauen eben nur für die Milliardäre und Unternehmer mit schönen Steuergeschenken. Das grenzt an den Feudalismus zu Zeiten der absoluten Monarchien! Und der alte, kleine Mann, die alte kleine Frau stirbt im Altersheim. Gur für die AHV!

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