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Harold Kreis: «Wir haben nichts erreicht»
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Im Element: Harold Kreis dirigiert das Geschehen von der Bande aus. (Bild: Facebook-Page EVZ)

Der EVZ-Headcoach im Gespräch zur kommenden Saison Harold Kreis: «Wir haben nichts erreicht»

6 min Lesezeit 05.09.2017, 10:30 Uhr

Am Freitag startet der EV Zug in die neue Saison. zentralplus hat sich mit Coach Harold Kreis unterhalten. Dieser will nicht mehr über die vergangene, erfolgreiche Saison sprechen, sondern nur in die Zukunft schauen.

Während der Journalist in den Katakomben der Bossard Arena auf seinen Interviewpartner wartet, hört er, wie im Kraftraum nebenan einer an seine körperlichen Grenzen geht. Es stellt sich heraus, dass sich Headcoach Harold Kreis nach dem Eistraining mit seiner Mannschaft keine Pause gönnt, sondern sich mit einem mittäglichen Krafttraining herausfordert.

Mit dem Ausloten des eigenen Leistungspotentials lebt der Coach gleich einen der Werte vor, die er täglich von seinen Spielern einfordert. Im anschliessenden Gespräch nimmt sich der entspannte und freundliche 58-Jährige Zeit, um ausführlich über die Vorbereitungen und Ziele des EVZ im Hinblick auf die neue Saison – seine vierte am Zugersee – Auskunft zu geben.

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zentralplus: Harold Kreis, wie zufrieden sind Sie mit der Vorbereitung und dem Formstand des EVZ?

Harold Kreis: Wir konnten unsere Leistung noch nicht konstant über 60 Minuten abrufen. Wir haben gute Phasen, in denen wir kompakt und aggressiv spielen, aber noch nicht genügend oft. Wir arbeiten daran, das zu ändern.

zentralplus: Ist es nicht normal, dass dem Team in der Saisonvorbereitung die notwendige Konstanz und Energie noch etwas abgeht?

Kreis: Es ist nichts normal, was den Anspruch nicht erfüllt. Wir entwickeln uns dank unserem Teamgeist und harter Arbeit jedoch in die richtige Richtung. Es ist sicher nicht ungewöhnlich, dass man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht auf dem besten Niveau ist.

zentralplus: Sicherlich ein Faktor dafür ist, dass es einige Wechsel in der Mannschaft gegeben hat. Wie verläuft die Integration der neuen Spieler?

Kreis: Roe und Stalberg sind schnelle, technisch starke Spieler, die in der gemeinsamen Linie mit Lammer gut harmonieren. Das Verständnis von Kast mit Klingberg und Senteler ist ebenfalls auf gutem Weg. In der Defensive bilden die Jungen jeweils mit älteren Spielern ein Paar, was gut funktioniert.

«Natürlich hinterlässt Josh als Persönlichkeit Fussstapfen. Nun liegt es an anderen Spielern, in diese hineinzutreten.»

zentralplus: Reden wir über den prominentesten Abgang. Josh Holden hat die Mannschaft im letzten Jahrzehnt auf und neben dem Eis geprägt. Hat sein Abgang ein Vakuum hinterlassen?

Kreis: Nein. Es gehört zum Sport, dass jede Saison Spieler das Team verlassen und neue dazukommen. Wir haben eine gute Mischung von jungen und älteren Spielern. Viele sind schon länger dabei. Natürlich hinterlässt Josh als Persönlichkeit Fussstapfen. Nun liegt es an anderen Spielern, in diese hineinzutreten.

zentralplus: War es nicht schwierig, einem so verdienten Spieler mitzuteilen, dass er nun in die Kabine des Academy-Teams nebenan gehört?

Kreis: Die Entscheidung ist beidseitig gefallen. Er hat sie auch im Hinblick auf seine eigene Zukunft gefällt. Seine Führungsrolle im Swiss-League-Team (Academy-Team, Anm. d. Red.) wird noch grösser sein, zudem kann er Erfahrungen im Coaching sammeln.

zentralplus: Würde er einen guten Coach abgeben?

Kreis: Das kann ich nicht beurteilen.

zentralplus: Was macht denn einen guten Coach aus?

Kreis: Ich glaube nicht, dass es eine Formel gibt. Man muss authentisch sein, das Handwerk kennen und ganz sicher gut kommunizieren können.

zentralplus: Von welchen Spielern erwarten Sie konkret, dass sie in die Fussstapfen Holdens treten?

Kreis: Diaz wird als Captain in seiner zweiten Saison nach der Rückkehr noch mehr Verantwortung übernehmen. Zudem Suri und Schnyder, die beide schon lange dabei sind. Roe und Stalberg werden ebenfalls eine Führungsrolle einnehmen, auch McIntyre. Wir haben einige, die mitziehen.

