Kriminalstatistik des Kantons Zug 2015 Häusliche Gewalt: «Wir rücken fast jeden Tag aus»

5 min Lesezeit 22.03.2016, 18:32 Uhr

In Zug wird immer noch geraubt, gestohlen und geprügelt – aber anders als im Vorjahr. In der neu erschienenen Kriminalstatistik des Kantons Zug überraschen einige Zahlen positiv, andere erschrecken: In einem bestimmten Bereich ist sogar eine Zunahme der Taten von 24 Prozent zu verzeichnen. Ist das beunruhigend? Die Zuger Polizei klärt auf.

Die nationalen Trends wurden bereits bekannt gegeben, jetzt wurde auch die Kriminalstatistik des Kantons Zug veröffentlicht (zentralplus berichtete). Die Zahlen unterscheiden sich zum Teil markant, einige Zahlen widerspiegeln aber auch die nationalen Tendenzen, allen voran der Rückgang der Einbrüche. Darüber und über andere spannende Details zur Kriminalität im Kanton haben wir mit Thomas Armbruster, Leiter der Kriminalpolizei Zug, gesprochen. Zudem haben wir Tipps zusammengestellt, wie man sich am besten gegen einen Einbruch schützt (siehe Box).

Präsenz und Prävention sind erfolgreiche Konzepte

Thomas Armbruster, Leiter Kriminalpolizei des Kantons Zug

Thomas Armbruster, Leiter Kriminalpolizei des Kantons Zug

(Bild: Kantonspolizei Zug)

Auffallend positiv zeigen sich zwei Bereiche in der Statistik. Bei den Vermögensdelikten und Straftaten gegen die Freiheit und sexuelle Integrität konnte im Jahr 2015 der grösste Rückgang verzeichnet werden: Diesen Rückgang kann sich Thomas Armbruster nur teilweise erklären. «Sicher haben die vermehrte Präsenz, aber auch die repressiven und präventiven Massnahmen der Polizei dazu beigetragen, dass diese Zahlen zurückgehen», erklärt Armbruster. Auch Zivilfahnder hätten zu diesem Ergebnis beigetragen. Schwer zu erklären seien aber einzelne Phänomene. Beispielsweise, warum es zu weniger Velodiebstählen gekommen sei, oder warum die Fälle von Pornografie insgesamt zurückgingen, dafür aber schwerwiegender wurden.

Alarmanlage als Versicherung gegen Einbruch

Dank Prävention und Präsenz wurden in Zug im Jahr 2015 pro tausend Einwohner «nur» knapp 45 Straftaten entsprechend dem Strafgesetzbuch registriert. Damit liegt Zug deutlich unter dem Schweizer Durchschnitt (60 pro 1000 Einwohner). Einen Grund dafür liegt gemäss Medienmitteilung in der «bisher guten Präsenz und Präventionsarbeit der Polizei im öffentlichen Raum». Sind denn die Zuger Polizisten besser, wenn es um Präventionsarbeit und Präsenz geht?

«Zuger Polizisten sind nicht besser in der Prävention und Präsenz als andere.»
Thomas Armbruster, Leiter Kriminalpolizei Kanton Zug

Armbruster winkt ab. «Das stimmt so nicht.» Gründe für das diesbezüglich bessere Abschneiden der Zuger seien anderswo zu suchen: «Beispielsweise bei all den Privaten und Geschäften, die sehr gut abgesichert sind.» Dabei spielen Alarmanlagen eine wichtige Rolle. «Alarmanlagen haben eine abschreckende Wirkung und schützen so manchen im eher reichen Kanton Zug, wo es möglicherweise etwas zu holen gäbe», so Armbruster.

Dankesbriefe an die Polizei

Weiter ist in der Medienmitteilung zu lesen, dass die Polizistinnen und Polizisten bei ihrer Ermittlungsarbeiten eine sehr hohe Akzeptanz und grossen Rückhalt in der Bevölkerung erfuhren. «Das äussert sich zum Beispiel darin, dass wir Dankesbriefe bekommen nach Einsätzen», so Armbruster. Aber auch die mediale Berichterstattung in Zug sei selten negativ gegenüber der kantonalen Polizei. «Wir sind da viel kritischer mit unserer Arbeit», so Armbruster.

«Am nächsten Tag haben wir manchmal ruhigere oder sogar reuige Täter auf dem Posten.»
Thomas Armbruster

In der gestern erschienenen, schweizweiten Kriminalstatistik zeigt sich diesbezüglich eher das Gegenteil: National gesehen nimmt die Gewalt gegen Polizisten um rund 9 Prozent zu. Armbruster erklärt: «Von der Gewalt gegen Polizisten kann nicht kausal auf die Akzeptanz und den Rückhalt der Polizei in der Bevölkerung geschlossen werden.» Zumindest in Zug sei Gewalt gegen die Polizei immer noch ein Einzelfall. Schlimm seien jeweils vor allem die Nächte an den Wochenenden. So ab drei Uhr morgens, wenn viel Alkohol geflossen sei, können Tätlichkeiten gegen Polizisten schon mal vorkommen. «Am nächsten Tag haben wir dann manchmal ruhigere oder sogar reuige Täter auf dem Posten», schmunzelt Armbruster. «Es kam sogar schon vor, dass sich am Morgen danach jemand entschuldigte.

