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Happige Zensur-Vorwürfe gegen «Luzerner Rundschau»
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David Roth ist nicht gern gesehen in der «Luzerner Rundschau» – im Gegensatz zu anderen Politikern, die regelmässig schreiben.   (Bild: Montage zentralplus)

Gratis-Wochenzeitung lehnt Parteikolumne ab Happige Zensur-Vorwürfe gegen «Luzerner Rundschau»

4 min Lesezeit 1 Kommentar 25.01.2018, 08:08 Uhr

Wie steht es um die politische Unabhängigkeit der «Luzerner Rundschau»? Seit das Blatt zu Christoph Blochers Medienimperium gehört, gehen Befürchtungen der Einflussnahme um. Nun zeigt ein Fall: Tatsächlich scheinen im Blatt nicht alle Meinungen willkommen.

Seit letztem Sommer gehört die «Luzerner Rundschau» zu Christoph Blochers Medienimperium (zentralplus berichtete). Politisch soll sich im Blatt nichts ändern, man fokussiere auf lokale und regionale Events, sagte Geschäftsführer Martin Plazzer damals zu zentralplus.

Die Redaktion arbeite parteipolitisch unabhängig. Gänzlich unpolitisch ist das Blatt, das immer am Donnerstag in einer Auflage von gut 60’000 Exemplaren kostenlos erscheint, aber nicht: In der Rubrik «Standpunkt» erhalten Politiker verschiedener Parteien regelmässig ein Forum, um ihren – nun ja: Standpunkt zu erläutern.

Es schreiben da abwechselnd Politiker wie Albert Schwarzenbach (CVP), Fabian Reinhard (FDP), Marcel Lingg (SVP) oder Hans Stutz (Grüne). Manchmal auch andere Vertreter selbiger Parteien, vorwiegend aus der Stadt Luzern.

Fehlt da was? Genau. Wenn man die E-Papers der letzten Monate durchschaut, fehlt die SP durchgehend. Ebenso die GLP.

Eine Vorgeschichte mit Folgen

Es scheint, als seien nicht alle Meinungen gleich gern gesehen auf der «Luzerner Rundschau»-Redaktion. Dass die SP lange fehlte, hat eine Vorgeschichte – dazu später. Jedenfalls hätte in der aktuellen Ausgabe erstmals seit langem wieder eine Kolumne eines SP-Vertreters erscheinen sollen. So wollte es die Wochenzeitung.

David Roth, Kantonsrat und kantonaler Parteipräsident, schrieb darum unter dem Titel «Für sichere Prämienverbilligung» über die SP-Initiative gegen die Reduktion der Prämienverbilligung im Kanton Luzern.

Doch der Text wurde nicht gedruckt, Geschäftsleiter Martin Plazzer selbst hat die Kolumne abgelehnt. Dies geht aus dem Mailverkehr hervor, der zentralplus vorliegt.

Verhärtete Fronten

David Roth selbst bezeichnet seine Kolumne als harmlos. Und tatsächlich steht in seinem abgelehnten Text nichts Verfängliches. Darin wird die Politik der Luzerner Regierung kritisiert, wie man das von der SP kennt. Roth meint, den wahren Grund für die Ablehnung zu kennen. «Sie kommt von David Roth und der gehört nicht in diese Zeitung», sagt er zynisch.

Zur Vorgeschichte: 2013 trat Roth, damals noch schweizerischer Juso-Präsident, neben vielen anderen Politikern in der Jubiläumssendung «20 Jahre Arena» im Schweizer Fernsehen auf. Er attackierte damals Christoph Blocher hart. Schon damals wurde seine Kolumne daraufhin in der «Rundschau» abgelehnt aufgrund seines «respektlosen Umgangs mit Politprominenz», wie Roth sich erinnert.

«Die Besitzverhältnisse der Zeitung haben nichts geändert.»

Martin Plazzer, Geschäftsleiter «Luzerner Rundschau»

Nun hat man einen neuen Anlauf genommen, die «Luzerner Rundschau» wollte die SP wieder im Blatt haben. Doch David Roth ist für den regionalen Wochenanzeiger angeblich noch immer Tabu.

Die Fronten zwischen Geschäftsführer Martin Plazzer und David Roth scheinen verhärtet. «So wie es aussieht, fällt unsere Vereinbarung ins Wasser und die SP wird in Zukunft leider keinen Standpunkt bei uns schreiben», hiess es in der Ablehnung von Seiten der «Rundschau».

Parteipolitisch unabhängig?

Martin Plazzer verneint auf Anfrage von zentralplus, dass die SP keinen Platz hat in der Zeitung – jede Partei komme einmal dran. Alle Parteien würden gleichermassen berücksichtigt und in einem fixen Turnus erscheinen. Mehr will der Geschäftsleiter nicht verraten.

«Das Blocher-Blatt zeigt uns schon heute, wie Medien nach einem Ja zu No Billag aussehen könnten.»

Claudio Soldati, SP Stadt Luzern

Auf die Frage, wieso er David Roths Kolumne ablehnte, reagiert Plazzer ausweichend. Grundsätzlich hätten alle Köpfe und alle Themen Platz. «Daran haben auch die Besitzverhältnisse der Zeitung nichts geändert», sagt Plazzer. Die «Rundschau» sei parteipolitisch völlig unabhängig. Der Mailverkehr spricht eine andere Sprache – diesen Widerspruch lässt Plazzer unkommentiert.

Vorwurf des «Blocher-Blatts»

Claudio Soldati, SP-Präsident der Stadt Luzern, war mit der «Luzerner Rundschau» in Kontakt. Die Partei sei gewillt gewesen, wieder eine Kolumne zu liefern, nachdem sie jahrelang gefehlt hatte – vergeblich. Für ihn ist klar: «Martin Plazzer betreibt Zensur. Das Blocher-Blatt zeigt uns schon heute, wie Medien nach einem Ja zu No Billag aussehen könnten. Als Partei können wir das nicht akzeptieren.»

«Das ist vorauseilender Gehorsam vor den rechten Verlegern.»

David Roth, Kantonsrat SP

Dass Redaktionen Texte ablehnen, gehört zum Medien-Alltag. Was ihn konkret an David Roths Text gestört hatte, verrät Plazzer nicht. Wäre ein anderer Name unter dem Text gestanden, wäre dieser vielleicht gedruckt worden. Wieso schreibt nicht jemand anders für die Partei, wenn man vom Zerwürfnis weiss? «Es geht nicht, dass die Luzerner Rundschau einzelne Exponenten ausschliesst, wir lassen uns nicht vorschreiben, wen wir auswählen», sagt Claudio Soldati, David Roth sei immerhin der Präsident der kantonalen Partei.

Auch für David Roth ist klar, dass er unter diesen Umständen lieber verzichtet. Er sagt: «Was da passiert, ist ein vorauseilender Gehorsam vor den rechten Verlegern.»

Apropos No Billag: Statt David Roth steht in der aktuellen Ausgabe der «Luzerner Rundschau» ein anderer Kopf beim «Standpunkt». Stadtpräsident Beat Züsli schreibt über die No-Billag-Initiative. Zwar ist auch er ein SP-Vertreter, aber er schreibt als Mitglied des Luzerner Nein-Komitees.

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1 Kommentare
  1. Roland Grüter, 30.01.2018, 17:56 Uhr

    “Zensur”
    Bei welcher Zeitung sind schon alle Meinungen willkommen? Das Ganze ist eine eigenartige Heuchelei!