Hat der Wolf Platz im Entlebuch? Eine «ganz heikle Angelegenheit»
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Wie wohl kein anderes Tier in der Schweiz polarisiert der Wolf. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Man ist sich uneins Hat der Wolf Platz im Entlebuch? Eine «ganz heikle Angelegenheit»

2 min Lesezeit 3 Kommentare 22.08.2020, 10:33 Uhr

Er bewegt, er polarisiert, er fasziniert und schreckt viele zugleich ab: die Rede ist vom Wolf. Auch im Entlebuch gibt der Wolf zu reden.

Der Wolf polarisiert seit eh und je – auch im Entlebuch. Ende September stimmt die Schweizer Bevölkerung über das revidierte Jagdgesetz ab, mit dem auch der Schutz von Wölfen gelockert werden kann.

Die Unesco Biosphäre Entlebuch hat sich zwar zum Ziel gesetzt, eine hohe Biodiversität sicherzustellen – die Verbandsspitze ist sich aber uneins, ob der Abschuss von Wölfen erleichtert werden soll oder nicht. Eine offizielle Parole zum Gesetz werde der Vorstand nicht machen.

Zunahme des Wolfbestandes befürchtet

Es sei eine «ganz heikle Angelegenheit», sagt Biosphäre-Präsident Fritz Lötscher, berichtet die «Luzerner Zeitung». Man verstehe sich zwar als Naturpark, kämpfe für Biodiversität – müsse aber gleichzeitig an diesem Ort leben und arbeiten.

Tourismusdirektorin Carolina Rüegg ist für die Annahme des revidierten Jagdgesetzes. Obwohl Rüegg Präsidentin der «Freunde der Biosphäre» ist, sieht sie darin keinen Wiederspruch. Sie befürchtet, dass der Wolfbestand weiter zunehmen könne, es folglich auch mehr Herdenschutzhunde gebe. Das könne das bereits vorhandene Konfliktpotential erhöhen. «Viele Wanderer und Biker wissen nicht, wie sie mit Herdenschutzhunden umgehen müssen. Das kann dazu führen, dass Gäste die Biosphäre meiden», wird sie zitiert.

WWF kontert

Fabian Haas vom WWF Luzern hingegen kontert, im Medienbericht dass es «nicht im Sinne der Biosphäre» sein könne, wenn der Schutz vieler Arten gelockert wird. Der Wolf sei im Ökosystem wichtig, könne unter anderem verhindern, dass sich Krankheiten ausbrechen, in dem er kranke und schwache Tiere erbeute. Auch für Schutzwälder sei der Wolf wichtig, weil er Hirsche und Rehe jagt – welche Blätter, Knospen und Zweige von Jungbäumen abbeissen können.

Schafzuchtverband warnt vor Wölfen, die Menschen angreifen könnten

Der Präsident des Luzerner Schafzuchtverbands, Urs Portmann, warnt hingegen vor dem Wolf, weil für ihn klar sei, «dass es irgendwann Leute trifft». «Der Wolf bringt nur Schaden», wird er zitiert.

Im Medienbericht werden auch die Fakten aufgeführt: Im Kanton Luzern wurden zwischen 2009 und 2019 60 Schafe und 8 Ziegen vom Wolf gerissen. Mehr als die Hälfte davon war allein im Jahr 2009. Schweizweit werden pro Jahr 400 Schafe vom Wolf gerissen, in den letzten Jahren rissen Wölfe auf Entlebucher Alpen jeweils nur ein oder zwei Schafe.

Schon vor zwei Jahren hat der Wolf im Natur-Museum Luzern für eine emotionale Debatte gesorgt:

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3 Kommentare
  1. Martin Schleiss, 23.08.2020, 13:23 Uhr

    Tourismusdirektorin Carolina Rüegg ist zu bedauern, wenn sie davon ausgeht, dass Wanderer und Biker wegen Herdenschutzhunden nicht mehr ins Entlebuch kommen. Herdenschutzhunde werden in der ganzen Schweiz nötig sein, ausser man schiesst alle Wölfe ab. Dass man Raubtiere in der Schweiz wieder ausrotten kann, wie vor 100 Jahren, mag ein feuchter Traum einiger Walliser sein. Alle Realisten sollten sich aber an sie gewähnen und lernen, mit ihnen umzugehen. So, wie mit anderen Naturgefahren wie Unwettern oder Steinschlägen auch. Dafür profitiert dann die Biodiversität und die Natur davon.

  2. Irene Aebi, 23.08.2020, 09:36 Uhr

    Wölfe, die Menschen angreifen? Seit über 100 Jahren ist weltweit kein solcher Fall bekannt. Dass der Schafzuchtverband zu solchen Lügen und Märchen greift, die aus Büchern der Gebrüder Grimm stammen, zeigt nur, dass keine wahren Argumente vorhanden sind. Einfach nur lächerlich.

  3. Carl Sonnthal, 22.08.2020, 12:34 Uhr

    Bei einem Bestand von 210’000 Schafen in den Sömmerungsgebieten reissen Wölfe im Durchschnitt pro Jahr deren 200 bis 300. Durch Krankheit, Blitz- und Steinschlag hingegen sterben über 4’000 Schafe. Alle übrigen Schafe enden eher früher als später im Schlachthof- wo ist hier die Anteilnahme der Schäfer bei den abscheulichen Bildern ihrer „geliebten“ Tiere und Quälerei im Schlachthaus? Insider aus Schäfer- und Jägerkreisen berichten zudem immer wieder von Schafen, die Ende Sommer auf Alpen zurückgelassen werden, weil es zu aufwendig wäre, sie ins Tal zurückzuholen, oder weil sie sich in unwegsamem Gelände verstiegen haben. Tatsache ist: Der Wolf tötet nur einen Bruchteil der Schafe, die Jahr für Jahr auf Alpen zu Tode kommen. Hobby-Jäger sind die wirkliche Gefahr. So gab es seit dem Jahr 2000 über 65 Tote und 4’700 Verletzte! Der Jäger tötet, der Schäfer tötet, der Bauer tötet. Zusammen über 70 Millionen Tiere pro Jahr in der Schweiz. Und jetzt soll der Wolf der Böse sein? Irgendwie heuchlerisch.

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