Hat die lange Ökihof-Debatte nun endlich ein Ende?
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Ende September entscheiden die Stadtzuger darüber, ob im Göbli ein neuer Ökihof gebaut werden darf. (Bild: Adobe Stock)

Die Stadtzuger stimmen im September ab Hat die lange Ökihof-Debatte nun endlich ein Ende?

4 min Lesezeit 10.08.2020, 05:00 Uhr

Am 27. September stimmt die Stadtzuger Bevölkerung über einen neuen Ökihof ab. Sagt sie Ja, wird ein sehr langes Politkapitel abgeschlossen. Sagt sie Nein, wird der Stadtrat auf Feld 0 zurückkatapultiert.

Altstadt und Expats sind nicht das Einzige, wofür die Stadt Zug bekannt ist. Nein, auch der Ökihof geniesst weit herum einen guten Ruf. Und mehr als das: Ende der 90er-Jahre wurde der Ökihof in seiner heutigen Form vom Abfallzweckverband der Zuger Gemeinden (Zeba) ins Leben gerufen und bildete schweizweit ein Novum. Wie die zuständige Zuger Stadträtin Eliane Birchmeier erklärt, kommen bis heute Leute aus aller Welt nach Zug, um sich den Ökihof anzuschauen. «Der Ökihof ist für Delegationen von nah und fern ein Vorbild für ein umfassendes Recycling», erklärt die Bauchefin.

Auch das Brockenhaus auf dem Areal erfreut sich grosser Beliebtheit und bringt gar Secondhand-Touristen nach Zug. Der Ökihof und das Brockenhaus an ihrem heutigen Standort sind jedoch bald Geschichte. Der Mietvertrag mit den SBB läuft Ende 2022 aus. Sie möchten das Areal anderweitig bebauen.

Ein neuer Ort für ein Recyclingcenter wurde im Göbli gefunden. Doch bevor dort die Bagger auffahren können, wird erst noch abgestimmt. Konkret stimmt die städtische Bevölkerung über einen Objektkredit von 20,92 Millionen Franken ab.

Stadträtin relativiert die hohen Kosten

Das ist zu teuer, dürfte sich der kritische Geist denken, sind doch 21 Millionen nicht wenig Geld. «Das stimmt, doch ist zu bedenken, dass der Kopfteil des Baus – auf den rund 13 Millionen Franken entfallen – an die GGZ und das Brockenhaus vermietet wird. Diese Ausgaben werden letztlich also durch die Miete refinanziert werden», erklärt Eliane Birchmeier. Weil es sich um eine öffentliche Zone handle, habe die Stadt dieses Land nicht verkaufen können. Gegen eine Übernahme im Baurecht hätten sich die Institutionen ausgesprochen.

Bei der Sitzung des Grossen Gemeinderats im Mai wurde der Kredit zwar mit nur fünf Gegenstimmen gutgeheissen. Kritik am Projekt gabs dennoch zuhauf (zentralplus berichtete). Dies gleich von mehreren Parteien.

Während sich die ALG-CSP-Fraktion ein nachhaltigeres «Leuchtturmprojekt» wünschte, welches ökologischer daherkäme, störte sich die SP daran, dass keine Abstellplätze für Velos bei der Abladestation geplant sind.

Missmut bei der CVP

Am lautesten jedoch war die Kritik bei der CVP. «Das Projekt weist eine schlechte Ausnutzung der Bauparzelle aus, Landreserven werden verschwendet», findet etwa der städtische CVP-Fraktionschef. Zudem sei der Ökihof als isoliertes Einzelprojekt geplant worden. Umliegende städtische Entwicklungen seien komplett ignoriert worden.

So hätte sich die CVP gewünscht, dass die geplanten Notzimmer nicht in einem Neubau Platz finden würden, sondern diese in einem zusätzlichen Stockwerk auf den Ökihof gesetzt würden.

Die zuständige Stadträtin erachtet diesen Vorschlag als sehr heikel. «Menschen, die sich in einer Notsituation befinden, unter dem Dach eines Recyclingcenters unterzubringen, ist für mich undenkbar. Das ist nicht zuletzt eine ethische Frage.»

Für Iten ist klar. Am 27. September, wenn die städtische Bevölkerung über den zum Bau benötigten Kredit abstimmt, legt er ein «überzeugtes Nein» in die Urne. «Das Projekt ist nicht ausgereift und äusserst kurzfristig gedacht. Intelligente und nachhaltige Stadtplanung sieht definitiv anders aus», äussert der CVP-Fraktionschef seinen Missmut.

Brocki und Ökihof, ein schönes Paar

Birchmeier ist trotz kritischer Haltungen optimistisch. «Ich persönlich habe ein positives Gefühl in Bezug auf die Abstimmung.» Das Angebot eines Ökihofs werde in der Bevölkerung sehr geschätzt und rege genutzt. «Ausserdem sind viele Zugerinnen und Zuger der Ansicht, dass Ökihof und Brockenhaus zusammengehören.» Dies werde auch beim geplanten Ökihof der Fall sein.

Überhaupt ist sie überzeugt, dass mit dem neuen Recyclingcenter im Göbli viele Probleme wegfallen werden. «So etwa dürfte es keine Verkehrsprobleme mehr geben, wie sie heute oft anzutreffen sind. Auch sind die Kapazitäten im heutigen Ökihof viel zu klein. Das sieht man beim Entsorgen zwar nicht, doch ist die Situation für die Mitarbeitenden im alten und engen Güterschuppen sehr anspruchsvoll», so Birchmeier.

Bei einem Nein gehts auf Feld 0 zurück

Last but not least werde sich die Situation fürs Brockenhaus am neuen Standort verbessern. «Dieses ist heute sehr stark frequentiert und erhält auch sehr gute Ware, welche das Brocki gut abverkaufen kann. Nur ist die aktuelle Ausstellungs- und Lagerfläche viel zu klein. Häufig müssen deshalb Waren abgelehnt werden, weil zu wenig Platz da ist.»

Allem Optimismus zum Trotz: Was, wenn nun das Stimmvolk Ende September Nein sagt zum Projekt? «Dann müssen wir aufs Feld 0 zurück. Nicht Feld 1, sondern 0. Dann müssen wir nämlich mit einem ganz neuen Projekt anfangen, denn das bestehende lässt sich nicht so einfach ändern», sagt Birchmeier.

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