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Hat sich der Luzerner Regierungsrat bei der Operationsliste verrechnet?
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Guido Graf während seiner Video-Botschaft. (Bild: screenshot)

Sparen Kantone auf Kosten der Prämienzahler? Hat sich der Luzerner Regierungsrat bei der Operationsliste verrechnet?

2 min Lesezeit 07.08.2017, 07:55 Uhr

Der Krankenkassenverband Curafutura kritisiert die Liste mit 13 Operationen, die seit Anfang Juli im Kanton Luzern konsequent ambulant statt stationär durchgeführt werden sollen. Die Behandlung mit einer Übernachtung sei bei den meisten Eingriffen günstiger als die entsprechende ambulante Behandlung.

Rund drei Millionen Sparpotenzial für die Spitäler erhofft sich der Luzerner CVP-Regierungsrat Guido Graf durch die seit Anfang Juli wirksame Operationsliste (zentralplus berichtete). 13 Eingriffe werden in Luzern seit Anfang Juli vorrangig ambulant durchgeführt – das entlaste die Prämienzahler. In Zürich kommt eine Liste mit 14 Operationen zum Einsatz. Gegenüber dem «Sonntags Blick» äussern die Krankenversicherer nun Kritik: «Wir haben keine Ahnung, wie die beiden Kantone auf diese Zahlen kommen», sagt «Curafutura»-Direktor Pius Zängerle. Er vertritt die Kassen CSS, Helsana, Sanitas und KPT.

Die vier Krankenkassen verglichen bei allen gelisteten Operationen die Tarife für stationäre und ambulante Durchführung. Laut deren Auswertung ist das Einsparpotenzial deutlich geringer als die Vorreiterkantone Luzern und Zürich behaupten. In zwei Fällen ist der Eingriff ambulant gar teurer: Das Einsetzen eines Herzkatheters kostet in Luzern ambulant 11’019 Franken. Ein stationärer Eingriff mit einer Übernachtung schlägt hingegen nur mit 7’762 Franken zu Buche.

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45 Millionen Franken mehr für Versicherte

Zwar würden die anderen Eingriffe günstiger, jedoch nur für die Kantone, so der zentrale Vorwurf. Für die Kassen wird es teurer. Denn während die Kantone bei den stationären Behandlungen 55 Prozent der Kosten berappen, müssen die Versicherer Rechnungen im ambulanten Bereich allein begleichen. Die durchschnittlichen Zusatzkosten von 1’354 Franken pro Eingriff, die durch Nachsorge und postoperative Kontrollen entstehen, sind damit nicht einmal eingerechnet, wie Curafutura sagt.

«Die Aussage der Kantone, dass Steuerzahler und Prämienzahler günstiger fahren, ist nicht haltbar», so Direktor Zängerle. Und er warnt: «Würden Listen wie in Luzern und Zürich in der ganzen Schweiz angewendet, sparen zwar die Kantone. Aber die Versicherten müssen pro Jahr mindestens 45 Millionen Franken mehr bezahlen.»

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