Harte Zeiten für Zuger Hotels: Business-Gäste könnten bis 2023 ausbleiben
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Bei den in Rotkreuz ansässigen Firmen arbeiten Tausende von Leuten. Was, wenn diese vermehrt ausbleiben? (Bild: Roche)

25-jährige Strategie ist am Ende Harte Zeiten für Zuger Hotels: Business-Gäste könnten bis 2023 ausbleiben

4 min Lesezeit 07.10.2020, 05:04 Uhr

Die Zuger Hotelbranche hat sich in den letzten 25 Jahren nach den Business-Kunden gerichtet. Doch diese dürften noch eine Weile ausbleiben, was einige Betriebe vor grosse Probleme stellen könnte. Ob alle die Krise überleben werden, ist fraglich.

Die Coronakrise hat Auswirkungen auf fast alle Bereiche der Gesellschaft. Vor allem aus der Wirtschaft sind seit Beginn des Lockdowns immer wieder Hilferufe und Forderungen nach einer Aufhebung der vielerorts immer noch geltenden Einschränkungen laut geworden.

Ein Branche, die besonders unter der Pandemie leidet, ist der Tourismus und damit die Hotellerie. Insbesondere in Zug sind die Auswirkungen in Form von ausbleibenden Übernachtungsgästen aktuell schmerzlich zu spüren.

25-jährige Strategie ist am Ende

«Die Logiernächte sind seit dem Lockdown in der Stadt und im Kanton um 70 Prozent eingebrochen», sagt Renya Heinrich, Geschäftsführerin von Zug Tourismus. Der Einbruch sei indes absehbar gewesen, da man nicht vom Boom profitieren könne, der die Ferienregionen in den Bergen erfasst hat. Hinzu komme, dass derzeit alle Regionen bei der Schweizer Touristin anklopfen würden und Einheimische anlocken wollen.

«Nur wenige Leute gehen heute für ihre Ferien gezielt nach Zug. Dies hat auch damit zu tun, dass wir uns bei der Vermarktung in der Vergangenheit nicht auf die Angebote im Bereich Freizeit oder auf gezielten Städtetourismus fokussiert haben», so Heinrich. Vielmehr habe man in den letzten 25 Jahren auf den Business-Tourismus gesetzt, der ein äusserst erfolgreiches Geschäftsmodell war.

Gleichzeitig wurde die Angebotsgestaltung im Freizeitbereich mehrheitlich auf die lokale Bevölkerung ausgerichtet. «Bis Corona kam, ging diese Strategie denn auch auf», hält Heinrich fest. So seien die Betten in der Region unter der Woche meistens ausgebucht gewesen.

Nie mehr so viele Business-Gäste?

Das Problem für die Branche: Vor 2022 werden die Business-Gäste wohl nicht zurückkehren. Heinrich rechnet damit, dass es sogar bis 2023 gehen könnte, bis die Hotels wieder mit Geschäftsleuten gefüllt sind. Die Tourismus-Chefin spielt allerdings auch mit einem Szenario, in welchem die Business-Gäste gar nie mehr im bisherigen Ausmass in den Kanton Zug kommen. Ein Problem für alle die Betriebe, die sich auf dieses Geschäftsmodell konzentrieren.

«Wir wollen Corona als Chance nutzen, die bisherige Taktik zu hinterfragen.»

Renya Heinrich, Geschäftsführerin Zug Tourismus

Ob alle die Krise überleben werden, ist laut Heinrich deshalb alles andere als sicher. «Viele Firmen werden sich überlegen, ob man wirklich für jedes Meeting von A nach B fliegen muss und auch ‹Home Office› wird in gewissem Umfang bestehen bleiben.»  Um den Hotels künftig wieder mehr Logiernächte mit neuen Zielgruppen zu ermöglichen, will Zug Tourismus das Vermarktungskonzept aufgrund von Corona noch schneller neu ausrichten.

«Wir wollen in Zukunft nicht nur auf weiter entfernte Märkte setzen, sondern mehr nationale Gäste im Bereich MICE (Meetings & Events), vor allem auch Freizeitgäste, nach Zug locken», sagt Renya Heinrich. Im kommenden Frühling werde die neue Strategie stehen.

Dazu gehören auch mehr Tagestouristen, insbesondere der «vielseitige Schweizer», wie sie es ausdrückt. «Wenn die Hotels wie auch die übrigen Leistungsträger mitziehen und in ihrer Ausrichtung entsprechend beweglich und innovativ sind, können wir die Krise zusammenüberstehen», sagt Heinrich, die selbst jahrelang in der Hotelerie tätig war. 

Hotelier glaubt an Schub nach Ende der Pandemie

Dass es aber zu Härtefällen kommen wird, ist für Stefan Gareis, Präsident von Zug Tourismus und Direktor des Parkhotels allerdings nicht auszuschliessen, auch wenn es sich dabei erst um Vermutungen handle. Denn bis etwa Mitte nächsten Jahres könnten die Angestellten noch in Kurzarbeit bleiben.

«Wenn sich die Krise abschwächt, wird es wohl anfangs erst einmal einen Schub in der Businesshotellerie in Zug geben. Die Geschäftsführungen der vielen in Zug ansässigen Firmen wollen sich wieder mit ihren internationalen Teams und Mitarbeitenden vor Ort treffen und visuell austauschen», sagt Gareis. Das gelte ebenso für grössere Gruppen. 

Die Politik in der Pflicht

Die herrschende Situation schätzt er als «sehr bedenklich» ein. «Die Firmen sind weitgehend (wieder) im Home-Office, und auch Ferienreisende aus dem Inland und den Nachbarländern stornieren aufgrund der unsicheren Lage ihre geplante Reise», schreibt Gareis.

Selbst wenn es in dieser Situation sehr schwierig sei, wünscht er sich eine klare Kommunikation seitens der Politik und einheitliche Regeln. «Betreffend Tourismus ist der Kanton Zug im Vergleich zu anderen Regionen immer noch unbedeutend, da muss sich schnell etwas bewegen», ist er sich der Lage in der Region bewusst.

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