«Du bist nur so gut wie das letzte Spiel. Dieses haben wir verloren.»

zentralplus: Letzte Saison war von Beginn weg spürbar, dass das Team nach der Blamage gegen Lugano im Playoff-Viertelfinal 2016 auf einer Mission war, um ihren Ruf zu rehabilitieren, was mit dem Entfachen der Euphorie im Playoff-Final eindrücklich gelungen ist. Mit welcher Einstellung steigt die Mannschaft nun in die Saison?

Kreis: Wir sind immer noch auf einer Mission. Wir müssen Demut vor dieser Aufgabe zeigen und die Bereitschaft haben, jeden Tag hart zu arbeiten.

zentralplus: Aber Sie sind schon zufrieden mit der letzten Saison?

Kreis: Du bist nur so gut wie das letzte Spiel. Dieses haben wir verloren. Im Sport zählt die unmittelbare Zukunft. Die letzte Saison war schön, ist aber vorbei. Die Saison beginnt wieder für alle von null.

zentralplus: Richten wir unseren Fokus also auf die Zukunft. Warum ist die jetzige EVZ-Ausgabe besser als die letztjährige?

Kreis: Wir sind aufgrund der zwei neuen Ausländer anders aufgestellt. Wir wollten als Mannschaft schneller spielen. Dies ist uns durch die Zuzüge der drei neuen Stürmer gelungen.

zentralplus: Diese Saison sollen die jungen Spieler , die noch Zeit brauchen, mehr Spielzeit erhalten, bis sie sich an das Tempo und die Physis der höchsten Spielklasse gewöhnt haben. Wie lässt sich das mit dem Willen vereinbaren, in jedem Spiel zu gewinnen?

Kreis: Die Förderung junger Spieler gehört zu unserer Klubphilosophie und es ist unsere Challenge, diese umzusetzen. Wir müssen ihnen ihre Aufgabe beibringen. Sie machen ihren Job gut. Natürlich werden sie Fehler begehen, aber sie sind motiviert, diese zu korrigieren, und sie erzielen stetige Fortschritte.

zentralplus: Werden sie bei ausgeglichenem Spielstand fünf Minuten vor Schluss noch Eiszeit erhalten?

Kreis: Wir haben bisher immer in bestimmten Spielsituationen gegen Ende einer Partie bei engem Spielstand gewisse Spielertypen forciert. Wenn du ein Tor brauchst, setzt du mehr auf die Scorer. Wenn du eine Führung verteidigst, eher auf defensiv starke Spieler. Aber auch die Jungen werden an diese Situationen herangeführt.

zentralplus: In der jüngeren Vergangenheit haben verschiedene Teams wie Kloten, Fribourg, Genf, Lugano den Final erreicht und anschliessend den Erfolg nicht nachhaltig bestätigen können. Wieso passiert das dem EVZ nicht?

«Letztlich geht es darum, dass wir unser bestes Spiel abrufen.»

Kreis: Wir halten unsere Leistungskultur hoch und verrichten unsere Arbeit mit Bescheidenheit. Wir haben noch nichts erreicht. Wir sagen das den Spielern jeden Tag, damit wir unseren Leistungsstandard erfüllen. Wir wollen das Leistungspotential der einzelnen Spieler und der Mannschaft herauskitzeln. Wenn wir an die Grenzen unseres Potential gehen, gewinnen wir die meisten Partien. In der Regel geht es dabei um Kleinigkeiten. Bereits ein paar Prozent des Nachlassens sind ausschlaggebend. Gewinnst du das Laufduell um die Scheibe? Machst du die Checks fertig? Wir legen ein Auge darauf, dass wir diese Dinge erfüllen.

zentralplus: Welches Ziel entspricht denn dem Zuger Leistungspotential?

Wir versuchen immer, besser zu werden. Letztlich geht es darum, dass wir unser bestes Spiel abrufen. Das messen wir daran, zu welchem Grad die Mannschaft kämpft, ihr Potential erfüllt, das System umsetzt und sich an die Spieldisziplin hält, also keine dummen Strafen nimmt. Ich freue mich, wenn wir gut unterwegs sind und umsetzen, was wir uns vornehmen, zum Beispiel, indem wir einen Check einstecken, die Wechsel richtig vollziehen, die nächsten Ziele erreichen.

zentralplus: Und was ist das erste Ziel in der neuen Saison?

Kreis: Dass wir einen guten Start hinlegen und gegen Davos und Lugano, zwei starke Gegner, mit Selbstvertrauen und Kampfgeist antreten.

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