Hat die Zuger Psychiatrie ein Sicherheitsproblem?
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In der Nachtschicht wurde die Pflegefachfrau von einem Patienten angegriffen. (Bild: Symbolbild Adobe Stock)

Nach Angriff eines Patienten Hat die Zuger Psychiatrie ein Sicherheitsproblem?

3 min Lesezeit 14.01.2020, 13:40 Uhr

Ein Patient hat 2018 in einer Zuger Psychiatrie eine Pflegefachfrau niedergeschlagen und verletzt. In der Nacht ist in der besagten Klinik jeweils nur eine Person auf der Station, eine weitere kann telefonisch verständigt werden. Ist das ein Risiko? Wir haben nachgefragt.

Aus dem Nichts heraus schlug ein schizophrener Patient einer Pflegefachfrau eine Tasse gegen den Kopf. Als diese die Arme hochriss, um sich zu schützen, schlug er erneut mit voller Kraft zu. Die Frau erlitt ein Schädelhirntrauma und mehrere blaue Flecken (zentralplus berichtete).

Der Patient hatte geglaubt, die Frau habe seine Medikamente vergiftet. Der Angriff 2018 in einer Zuger Psychiatrie stand also in einem engen Zusammenhang mit seiner Krankheit, die sich in Paranoia äussert. In einer geschlossenen Psychiatrie kann es zu solchen Ausbrüchen kommen. Die Frage ist: Ist die Klinik dafür gewappnet?

zentralplus hat bei der Zuger Klinik nachgefragt. Um welche es sich handelt, wird im vorliegenden Bericht nicht genannt, um die Persönlichkeitsrechte des Opfers zu schützen.

Tatsächlich ist es so, dass regulär in der Nacht nur eine Pflegefachperson pro Station anwesend ist. Verstärkung kann aber jederzeit angefordert werden. «Die sogenannte Laufnachtwache zirkuliert von Station zu Station und ist telefonisch für alle in der Nacht anwesenden Mitarbeiter erreichbar – einerseits zur situativen Unterstützung bei schwierigen Situationen und andererseits zur Pausenablösung», schreibt die Klinik in einer schriftlichen Stellungnahme. Weiter sei ein Arzt im Gebäude, der auf Abruf unterstützen kann.

In der besagten Psychiatrie wird in drei Schichten gearbeitet. Auf einer Akutstation arbeiten im Frühdienst bis 16 Uhr im Minimum drei Personen, im Spätdienst zwei Personen und in der Nacht eine Person.

Es kommt immer wieder mal zu Gewaltausbrüchen

«Verbale und körperliche Gewalt seitens der Patienten kommt in einer psychiatrischen Klinik leider immer wieder vor», so der Leiter des Pflegedienstes. Die Sicherheit unserer Mitarbeitenden habe deshalb oberste Priorität. «Zum Glück kommen schwere Fälle äusserst selten vor.»

Um die Mitarbeitenden vor Angriffen zu schützen, hat die Klinik ein Aggressions- und Deeskalationskonzept. «Alle Pflegemitarbeitenden müssen einen entsprechenden Basiskurs und obligatorisch zweimal jährlich einen Refresherkurs absolvieren, um den professionellen Umgang mit aggressiven Patienten und eskalativen Situationen zu trainieren», so der Pflegedienstleiter weiter.

Bereits vor längerer Zeit wurde ein Alarmsystem mit tragbaren Auslösern eingerichtet. «Es besteht zudem die Möglichkeit, aggressive Patienten kurzzeitig zu isolieren, dies geschieht nach einem verbindlichen, im Aggressions- und Deeskalationskonzept festgelegten Ablauf», so der Pflegedienstleiter. Auch werde sehr eng mit der Zuger Polizei zusammengearbeitet, die im Bedarfsfall innert Minuten vor Ort sei.

Unfallversicherung zahlt die psychologische Nachbetreuung

Wenn es zu einem Zwischenfall kommt, unterstütze die Klinik betroffene Mitarbeitende. «Wir raten jeweils zur polizeilichen Anzeige – diese muss aus juristischen Gründen von der betroffenen Person eingereicht werden und kann nicht durch die Klinik erfolgen», so der Leiter des Pflegediensts.

Erfordert die Situation eine psychologische Nachbetreuung, würden betroffene Mitarbeitende unkompliziert unterstützt – etwa, wenn bei der betroffenen Person durch das Ereignis Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung besteht. Und zwar indem eine psychologische Nachbetreuung zu Lasten der Unfallversicherung in die Wege geleitet wird.

In St. Urban ist die Securitas im Einsatz

Die Pflegefachfrau, die bei dem Angriff verletzt wurde, arbeitet heute nicht mehr in der besagten Klinik. Ob die Attacke der Grund für die Kündigung gewesen ist, wird seitens der Klinik nicht bekannt gegeben.

Wie tragisch solche Angriffe enden können, zeigt ein Fall aus Luzern. 2017 hat ein Kosovare in der Psychiatrie St. Urban einen Zimmergenossen erschlagen. Aufgrund des Vorfalls hat die Klinik zusätzliche Sicherheitsmassnahmen ergriffen.

«Am Standort St. Urban wurden unter anderem der Personalschlüssel auf den Akutstationen im Nachtdienst angepasst und Massnahmen zur Personensicherheit ergriffen», sagte Daniel Müller, Sprecher der Luzerner Psychiatrie, letzten Sommer gegenüber der «Luzerner Zeitung». So lasse man abends seither die Securitas in Doppelbesetzung patrouillieren.

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