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Halbanschluss: Gegner fühlen sich nicht ernst genommen
  • Politik
Total überlastet im Pendlerverkehr: Bis zu 3000 Autos pro Stunde drehen sich in Rotkreuz morgens zu Spitzenzeiten im Forren-Kreisel. (Bild: woz)

Risch-Rotkreuz: Sorge um Bauprojekt ist gross Halbanschluss: Gegner fühlen sich nicht ernst genommen

4 min Lesezeit 03.06.2019, 22:23 Uhr

Alles haben die Rischer Stimmberechtigten am Montagabend durchgewinkt: Jahresrechnung, Zusatzkredite, Kindergartenneubauten. Ein Thema sorgte an der Gemeindeversammlung dennoch für Emotionen. Und das, obwohl gar nicht darüber diskutiert werden durfte.

Dass an der Gemeindeversammlung in Risch die Rechnung 2018 präsentiert wurde, war nicht der Grund, weshalb sich am Montag derart viele Leute im Gemeindesaal scharten. Sie waren wegen eines viel emotionaleren Anliegens da. Der Halbanschluss Rotkreuz Süd ist vielen Rischern ein Dorn im Aug. Und der Widerstand wird nicht weniger.

Die Gemeindeversammlung, die äusserst gemächlich, um nicht zu sagen langweilig begann, nahm erst gegen Ende Fahrt auf. Dann nämlich beantwortete der Gemeinderat die zwei sich ähnelnden Interpellationen der Halbanschlussgegner.

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Es sind viele Fragen, mit denen sowohl die Grünen als auch die «IG Halbanschluss Nein» an den Gemeinderat gelangten. Beide Gruppierungen fürchten nämlich, dass mit dem geplanten Halbanschluss der motorisierte Verkehr zunehmen wird und damit noch grössere Verkehrsprobleme auftauchen als die, die bereits heute bestehen.

«Es gibt keine Lösung, die nur Vorteile hat.»

Ruedi Knüsel, Bauchef Risch-Rotkreuz

Sie raten deshalb dringend von diesem Bauvorhaben ab. «Sie», das sind nicht einige wenige. Nein, über 1’000 Unterschriften wurden in einer vorgängigen Petition gegen den Ausbau gesammelt (zentralplus berichtete).

Bund und Kanton sind für den Halbanschluss

«Es gibt keine Lösung, die nur Vorteile hat», beteuert Bauchef Ruedi Knüsel während der Beantwortung. Doch habe der Gemeinderat eine Gesamtabwägung vorgenommen, den Halbanschluss Rotkreuz Süd genau analysiert, und «ist zum Schluss gekommen, dass die Vorteile überwiegen». Auch das Bundesamt für Strassen sowie der Kanton Zug würden den Ausbau der Autobahn begrüssen, so Knüsel.

Der Bauchef räumt ein, dass durch den geplanten Halbanschluss der Verkehr an einigen Standorten, etwa der Buonaserstrasse, zunehmen dürfte. Auf vielen anderen Strassen jedoch, sollte der Verkehr jedoch abnehmen.

Knüsel verweist zudem immer wieder auf geplante «flankierende Massnahmen», welche im Zuge des Halbanschlussbaus umgesetzt werden sollten. Was diese beinhalten, ist derzeit jedoch noch sehr unkonkret. – Was wiederum von den Gegnern kritisiert wird.

Der Kantonsrat entscheidet als Nächstes

Nur: Besonders weit ist man tatsächlich noch nicht mit der Planung. Der nächste Entscheid fällt auf Kantonsebene, so erklärt Knüsel. Der Kantonsrat wird voraussichtlich im Herbst dieses Jahres entscheiden, ob der Halbanschluss in den Richtplan aufgenommen wird. Passiere dies, werde früher oder später das kantonale Stimmvolk über den Halbanschluss befinden.

«Wenn ihr da hinten die Schleuse aufmacht, wird sie nie mehr zu gehen.»

Rotkreuzerin bezüglich des geplanten Halbanschlusses

«Dieses Bauprojekt ist wohl eine der brisantesten politischen Fragen, welche Risch in der letzten Zeit behandelt hat», sagt Knüsel. Und eines der unbequemeren, wenn man sich den grossen Widerstand ansieht, mit dem der Gemeinderat konfrontiert ist.

Interpellanten sind sehr unzufrieden

Weder IG noch Grüne sind auch nur annähernd zufrieden mit der Beantwortung. «Wir bedauern, dass der Gemeinderat die Meinung der über 1’000 Interpellanten nicht ernst nimmt», sagt Konradin Franzini, Vize-Präsident der Grünen Risch. Auch der Sprecher der IG Halbanschluss Nein äussert sich dezidiert: «Nachhaltige Lösungen werden vom Gemeinderat gar nicht mehr angeschaut. Er hat sich in die Idee dieses Halbanschlusses verbissen.»

Gemäss Regierungsratsbeschluss dürfte es im Nachgang zur Beantwortung von Interpellationen keine Diskussion geben. Dennoch erhebt sich eine Anwesende. 

Sie sagt warnend: «Wenn ihr da hinten die Schleuse aufmacht, wird sie nie mehr zugehen. Ihr solltet die Anliegen der Bevölkerung ernst nehmen, bevor es zu spät ist, und euch überlegen, was ein Halbanschluss für unsere Kinder bedeutet, für unsere Lebensqualität.»

Darüber wurde an der Versammlung entschieden:

Die Rischer Stimmberechtigten genehmigten die letztjährige Rechnung sang- und klanglos. Diese lässt sich nämlich sehen, hat die Gemeinde doch mit einem Ertragsüberschuss von rund 4,9 Millionen Franken abgeschlossen. Budgetiert war ursprünglich ein Plus von 63’000 Franken.

«Es ist das zehnte Mal in Folge, dass die Gemeinderechnung signifikant besser abschneidet als budgetiert», kommentierte eine Anwesende. Sie plädierte dafür, dass in der Gemeinde die Steuern gesenkt werden.

Unbestrittene Bauvorhaben

Ebenfalls kaum auf Kritiker traf der neue Kindergarten, der in der Binzmühle gebaut werden soll. Kostenpunkt: 2,14 Millionen Franken.

Eine grosse Mehrheit der 353 Stimmberechtigten sprach sich für das Projekt aus. Dass Risch-Rotkreuz rasant wächst und es darum mehr Schulraum braucht, leuchtet den meisten ein.

Deshalb gab es auch kaum Gegner des nächsten Vorschlags, der vorsah, einen Zusatzkredit für die Planung der Sanierung und Erweiterung des Schulhauses 4 zu beschliessen. Kosten: 250’000 Franken.

Der Kindergarten Binzmühle wird abgerissen. Die Gemeindeversammlung sprach sich deutlich für einen Neubau aus.

Der Kindergarten Binzmühle wird abgerissen. Die Gemeindeversammlung sprach sich deutlich für einen Neubau aus.

(Bild: wia)

 

 

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