«Hallo, Polizei? Ich würde gerne ein Gedicht vortragen»
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In der Einsatzleitzentrale der Zuger Polizei wurde schon ein Gedicht zum Besten gegeben. (Bild: zentralplus / Montage: lob)

Aus der Einsatzzentrale der Zuger Polizei «Hallo, Polizei? Ich würde gerne ein Gedicht vortragen»

4 min Lesezeit 31.07.2017, 12:56 Uhr

Wenn «Dein Freund und Helfer» zu wörtlich verstanden wird: Wer bei der Zuger Polizei anruft, hat nicht immer einen Notfall zu melden. Es kommt vor, dass man am Ende der Leitung nur wissen will, ob die Badi geöffnet hat. Das ist längst nicht der skurrilste Fall.

Daran, dass die Bevölkerung in regem Kontakt mit den Herren und Damen in den blauen Uniformen steht, ist im Ansatz nichts falsch. Das meint auch Judith Aklin, Kommunikationsverantwortliche bei der Zuger Polizei. «Nur wenn wir sofort alarmiert werden, können wir umgehend reagieren, vor Ort helfen und mögliche Personen überprüfen.» Darum gelte: Lieber einmal zu viel bei der Polizei anrufen als einmal zu wenig.

Twitterkampagne gegen Spass-Notrufe

Beim deutschen Nachbarn nimmt man dies bisweilen etwas zu wörtlich. Seit letztem Winter sammelt und postet unter anderem die Berliner Polizei unter dem Hashtag #NoNotruf auf Twitter und Facebook die skurrilsten Anrufe.

«Auf der Einsatzleitzentrale fühlt man sich manchmal als Auskunftsbüro.»

Judith Aklin, Kommunikationsverantwortliche Zuger Polizei

Dies, weil es dort für geschätzte 20 Prozent der Fälle gar keinen Grund für den Anruf gäbe. Man tut es dennoch. Blockiert Notrufleitungen und pocht auf Hilfe, weil einem im Spital der Kartoffelsalat geklaut wurde. Oder die Nachbarn zu laut Plätzchen backen. In Unterfranken bittet man die Beamten derweil, Monopoly-Falschspieler dingfest zu machen.

Wie sieht es in Zug aus? Melden sich Herr und Frau Zuger brav nur bei Notfällen oder in Ausübung ihrer Bürgerpflicht, um auf verdächtige Beobachtungen hinzuweisen? «Natürlich kommt es auch mal zu Anrufen, die eigentlich nicht für die Polizei gedacht wären», entgegnet Aklin. Diese sehen zum Beispiel so aus:

In die Badi oder nicht?

Das Wetter ist am Morgen durchzogen, aber am Nachmittag könnte die Sonne scheinen – da fragt sich manch einer, ob die Badi denn nun geöffnet hat. Nur, wie findet man dies am besten heraus? Die Polizei wird’s wissen, denken sich offensichtlich einige.

Im Sommer käme es vor, dass mit der Frage angeklopft werde, ob denn das Freibad der Wohngemeinde heute geöffnet sei. «Auf der Einsatzleitzentrale fühlt man sich manchmal als Auskunftsbüro», sagt Mediensprecherin Aklin.

«Muesch en Uskunft ha – lüt 118 ah?»

Apropos Auskunftsbüro – neben den zwei eigenen Anschlüssen (siehe Box) betreibt die Einsatzleitzentrale (ELZ) der Zuger Polizei auch die 118-er-Notrufnummer der Feuerwehr. Die, wie uns verraten wird, offensichtlich auch mal für die Auskunftsnummern 1818 oder 1811 gehalten wird. Zufall, oder will man den Arm des Gesetzes schon mal veralbern? Böse Absichten mag man den Anrufern bei der Polizei nicht unterstellen. Diese würden sich schlicht und einfach verwählen.

Nachtgespräche

Wiederum andere klingeln durch, um ihre Einsamkeit zu lindern. Oder weil sie sich eine Alternative zum Schäfchenzählen erhoffen. Klingt komisch, ist aber Fakt: In der Nacht hat man bei der ELZ öfters jemanden in der Leitung, der sich ein offenes Ohr wünscht, weil er einsam ist. Oder etwas plaudern möchte, weil er nicht schlafen kann. Vielleicht wird dann die eine oder andere Räubergeschichte zum Besten gegeben.

Poesie für die Polizei

Nicht alle jedoch wollen Öffnungszeiten erfahren, seelischen Beistand bekommen oder wissen, wo die nächste Pizzeria ist. Man will den Hütern des Gesetzes zum Beispiel auch etwas Gutes tun. Wie die Person, die zum Hörer griff, um mit der Polizei ihre dichterischen Fertigkeiten zu teilen und ein Gedicht vortrug. War es denn gut? Das bleibt leider Polizeigeheimnis.

Unterhaltung kann ins Auge gehen

Wie gross ist der effektive Anteil solcher Anrufe? «Wir führen keine Statisik, deshalb lassen sie sich auch nicht beziffern. Es handelt sich jedoch um Einzelfälle», erklärt Kommunikationschefin Aklin. Wenn sie trotzdem eingehen, dann lautet die Parole «freundlich aber bestimmt», um nicht in Lachen auszubrechen oder sich ärgern zu lassen.

«In solchen Fällen versuchen wir, wenn möglich, zu helfen, teilen den Anrufern aber auch höflich mit, dass ihre Anfrage nicht die Polizei betrifft und wir die Leitung freihalten müssen für dringliche Einsätze.» Ob das immer so gelassen klappt, bleibt offen.

Nicht zu unterschätzen sei auch die Gefahr von Spass-Anrufen: «So komisch und unterhaltsam solche Anrufe auch klingen, sie halten die Mitarbeitenden der Einsatzleitzentrale von ihrer eigentlichen Arbeit ab», schliesst Judith Aklin.

Die Nummern der Zuger Polizei

Die Zahlen der ELZ aus dem letzten Jahr: 109’500 eingegangene Anrufe, davon 13’500 Notrufe und rund 20’000 Einsätze. Die Einsatzleitzentrale der Zuger Polizei betreibt mit dem Notruf 117 und der Nummer 041 728 41 41 zwei Anschlüsse. Die Notrufnummer 117 ist – klar – für dringende Anliegen und hat einen polizeilichen Einsatz zur Folge. Bei der Nummer 041 728 41 41 handelt es sich hingegen um eine Auskunftsnummer der Zuger Polizei. Hierbei erfolgt die Gesprächsführung analog einem gewohnten Telefongespräch. In der gleichen Zentrale landet auch, wer per 118 die Feuerwehr alarmieren will.

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