Hallo Landwirte: Warum lernt ihr keinen zweiten Beruf?
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Besuch aus Vorarlberg: Andrea Schwarzmann sagt, wie Bäuerinnen in Österreich Herausforderungen anpacken. (Bild: zvg)

Luzerner Bäuerinnen erhalten Impuls aus Österreich Hallo Landwirte: Warum lernt ihr keinen zweiten Beruf?

3 min Lesezeit 16.03.2019, 14:30 Uhr

Andrea Schwarzmann ist «Bundesbäuerin» in Österreich. Sie ermöglichte ihren Luzerner Berufskolleginnen einen motivierenden Blick über die Landesgrenze. Und sagte vor 300 Gästen in Malters was multifunktionale Landwirtschaft ist.

Unter dem Titel «So nah und doch so anders», referierte die Österreichische Bundesbäuerin Andrea Schwarzmann am Mittwoch in Malters vor einem vollen Saal Luzerner Bäuerinnen und einer Handvoll männlicher Gäste. Es stellte sich heraus, dass bei den österreichischen Bäuerinnen erstaunlich vieles ähnlich läuft, lediglich anders genannt wird.

In einem Punkt jedoch unterscheidet sich die Schweizer Struktur klar von den Nachbarn: Rund zwei Drittel der Betriebe werden im Nebenerwerb geführt, in der Schweiz ist es umgekehrt. Dass viele Landwirte und Bäuerinnen durch das Erlernen eines Zweitberufes den Horizont erweitern, werde heute gar als Stärke angesehen und als Basis für das Erfolgsmodell der «multifunktionalen Landwirtschaft».

Mit den Kompetenzen aus den erlernten Berufen würden oft zu den Betriebsleitern passende Standbeine aufgebaut. Nebst Agrotourismus, Energiegewinnung oder Direktvermarktung würden neu auch soziale Angebote, sogenannte Green Care-Angebote, zunehmend eine Zukunftsperspektive bieten.

Mehr Bäuerinnen in der Politik

Die Bergbäuerin aus dem Biosphärenpark Grosses Walsertal zeigte auf, wie die Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Bäuerinnen (das Pendant zum Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverband) aufgestellt ist und in welchen Bereichen sie aktuell tätig sind. Die Themen «Ernährungs- und Konsumbildung», «Rechte der Bäuerinnen» oder «Sorgentelefon» kamen den Luzerner Bäuerinnen bekannt vor.

Auch der österreichische Lehrgang «ZAMm», mit dem Ziel Bäuerinnen für die Vertretungsarbeit in Politik und Verbänden professionell zu schulen, hat so einige Parallelen zum Schweizer Projekt «Mehr Frauen in die Politik». Ein wichtiges Thema in Österreich ist auch die «Lebensqualität». Dabei gehe es nicht darum, weniger Arbeit und mehr Freizeit zu haben, sondern Freude zu haben an dem, was man tut, und dieses Recht allen Menschen auf dem Hof zuzugestehen.

«Können Stürme des Lebens aushalten»

Aufmunternd schloss die Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer Vorarlberg: «In keiner anderen Berufsgruppe findet man so enge Familienstrukturen, gesunde Lebensmittel und so viel Gemeinschaftssinn. Viele haben Sehnsucht nach diesen bäuerlichen, oft unterschätzten Werten. Was wir machen, ist nicht von vorgestern, sondern Zukunftsprogramm! Unsere Wurzeln sind so tief, dass wir die Stürme des Lebens aushalten können».

Frischgebackene Bäuerinnen: Mirjam Etterlin (vorne links), Karin Egli-Murer, Rita Christen, Martina Zimmermann,  Claudia Habermacher (Mitte links), Karin Mattmann-Beerli, Barbara Häcki, Nicole Steiger-Meier, Regula Bucheli,  Ursula Erni (hinten links), Regina Filliger, Monika Gysin.

Frischgebackene Bäuerinnen: Mirjam Etterlin (vorne links), Karin Egli-Murer, Rita Christen, Martina Zimmermann,  Claudia Habermacher (Mitte links), Karin Mattmann-Beerli, Barbara Häcki, Nicole Steiger-Meier, Regula Bucheli,  Ursula Erni (hinten links), Regina Filliger, Monika Gysin.

(Bild: zvg)

Regierungsrat und Polizeidirektor Paul Winiker beruhigte, er sei nicht etwa hier wegen Falschparkern, sondern weil zu seinem Departement auch die Versorgungssicherheit gehöre. Der Beitrag der Bauern zur Grundversorgung sei auch heute noch unverzichtbar, auch wenn der Zustand von Engpässen in Vergessenheit geraten sei.

Soziale Absicherung hat nichts mit Direktzahlungen zu tun

Bäuerinnen-Vizepräsidentin Hella Schnider durfte sodann 21 Bäuerinnen mit Fachausweis ehren und ein Präsent überreichen. Besonders gratulierte sie Rita Christen, Steinhuserberg, welche zusätzlich die Höhere Fachprüfung Bäuerin absolviert hat.

Bäuerinnen-Präsidentin Regula Bucheli blickte kurz auf das vergangene Jahr zurück und berichtete, das die Luzerner Bäuerinnen in einem offenen Brief dargelegt hätten, dass sie nicht hinter den Forderungen des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbandes stehen, welche die soziale Absicherung der Bäuerinnen an den Bezug der Direktzahlungen knüpfen wollen. Die Frauen abzusichern müsse vielmehr in der Eigenverantwortung der Betriebe sein.

Ort der Frühlingstagung: Malters.

Ort der Frühlingstagung: Malters.

(Bild: zvg)

Eröffnet worden war die Frühjahrstagung mit Trompetenklängen eines Bläsertrio der Musikschule Malters. Die Bäuerinnen aus der Region Pilatus haben Eingang und Saal einmal mehr wunderbar österlich dekoriert mit zarten Frühlingsblumen. Bei Milchkaffee und Gebäck liessen die rund 300 Frauen den interessanten Nachmittag ausklingen.

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