«Die Polizei geniesst heute sicher weniger Respekt als früher.»
Thomas Armbruster

Was aber sicher stimme, sei, dass die Polizei heutzutage anders wahrgenommen werde als früher. «Die Polizei geniesst heute sicher weniger Respekt als früher und die Zunahme der Gewalt gegen Polizisten widerspiegelt das.»

Gute Aufklärungsraten bei Delikten gegen Leib und Leben

Die Delikte gegen Leib und Leben befänden sich wiederum auf einem sehr tiefen Stand, ist in der Mitteilung zu lesen. Insgesamt wurden gemäss der Statistik total 308 Straftaten registriert. Das entspricht einem Plus von 7 Straftaten im Vergleich zum Vorjahr. Erneut konnten die Zuger Strafverfolgungsbehörden über 90 Prozent dieser Delikte aufklären. Das sind sehr gute Zahlen. Diesen Erfolg erklärt sich Armbruster zum einen, dass es sich vielfach um Beziehungstaten handle. Und zum andern damit, dass bei schweren Taten intensivere Ermittlungen getätigt werden. «Wir setzen viel mehr Mittel zur Aufklärung solcher Delikte ein als beispielsweise bei einem Velodiebstahl.»

So schützen Sie sich gegen Einbruch

Am stärksten von Einbrüchen betroffen waren 2015 Mehrfamilienhäuser. Standorte entlang von Ausfallachsen und in der Nähe von Autobahnanschlüssen sind dafür besonders beliebt. Und zwar unter Tags, wenn die Anwohner arbeiten, und nicht in der Nacht. Thomas Armbruster von der Zuger Polizei rät, selbst vorzubeugen. Für zentralplus hat er fünf Tipps zusammengestellt:

  1. Schliessen Sie Ihre Türe ab und verwenden Sie nach Möglichkeit Multi-Lock-Schlösser. Die sind schwieriger auszuhebeln.

  2. Verwenden Sie Fenster mit Beschlägen und Verriegelungen.

  3. Verstecken Sie Ihre Wertsachen in einem Safe oder im Bankschliessfach, nicht einfach im Schlafzimmer.

  4. Nachbarschaftswache: Achten Sie sich auf verdächtige Vorkommnisse in der Nachbarschaft. Täter spionieren ihre späteren Ziele vorher meist aus. Melden Sie Auffälligkeiten sofort der Polizei. Wir rücken lieber einmal mehr aus und können dafür einen Einbruch verhindern.

  5. Öffnen Sie den Haupteingang des Mehrfamilienhauses nicht, wenn Sie die Person an der Gegensprechanlage nicht kennen.

Für weitere Informationen wenden Sie sich an die Zuger Polizei.

 

Das dunkle Kapitel der Statistik

Ein dunkles Kapitel in der Kriminalstatistik ist die häusliche Gewalt. Diese Delikte haben von 157 auf 194 Delikte, also um ganze 24 Prozent, zugenommen, so die Medienmitteilung. «Wir rücken fast jeden Tag aus», erklärt Armbruster. Er sieht einerseits die aktuelle Wirtschaftslage als möglichen Faktor für diese Zunahme: «Wenn die Lebensumstände schwieriger werden, kann das in der Beziehung oder Familie zu Spannungen bis hin zu Gewalt führen.» Andererseits sei aber auch die zunehmende Emanzipation von Frauen mit Migrationshintergrund ein gewichtiger Faktor bei häuslicher Gewalt. Diese würden sich hier anders verhalten als noch in ihrem Herkunftsland. Das reiche dann schon: «Die Männer verstehen beziehungsweise akzeptieren diese Veränderungen zum Teil nicht», so Armbruster. Problematisch seien in dem Bereich insbesondere Interventionen, welche nicht mit einer Verzeigung enden. «Wenn der Täter vom Opfer nicht angezeigt wird, sind der Polizei die Hände gebunden.» Erst wenn die Polizei ein zweites Mal ausrücken muss, gebe es eine Anzeige von Amtes wegen. So können Wiederholungstäter gezielt bestraft werden.

Einbrüche als Quotenkiller

Die Arbeit geht der Polizei sicher nicht aus. Insbesondere Einbrüche verzeichnen mit nur gerade 8 Prozent eine relativ schlechte Aufklärungsquote. Und obwohl die Zahlen der Einbrüche rückläufig sind, gibt es da viel Luft nach oben. «Wir sind daran, die Abläufe zu optimieren. Wir wollen in Zukunft mehr Fälle aufklären können», sagt Armbruster. Die Schwierigkeit sei, dass die Täter immer professioneller würden und immer weniger Spuren hinterlassen. «Zudem zeigt die Vergangenheit, dass man sie fast in flagranti erwischen muss, wenn man sie überhaupt erwischen will», so Armbruster.

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